«Durch die Förderung von Gaskraftwerken im Ausland verschärft die SERV die Klimakrise.» Patrick Hofstetter, Klimaschutz- und Energieexperte beim WWF Schweiz
2021 verpflichtete sich die Schweiz zusammen mit 34 anderen Ländern im Rahmen der Clean Energy Transition Partnership, ab 2023 keine neuen internationalen fossilen Brennstoffprojekte mehr zu unterstützen. Die Mehrheit der Unterzeichner halten sich an diese Vereinbarung – nicht aber die Schweiz. Die Schweizerische Exportrisikoversicherung SERV hat seit 2023 ihre vorläufige oder definitive Unterstützung für zehn Gaskraftwerke zugesagt, darunter Projekte in höchst repressiven Ländern wie Saudi-Arabien und Turkmenistan. Diese Kraftwerke werden schätzungsweise 20 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr ausstossen – etwa die Hälfte der gesamten nationalen Emissionen der Schweiz.
«Durch die Förderung von Gaskraftwerken im Ausland verschärft die SERV die Klimakrise und bricht mit den Versprechen der Schweiz im Rahmen der Clean Energy Transition Partnership», Patrick Hofstetter, Klimaschutz- und Energieexperte beim WWF Schweiz.
Der offene Brief wurde unter anderem von der Alliance Sud, Amnesty International Schweiz, Greenpeace Schweiz, HEKS, der Fastenaktion, der Klima-Allianz, den KlimaSeniorinnen, Pro Natura, dem Public Eye, der Schweizerischen Energiestiftung, Swiss Youth for Climate und Swissaid unterzeichnet. Die NGOs fordern den Bundesrat, das SECO und die SERV darin auf, folgende vier Massnahmen zu treffen:
«Die Förderung von internationalen Gasprojekten schadet der Glaubwürdigkeit der Schweizer Aussen-, Umwelt- und Klimapolitik und verzögert den notwendigen Übergang der Schweizer Wirtschaft ins Zeitalter der erneuerbaren Energien», kommentiert Oliver Daepp, Geschäftsleiter des Vereins Klimaschutz Schweiz.
«Fossile Energien haben nicht nur Auswirkungen auf das Klima, sondern auch auf die Menschenrechte.» Danièle Gosteli Hauser, Verantwortliche für Wirtschaft und Menschenrechte, Amnesty International Schweiz
In einem separaten Brief an den Bundesrat unterstützten 17 internationale NGOs, darunter Climate Action Network Europe, Oil Change International und Friends of the Earth US, die Forderungen der Schweizer Organisationen. «Wie alle Länder sollte die Schweiz auf ihren internationalen Ruf achten», schreiben die NGOs in ihrem Brief. «Als Sitz zahlreicher internationalen Organisationen sollte sich die Schweiz auch des Werts der internationalen Zusammenarbeit, gerade im Bereich des Klimawandels, bewusst sein.»
Die Schweizer NGOs überreichten die beiden Briefe am 25. Februar 2026 dem Verwaltungsrat der SERV, der sich in Zürich zu einer Sitzung traf. Campax und das Collectif BreakFree Suisse führten dabei eine Protestaktion durch, bei welcher Dutzende von Personen Uhren mit Verspätung zeigten, um darauf hinzuweisen, dass die Schweizer Klimapolitik der Zeit hinterher hinkt.
«Die Schweiz darf nicht länger zur kleinen Gruppe von Ländern gehören, die die internationale Klimapolitik sabotieren», kommentierte dabei Nora Scheel, Campaignerin bei Campax.
«Fossile Energien haben nicht nur Auswirkungen auf das Klima, sondern auch auf die Menschenrechte. Die SERV darf ihre Verantwortung nicht ignorieren», ergänzt Danièle Gosteli Hauser, Verantwortliche für Wirtschaft und Menschenrechte, Amnesty International Schweiz.
Medienmitteilung 25. Februar 2026, London/Bern – Medienkontakt