Am 15. Januar sprach das Gericht von Lesbos in Griechenland Seán Binder und 23 Mitangeklagte von allen Anschuldigungen frei.
Die 24 ehemaligen Freiwilligen wurden vor sieben Jahren verhaftet – wegen Menschenhandels und anderer Straftaten – und hätten mit bis zu 20 Jahren Haft rechnen müssen. Sie hatten für eine Nichtregierungsorganisation gearbeitet, die zwischen 2015 und 2018 Asylsuchende rettete, die vom Ertrinken bedroht waren, als Hunderttausende Geflüchtete die schmale Meerenge von der Türkei nach Griechenland überquerten.
Ihr Fall wurde von Amnesty International, Hilfsorganisationen und Menschenrechtsaktivist*innen als Versuch, humanitäre Hilfe zu kriminalisieren, heftig kritisiert und als tiefgreifend für die Migrationspolitik in ganz Europa angesehen.
Eve Geddie, Direktorin des Büros für europäische Institutionen von Amnesty International, sagt zum Gerichtsentscheid: «Die heutige Entscheidung ist eine willkommene Erleichterung für Seán und seine Freund*innen, Familie und Unterstützer*innen, aber auch für die Zivilgesellschaft in Griechenland und darüber hinaus. Amnesty International begrüsst diese Entscheidung, betont jedoch erneut, dass diese Anklagen niemals vor Gericht hätten gebracht werden dürfen. Wir hoffen, dass die heutige Entscheidung ein starkes Signal an Griechenland und andere europäische Länder sendet, dass Solidarität, Mitgefühl und die Verteidigung der Menschenrechte geschützt und gefeiert werden sollten, statt bestraft zu werden. Auch die EU muss die heutige Entscheidung zur Kenntnis nehmen und stärkere Schutzmassnahmen gegen die Kriminalisierung humanitärer Hilfe im EU-Recht einführen. Niemand sollte dafür bestraft werden, dass er versucht zu helfen.»
In den vergangenen siebenn Jahre haben Amnesty International und eine grosse Zahl von Unterstützer*innen Seán Binder mit Briefaktionen, Solidaritätsbekundungen und im Briefmarathon 2019 unterstützt.
Die Geschichte von Seán Binder und seiner Kollegin Sarah Mardini - einer syrischen Geflüchteten - ging um die Welt.
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Prozessbeginn gegen Seenotretter*innen Seán Binder und Sarah Mardini
Haft fürs Helfen, Reportage im AMNESTY-Magazin vom 2019
Leben retten ist kein Verbrechen, Briefaktion von 2019 mit Video