Die «Allianz gegen Waffenexporte in Bürgerkriegsländer» – in der politische Parteien von der BDP und der GLP bis zu den Grünen, die GSoA, Hilfswerke und kirchliche Organisationen vertreten sind – präsentiert heute in Bern ihre Forderungen der Öffentlichkeit. Wenn weder der Bundesrat noch das Parlament den Entscheid kippen, dass auch Bürgerkriegsländer direkt mit Kriegsmaterial beliefert werden dürfen, lanciert die Allianz die Initiative «Gegen Waffenexporte in Bürgerkriegsländer». Die «Korrektur-Initiative» fordert eine Rücknahme der zwei jüngsten Lockerungen der Kriegsmaterialverordnung (KMV) – sie verlangt also keine Verschärfung der Waffenexportkontrolle, sondern eine Rückkehr zu den Regeln wie sie Bundesrat 2008 beschlossen hatte.
Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, startete die Allianz einen öffentlichen Aufruf: Gesucht wurden 25'000 Personen, die sich bereit erklären, je vier Unterschriften für die Korrektur-Initiative zu sammeln.
Dieses Ziel wurde rasch erreicht. Die Anmeldung für die Unterschriftensammlung läuft aber weiter – je mehr Menschen mitmachen, desto höher wird der Druck. Die Allianz gegen Waffenexporte in Bürgerkriegsländer hat zudem einen «Last Call» an den Bundesrat lanciert, die geplante Verordnungsänderung noch zu stoppen. Falls er das nicht tut, wird die Initiative gestartet. Der Initiativtext ist momentan bei der Bundeskanzlei zur Vorprüfung. Wann dieser genau im Bundesblatt veröffentlicht wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar – spätestens wohl gegen Ende Jahr. Mehr Informationen zum aktuellen Stand finden Sie hier: korrektur-initiative.ch.
Die Schweizer Sektion von Amnesty International unterstützt die Korrektur-Initiative, ist allerdings nicht im Initiativ-Komitee beteiligt, weil dort auch politische Parteien vertreten sind. Amnesty ruft ihre UnterstützerInnen dazu auf, ebenfalls für die Unterschriftensammlung beizutragen.
Amnesty Schweiz hatte sich in den letzten Jahren wiederholt gegen Lockerungen der Waffenexportkontrolle eingesetzt. Der Bundesrat hatte im Jahr 2008 die Kriegsmaterialverordnung (KMV) verschärft, um der damaligen Volksinitiative für ein Waffenexport-Verbot den Wind aus den Segeln zu nehmen. Danach wurde die Waffenexportkontrolle jedoch Schritt für Schritt wieder gelockert:
Der jüngste Entscheid des Bundesrates kommt ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem bekannt geworden ist, dass die aktuelle Waffenexportkontrolle schwerwiegende Mängel aufweist. Die Eidgenössische Finanzkontrolle stellte dem Bund in einem Bericht ein schlechtes Zeugnis aus: Die Exportkontrolle sei «zu weitmaschig und ungenügend koordiniert»; den Kontrolleuren im SECO fehle es an «kritischer Distanz zu den beaufsichtigten Firmen und ihren Lobbyisten»; es mangle an Transparenz und an effektiven Kontrollen durch das SECO; Gesetzeslücken ermöglichten den Waffenfirmen «alternative Exportmöglichkeiten»; die Anpassungen und die Verordnungspraxis führten zu einer «wirtschaftsfreundlichen Umsetzung» des Kriegsmaterialgesetzgebung.
Anstatt die Kriegsmaterialverordnung erneut zu lockern, müsste der Bundesrat die gravierenden Mängel in der aktuellen Exportkontrolle beheben, um sicherzustellen, dass keine Schweizer Waffen in den Händen von Unrechtsstaaten und Terrorgruppen landen.
Zurzeit entscheidet der Bundesrat in Eigenregie über die Kriegsmaterialverordnung und die Ausfuhrpraxis der Schweiz. Nicht einmal das Parlament kann ein Wort dabei mitreden. Ein Vorteil der Korrektur-Initiative ist auch, dass die Waffenexportkontrolle nicht mehr auf Verordnungsebene, sondern auf Verfassungs- und Gesetzesebene geregelt würde. Damit hätten das Parlament und die Stimmberechtigten (via Referendum) ein Mitspracherecht und für mehr Transparenz wäre gesorgt.