Iran

Massive Repression: Amnesty warnt vor systematischer Vertuschung

Nach den Massakern an Demonstrierenden vom 8. und 9. Januar 2026 gehen die iranischen Behörden mit massiver Repression gegen die Bevölkerung vor. Amnesty International dokumentiert willkürliche Massenverhaftungen, Verschleppungen und Einschüchterung der Familien der Opfer.

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Die Behörden haben das Internet abgeschaltet, schwer bewaffnete Patrouillen in den Strassen eingesetzt, nächtliche Ausgangssperren verhängt und jegliche Versammlungen verboten. Tausende Menschen – darunter auch Kinder – wurden festgenommen, zum Verschwinden gebracht oder gefoltert. In mehreren Fällen verweigerten Sicherheitskräfte verletzten Demonstrierenden medizinische Hilfe oder nahmen sie später in den Krankenhäusern fest.

«Die Behörden isolieren gezielt mehr als 90 Millionen Menschen vom Rest der Welt, um ihre Verbrechen zu vertuschen», sagte Diana Eltahawy, stellvertretende Regionaldirektorin für den Nahen Osten und Nordafrika. «Die internationale Gemeinschaft darf nicht zulassen, dass ein weiteres Kapitel massiver Gräueltaten im Iran ohne Konsequenzen bleibt». Amnesty International fordert dringend internationale Ermittlungen und Strafverfolgung der Täter, um die Spirale aus Blutvergiessen und Straflosigkeit zu stoppen.

Laut dem iranischen Nationalen Sicherheitsrat wurden 3117 Menschen getötet; die Uno-Sonderberichterstatterin für den Iran spricht von mindestens 5000 Todesopfern. Die heutige Sondersitzung des Uno-Menschenrechtsrats in Genf unterstreicht die Dringlichkeit einer unabhängigen internationalen Untersuchung.

Amnesty International dokumentiert systematische Gewalt und Repression

Die seit dem 8. Januar 2026 von den iranischen Behörden verhängte Informationssperre macht eine gründliche Dokumentation der Menschenrechtsverletzungen sehr schwierig. Dennoch erreichten Amnesty International Hinweise auf weit verbreitete Gewalt aus zahlreichen Provinzen. Besonders alarmierend sind Berichte über erzwungene «Geständnisse», Folter, sexualisierte Gewalt und Drohungen gegen medizinisches Personal.

Nach Informationen von Amnesty International wurden Familien von Getöteten gezwungen, Beerdigungen unter Aufsicht mitten in der Nacht abzuhalten oder falsche Geständnisse zu unterschreiben. Teilweise gaben die Behörden Leichen nur gegen hohe Geldforderungen oder nach erzwungenen Falschaussagen heraus. So mussten Familien unter Zwang erklären, ihre verstorbenen Angehörigen seien Mitglieder der Basij-Bataillone der Islamischen Revolutionsgarde gewesen und nicht Demonstrant*innen und Terroristen seien für ihren Tod verantwortlich.

Seit dem 9. Januar errichten Sicherheitskräfte im ganzen Land Kontrollpunkte, durchsuchen Fahrzeuge und Mobiltelefone und verbieten Ansammlungen von mehr als zwei Personen. Online veröffentlichte Videos bestätigen die Präsenz schwer bewaffneter Einheiten in zahlreichen Städten.

Amnesty International fordert die sofortige Wiederherstellung des Internetzugangs, die Freilassung aller willkürlich Inhaftierten, Schutz vor Folter sowie uneingeschränkten Zugang zu Rechtsbeistand und medizinischer Versorgung. Die Einschüchterung der Familien muss unverzüglich beendet werden. 

Medienmitteilung 23. Januar 2026, London/Bern – Medienkontakt