USA / Iran

Amnesty International fordert Rechenschaft nach tödlichem US-Angriff auf Schule

Amnesty International fordert eine unabhängige und transparente Untersuchung des US-Luftangriffs auf die Shajareh Tayyebeh Grundschule in Minab, bei dem insgesamt 168 Menschen – darunter laut iranischen Behörden mindestens 110 Kinder – getötet wurden. Recherchen der Menschenrechtsorganisation deuten auf einen schwerwiegenden Verstoss gegen das humanitäre Völkerrecht durch die USA hin.

Details

Beweismaterial – darunter Satellitenbilder, Videoanalysen und Interviews mit drei unabhängigen Quellen – weist darauf hin, dass die Schule und 12 angrenzende Gebäude der Revolutionsgarde (IRGC) am Morgen des 28. Februar direkt mit präzisionsgelenkten Waffen getroffen wurden. Der Verdacht liegt nahe, dass der Angriff auf die Schule aufgrund veralteter Geheimdienstinformationen erfolgte und die US-Streitkräfte es versäumten, bei der Durchführung des Angriffs angemessene Vorkehrungen zu treffen, um zivile Opfer zu vermeiden.

Moderne Aufklärungstechnologien hätten es ermöglichen müssen, die bereits seit mindestens 2016 bestehende Trennung der Schule vom militärischen Gelände zu erkennen. Der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz erhöht das Risiko solcher Fehler bei der Zielauswahl. Am 11. März bestätigte der Kommandant des US-Zentralkommandos Brad Cooper den Einsatz fortgeschrittener KI‑Werkzeuge, um grosse Datenmengen für die Angriffe zu verarbeiten.

«Sollten die Verantwortlichen für den Angriff das Gebäude nicht als Schule erkannt und den Angriff dennoch fortgesetzt haben, würde dies auf grobe Fahrlässigkeit, ein Versagen des militärischen Nachrichtendienstes und einen schwerwiegenden Verstoss gegen das humanitäre Völkerrecht hindeuten», sagte Erika Guevara‑Rosas, leitende Direktorin für Recherche, Advocacy und Kampagnen bei Amnesty International.

«Wenn hingegen die US-Behörden wussten, dass die Schule an einen Standort der IRGC grenzte, und den Angriff durchgeführt haben, ohne alle möglichen Vorsichtsmassnahmen zu treffen – zum Beispiel einen Angriff bei Nacht oder eine wirksame Warnung der Bevölkerung –, dann wäre dies ein wahlloser Angriff, bei dem Zivilist*innen getötet wurden. Dies müsste als Kriegsverbrechen untersucht werden.»

Amnesty International fordert, dass die US‑Untersuchung alle Phasen der Zielauswahl miteinschliesst – inklusive Geheimdienstdaten, Entscheidungsprozesse und den Einsatz künstlicher Intelligenz –und die Ergebnisse veröffentlicht werden. Betroffene Familien haben Anspruch auf Wahrheit, Gerechtigkeit und umfassende Wiedergutmachung.

Die Menschenrechtsorganisation kritisiert zudem, dass iranische Behörden das Leid der Familien für Propagandazwecke instrumentalisiert und traumatisierte Kinder vor laufender Kamera befragt haben. Gleichzeitig hätten die Behörden die Schule nicht neben einem militärischen Ziel belassen und Zivilpersonen aus der Gefahrenzone entfernen müssen.

Der Angriff ereignete sich im Rahmen breit angelegter US‑israelischer Militärschläge gegen den Iran, bei denen laut Berichten bereits über 1'255 Menschen getötet wurden. Bei iranischen Vergeltungsschlägen kamen mehrere Hundert Menschen in der Region ums Leben. Uno‑Expert*innen forderten am 12. März eine unabhängige Untersuchung möglicher schwerer Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht – einschliesslich des Angriffs auf die Schule in Minab.

Weitere Informationen lesen Sie auf unserer internationalen Webseite (in Englisch):  USA/Iran: Those responsible for deadly and unlawful US strike on school that killed over 100 children must be held accountable

Medienmitteilung 16. März 2026, London/Bern – Medienkontakt