Die zunehmend autoritären Praktiken und der Gewalteinsatz der US-Regierung stellen eine ernste Gefahr für alle Menschen dar. Besonders betroffen davon sind Migrant*innen, Angehörige ethnischer Minderheiten und LGBTQIA-Menschen. Sie sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, wenn sie in die USA einreisen oder sich dort aufhalten. Wir appellieren an alle WM-Besucher*innen bei der Einreise in die USA und bei Reisen innerhalb des Landes Vorsicht walten zu lassen und einen Notfallplan parat zu haben.
Einzelpersonen können in den USA folgenden Risiken und Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sein:
● Willkürliche Verweigerung der Einreise und mögliche Festnahme, Inhaftierung und/oder Abschiebung von Personen, die nicht über die US-amerikanische Staatsangehörigkeit verfügen. Dieses Risiko besteht, selbst wenn die Einreise zuvor bewilligt wurde. Ein Visum oder eine ESTA-Genehmigung sind keine Garantie für die Einreise. Die Zoll- und Grenzschutzbehörde der USA verfügt über einen grossen Ermessensspielraum, was die Bewilligung der Einreise und auch die Festnahme oder Zurückweisung von Reisenden vor Ort angeht. Trans Menschen, die in die USA einreisen möchten, müssen gemäss jüngsten Verordnungen bei der Visa-Beantragung ihr bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht angeben. Andernfalls kann ihnen die Einreise verweigert werden.
● Einreisebeschränkungen und -Verbote: Aufgrund von neuen generellen Einreiseverboten können Fans aus Côte d'Ivoire, Haiti, Iran und Senegal nicht in die USA einreisen – es sei denn, sie hatten bereits vor dem 1. Januar 2026 ein gültiges Visum. Im Januar 2026 verhängte die Regierung ausserdem umfassende Reisebeschränkungen über die Staatsangehörigen von 19 Ländern.[1] Für Personen aus 20 Ländern bestehen gewisse Beschränkungen.[2]
● Invasives Durchleuchten von Social-Media-Accounts und Durchsuchung von elektronischen Geräten bei der Einreise. Die Regierung hat für bestimmte Visumskategorien wie z. B. Arbeits- und Studienvisa verfügt, dass die Antragsteller*innen dem Aussenministerium Zugriff auf ihre Social-Media-Accounts einzuräumen haben, damit diese auf «anti-amerikanische» und «antisemitische» Inhalte geprüft werden können. Das US-Heimatschutzministerium beansprucht weitreichende Befugnisse zur Durchsuchung der elektronischen Geräte von Reisenden an der Grenze.
● Gewalttätige und diskriminierende Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen, einschliesslich Racial Profiling, durch die Strafverfolgungsbehörden. Im vergangenen Jahr entsandte die Regierung Bundeseinwanderungsbehörden in Städte im ganzen Land, darunter grosse Kontingente militarisierter Kräfte nach Los Angeles (Kalifornien), Portland (Oregon), Washington D.C., Chicago (Illinois), Charlotte (North Carolina) und zuletzt in die Zwillingsstädte Minneapolis und St. Paul (Minnesota). Dies löste in den betroffenen Städten Unsicherheit und Angst aus. Im Bundesstaat Minnesota nahmen vermummte und bewaffnete Sicherheitskräfte Menschen auf der Grundlage ihrer vermeintlichen ethnischen Zugehörigkeit und Staatsangehörigkeit rechtswidrig fest. Dabei gingen sie gezielt gegen Menschen von vermeintlich somalischer oder lateinamerikanischer Herkunft vor, auch wenn sie keine Informationen über die Staatsangehörigkeit oder den Einwanderungsstatus der betroffenen Personen hatten. Vielerorts wurde die Einwanderungsbehörde ICE mit der Durchsetzung von Einwanderungsbestimmungen betraut. Seit Ende März 2026 setzt die Regierung auch ICE-Angehörige für Kontrollen an Flughäfen ein.
● Unterdrückung von Meinungsfreiheit und Protest sowie verstärkte Überwachung. Protestierende werden in den USA regelmässig von Ordnungskräften eingeschüchtert, schikaniert und gewaltsam angegriffen. Betroffen sind auch Personen, die rechtswidrige Handlungen zur Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen beobachten. Anfang 2026 eskalierte die Gewalt seitens der Sicherheitskräfte mit der Tötung von Renee Good and Alex Pretti in Minnesota. Auch Ruben Ray Martinez, Keith Porter und Silverio Villegas González wurden durch Gewaltanwendung von Bundesbeamt*innen getötet. Journalist*innen werden für ihre Berichterstattung über Proteste festgenommen, strafrechtlich verfolgt oder gar ausgeschafft. Im Juli 2025 machten zivilgesellschaftliche Organisationen in einem Brief an die Fifa darauf aufmerksam, dass Personen, die politische Ansichten äussern, die der Regierung missfallen, einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, willkürlich inhaftiert und abgeschoben zu werden. Bei der Überwachung von Protesten setzen die Ordnungskräfte auf verschiedene Strategien wie Drohnen, Gesichtserkennungssoftware und Telefonüberwachung – und zählen dabei auf die Unterstützung von Tech-Firmen.
● Ernstes Risiko, im Gewahrsam der Einwanderungsbehörden grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung ausgesetzt oder gar getötet zu werden. Anfang Februar 2026 haben sich 68‘289 Menschen in ICE-Haft befunden. Seit Anfang 2026 sind 14 Menschen im Gewahrsam der Einwanderungsbehörden gestorben. Im Jahr 2025 starben insgesamt 32 Menschen in ICE-Hafteinrichtungen. Amnesty International berichtete über Folter und unmenschliche Behandlungen in zwei Ausschaffungs-Haftanstalten. Personen in ICE-Haft berichteten, unzureichenden Zugang zu rechtlichem Beistand und grundlegender medizinischer Versorgung zu haben.
Wir empfehlen Reisenden in die USA:
● sich mit ihren Rechten vertraut zu machen, beispielsweise auf der Seite der American Civil Liberties Union, des National Immigration Law Center (“Immigration Arrests at Airports”) oder bei Amnesty USA («How to Stay Safe Around ICE»).
● ihre elektronischen Geräte zu sichern, indem sie z. B. sensible Daten aus dem Handy löschen und die Entsperrung per Gesichtserkennung oder Fingerabdruck deaktivieren.
● Familie, Freund*innen und/oder Kolleg*innen über geplante Reisen in die USA zu informieren.
● sich die App ReadyNow! von Human Rights First herunterzuladen, um im Fall einer Inhaftierung eine Vertrauensperson benachrichtigen zu können.
Journalist*innen können sich beim Committee to Protect Journalists (CPJ) und Reporters Without Borders darüber informieren, wie sie auf sichere Weise in die USA einreisen und Bericht erstatten können. Sie können sich an den eigens von CPJ entwickelten Chatbot wenden, um detaillierte Sicherheitsinformationen zu erhalten (per SMS mit „Hallo“ an 001-206-590-6191)
[1] Afghanistan, Burkina Faso, Myanmar, Tschad, Republik Kongo, Äquatorialguinea, Eritrea, Haiti, Iran, Laos, Libyen, Mali, Niger, Sierra Leone, Somalia, Südsudan, Sudan, Syrien und Jemen. Auch für Personen mit Ausweispapieren, die von der Palästinensischen Behörde ausgestellt wurden, gelten umfassende Einschränkungen.
[2] Angola, Antigua und Barbuda, Benin, Burundi, Côte d‘Ivoire, Kuba, Dominica, Gabun, Gambia, Malawi, Mauretanien, Nigeria, Senegal, Tansania, Togo, Tonga, Turkmenistan, Venezuela, Sambia und Simbabwe.
Unterzeichnende Organisationen:
Advocates for Immigrant Rights and Reconciliation
ALIGN: The Alliance for a Greater New York
American Civil Liberties Union
American Friends Service Committee
American Friends Service Committe, Florida
Amnesty International USA
American-Arab Anti-Discrimination Committee
Arizona Justice Alliance
Asian Americans Advancing Justice–Atlanta
Bilbao Law
Black Alliance for Just Immigration (BAJI)
Center for Constitutional Rights
Center for Victims of Torture
Central American Resource Center Houston
Central Florida Jobs with Justice
Coalition of Black Trade Unionists
committee to Project Journalists
Community Labor United
Community United Methodist Church
Council for Global Equality
Cross Border Network for Justice and Solidarity cylindr
Decarcerate KC
Democratic Socialists of America, Kansas City
Desiree Alliance
Dream Action Oklahom
EHD Advisory
El Movimiento DFW
Fair Immigration Reform Movement (FIRM)
Fe y Justicia Worker Center
First United
Florida Immigrant Coalition
Florida Immigration Law and Justice Center, Inc.
Florida Rising
Four Freedoms Forum
Georgia Voices United
Haitian Bridge Alliance
Hands Off NYC
Hawai'i Institute for Human Rights
Hispanics For Florida
Human Rights Cities Alliance
Human Rights First
Immigrant Defenders Law Center (ImmDef)
International Center for Advocates Against Discrimination (ICAAD)
International Human Rights Clinic at Santa Clara Law
Immigrant Legal Resource Center (ILRC)Jacksonville Area Legal Aid
Jobs with Justice Education Fund
Joyful Resistance South Florida
Labor Council for Latin American Advancement (LCLAA)
Latino Community Fund Georgia
Latin America Working Group
Legal Defense Fund
Los Angeles Alliance for a New Economy (LAANE)
Loyola Law School, Immigrant Justice Clinic
Make the Road New Jersey
Malcolm X Center for Self Determination
Met Council on Housing
Mijente Support Committee
NAACP Florida State Conference
National Birth Equity Collaborative
National Homelessness Law Center
National Immigration Law Center (NILC)
National Immigration Project (NIP)
National Lawyers Guild
Neighbor to Neighbor Massachusetts
New Disabled South
New Jersey Alliance for Immigrant Justice
New York Communities for Change NO ICE Philly
Northwest Immigrant Rights Project
Organized Power in Numbers
Pedro Arrupe Jesuit Institute
Pittsburgh Human Rights City Alliance
PowerSwitch Action
Public Counsel
Play Fair ATL
Reporters Without Borders (RSF)
Reproductive Justice Action Collective (ReJAC)
Revolución Educativa
Reyes Legal, PLLC
Safe Space Fort Smith
santa Clara County Rapid Response Network
Sharma-Crawford Attorneys at Law
Southern Border Communities Coalition
Southern Poverty Law Center
Tallahassee Community Area Response Equipo (TCARE)
Tenants and Neighbors
Texas Young Active Labor Leaders
The Advocates for Human Rights
The Alliance for Diplomacy and Justice
The Assembly
The George Washington University Law Immigration Clinic
Tr&ns
United Methodist Church of West Palm Beach
University Network for Human Rights
Vecinos Unidos DFW
VOCAL–NY
We Are CASA
Women on the Rise, Georgia
Women's All Points Bulletin
Workers Defense Action Fund
Working Washington
Unterstützende Gruppen
Independent Supporters Council Nordamerika
All Stripes (Atlanta)
Brickyard Battalion (Indianapolis)
Bridge Brigade Supporters Group (San Francisco Bay Area)
Bucket Hat Brigade (Minnesota)
Cloud 9 Supporters Club (New Jersey/New York)
Dallas Beer Guardians (Dallas)
Dark Clouds (Minnesota)
Doopin Delinquents (Philadelphia)
Footie Mob (Atlanta)
Galactic Ambassadors (New Mexico)
Generation: CITY (St. Louis)
Resurgence Supporters Group (Atlanta)
Riptides (San Diego)
Rogue Cavaliers Brigade (Salt Lake City)
Sons of Ben (Philadelphia)
Steel Magnolias (Atlanta)
The Railbirds (Lexington)
Timbers Army (Portland)
Tulsa Lunatics (Tulsa)
Undertow KC (Kansas