Der Bericht «Erasing anything Palestinian: Israel’s ethnic cleansing of West Bank Bedouin and herding communities» zeigt, wie die derzeitige israelische Regierung ihre Pläne zur formellen Annexion des Westjordanlands beschleunigt hat. Amnesty International dokumentiert eine brutale und staatlich unterstützte Kampagne ethnischer Säuberung gegen palästinensische Beduinen- und Hirtengemeinschaften im C-Gebiet des besetzten Westjordanlands. Diese geht mit schweren Verletzungen des Völkerrechts einher.
Der Bericht dokumentiert, wie die Regierung die Ziele der Siedlerbewegung in staatliche Politik überführt hat: Sie beschleunigt den Landraub, treibt den raschen rechtswidrigen Ausbau der Siedlungen voran, verstärkt die Unterstützung für illegale Siedlungen und Aussenposten und ermöglicht aktiv Siedler*innen-Gewalt, die auf die Zwangsvertreibung von Palästinenser*innen aus dem C-Gebiet des Westjordanlands abzielt.
«Wir erleben eine bewusste, staatlich gelenkte Annexion – unter Verletzung des Völkerrechts und vor den Augen der Welt.»
Generalsekretärin von Amnesty International
«Seit dreieinhalb Jahren verschärfen die israelischen Behörden die staatlich unterstützte Kampagne ethnischer Säuberung im Westjordanland. Sie entwurzeln, enteignen und vertreiben die palästinensische Bevölkerung gewaltsam. Diese Kampagne ist nicht das Werk einiger ausser Kontrolle geratener Siedler*innen oder einiger ‹extremistischer› Minister, wie die internationale Gemeinschaft es oft darstellt. Wir erleben eine bewusste, staatlich gelenkte Annexion – unter Verletzung des Völkerrechts und vor den Augen der Welt», sagt Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International.
Obwohl Staaten nach dem Völkerrecht klar verpflichtet sind, die illegale Besatzung und das System der Apartheid zu beenden, sind sie untätig geblieben. «Die internationale Gemeinschaft war entweder mitschuldig oder zu passiv gegenüber den wiederholten Verletzungen des Völkerrechts durch Israel. Sie muss klarstellen, dass die Zeit der stillschweigenden Hinnahme von ethnischer Säuberung und Annexion vorbei ist», so Agnès Callamard.
Laut Angaben der Uno wurden zwischen Januar 2023 und April 2026 mindestens 117 überwiegend palästinensische Beduinen- und Hirtengemeinschaften ganz oder teilweise vertrieben. Bis Ende April 2026 waren demnach mindestens 5910 Menschen von Zwangsvertreibung betroffen.
Die Vertreibungen gehen mit einem beispiellosen Anstieg staatlich unterstützter Siedler*innen-Gewalt einher. Laut der israelischen Friedensorganisation Peace Now wurden bis Ende April 2026 im besetzten Westjordanland 363 Aussenposten errichtet, davon 212 seit 2023. Die israelischen Behörden fördern deren Aufbau aktiv, obwohl diese Aussenposten nach israelischem wie internationalem Recht illegal sind.
Darunter sind Dutzende von Farmen, über die sich israelische Siedler*innen durch Viehbeweidung palästinensische Gebiete aneignen. Hinzu kommen staatliche Landnahmen: Rund 58 Prozent der Flächen in Zone C sind nicht registriert; bis Februar 2026 hatten die israelischen Behörden bereits die Hälfte davon als Staatsland beschlagnahmt.
Neueste Beiträge
-
Jahresbericht Israel / besetzte palästinensische Gebiete 2019
Die israelischen Behörden diskriminierten auch 2019 die in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten lebenden Palästinenser und Palästinenserinnen. Aber auch die Rechte von Flüchtlingen, Fra...
- Moyen-Orient et Afrique du Nord: Rapport 2019
Une nouvelle vague de soulèvements massifs se heurte à une répression brutale
C’est avec une détermination qui fait froid dans le dos, que les gouvernements du Moyen-Orient et d'Afrique du Nord ont brutalement réprimé les manifestations et ont bafoué les droits des centaines de...
- Jahresbericht 2019: Naher Osten und Nordafrika
Jahr des Widerstands
Die Regierungen im Nahen Osten und in Nordafrika zeigten 2019 eine erschreckende Entschlossenheit, Proteste mit Gewalt zu zerschlagen. Die Rechte von Hunderttausenden von Demonstrierenden, die auf die...
- Überwachung
Marokkanische Menschenrechtsverteidiger mit israelischem NSO-Spionageprogramm angegriffen
Zwei bekannte marokkanische Menschenrechtsverteidiger sind mit einer Überwachungssoftware, die von der in Israel ansässigen NSO-Gruppe entwickelt wurde, angegriffen worden. Aufgedeckt wurde der Angrif...
- Israel
Palästinensische Knesset-Abgeordnete werden diffamiert und diskriminiert
Diskriminierende Gesetze, Regulationen und herabsetzende Rhetorik: Palästinensische Abgeordneten werden in der Knesset eingeschränkt und diffamiert. Sich für Minderheiten und deren Rechte einzusetzen,...