Der Konflikt, der am 15. April 2023 zwischen der sudanesischen Armee (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) ausbrach, hat bereits eine lange Vorgeschichte. Seit Jahrzehnten ist besonders die Region rund um die Provinz Darfur im Westen des Landes von ethnischen Spannungen und Gewalt geprägt. Infolgedessen kam es immer wieder zu schweren Menschenrechtsverletzungen – auch durch die Regierung des ehemaligen Machthabers Omar Al-Bashir, der die nicht-muslimischen Minderheiten im Sudan stark unterdrückte. Abspaltungsversuche in Darfur liess er wiederholt gewaltsam niederschlagen.
Omar Al-Bashirs Regierung wurde 2019 gestürzt und von einer Übergangsregierung abgelöst, was allerdings nicht zu politischer Stabilität führte. Ein weiterer Militärputsch 2021 ging mit dem Versprechen einher, den Übergang zu einer zivilen Regierung zu schaffen und die RSF-Truppen in das Militär einzugliedern. Dieser Vorschlag verstärkte jedoch die Spannungen zwischen General Abdel Fattah al-Burhan, dem Vorsteher der SAF und General Mohamed Hamdan Daglo, dem Anführer der RSF. Daglo unterstellte Burhan, seine Macht nicht aufgeben zu wollen. Aus diesem Konflikt ist ein blutiger Machtkampf geworden – mit verheerenden Konsequenzen für die Zivilbevölkerung.
Der Konflikt eskalierte am 15. April 2024, als es zu gewaltsamen Ausschreitungen in der Hauptstadt Khartum kam. Die RSF eroberte Khartum sowie weitere Städte im Südosten des Sudans. Der sudanesischen Armee gelange es erst fast zwei Jahre später, im März 2025, die Kontrolle über Khartum zurückzuerobern. Dies war ein herber Schlag für die RSF, welche im Oktober 2025 zu einem brutalen Gegenschlag ausholten und die Grossstadt El Fasher in der Provinz Darfur grausam unter ihre Kontrolle rissen. Überlebende berichteten Amnesty International von gezielten Tötungen unbewaffneter Männer, Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen sowie Geiselnahmen.
Der Konflikt im Sudan ist ein innerstaatlicher Konflikt zwischen der sudanesischen Armee (Sudanese Armed Forces, SAF) unter General Abdel Fattah al-Burhan, und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), unter General Mohamed Hamdan Daglo, auch bekannt unter dem Namen “Hemeti”. Sowohl die SAF als auch die RSF werden von kleineren bewaffneten Gruppierungen unterstützt.
Die RSF wurde 2013 gegründet und ist aus der Janjaweed-Miliz hervorgegangen, welche mehrfach der Verbrechen an der nicht-muslimischen Bevölkerung in der Region Darfur beschuldigt wurde. Die RSF ist zu einer mächtigen paramilitärischen Gruppe geworden, die einige der Goldminen im Sudan kontrolliert und Expert*innen zufolge auch Gold in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) schmuggelt.
Im Juli 2025 kündigte die RSF an, eine alternative Regierung zu bilden, um den militärisch geführten Behörden in der Hauptstadt Khartum die Macht streitig zu machen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Sudan zum zweiten Mal spalten wird – der Südsudan hatte sich bereits 2011 abgespalten.
Seit Jahrzehnten üben zahlreiche ausländische Kräfte ihren Einfluss auf den Sudan aus. So kam der ehemalige Machthaber Omar Al-Bashir 1989 nur dank der Unterstützung von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Nachbarland Ägypten an die Macht.
Dank seiner strategischen Lage am Horn von Afrika, dem Nil und dem Anstoss ans Rote Meer ist Sudan von grossem Interesse für ausländische Mächte. Mehrere ausländische Akteur*innen versuchen so Einfluss auf die Konfliktparteien zu nehmen und unterstützen diese, teilweise auch mit Waffenlieferungen. Amnesty International hat in einer Recherche aufgedeckt, dass neu hergestellte oder erst kürzlich gelieferte Waffen und Munition aus Ländern wie China, Russland, Serbien, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Jemen in grossen Mengen in den Sudan importiert werden.
Seit 2004 gilt für die westliche Region Darfur ein Waffenembargo. Dieses verbietet den Verkauf, die Lieferung oder die Weitergabe von Waffen, Rüstungsgütern und militärischer Ausrüstung. Doch immer wieder zeigt sich, dass das Embargo in seiner jetzigen Form weitgehend unwirksam ist. In einigen Fällen konnte Amnesty nachweisen, dass die Waffen trotz Waffenembargo nach Darfur geliefert wurden.
Der Sudan ist reich an natürlichen Ressourcen, insbesondere Gold, Erdöl, Kupfer, Eisen, Uran, seltenen Erden sowie Gummi Arabicum. Aufgrund andauernder Konflikte, schwacher Staatsführung und Infrastrukturprobleme ist die Nutzung der Ressourcen jedoch von Herausforderungen geprägt. Dies macht den Sudan besonders abhängig von ausländischen Unternehmen und Einflüssen. Das Land war zudem die «Kornkammer Afrikas» und einer der wichtigsten Rindfleisch-Exporteure in die Golfstaaten.
Besonders der Goldexport aus dem Sudan gilt als einer der Motoren des Bürgerkrieges. Ein Grossteil des Goldes aus dem Sudan gelangt (teilweise über Schmuggelwege) in die Vereinigten Arabischen Emirate – und von da aus in die ganze Welt. Gemäss Daten der sudanesischen Zentralbank importierten die VAE in der ersten Hälfte des Jahres 2025 rund 90 Prozent der offiziellen sudanesischen Goldexporte. Gewisse Minen, von denen das Gold exportiert sind, stehen unter Kontrolle der SAF oder der RSF. Es ist daher davon auszugehen, dass der Goldhandel wesentlich zur Finanzierung des Konfliktes im Sudan beiträgt.
Bereits 2024 zählte die Krise im Sudan laut der Uno zu den grössten humanitären Katastrophen der Welt – eine Einschätzung, welche die Uno 2025 erneut vornahm.
Der Konflikt forderte bereits über 150'000 Todesopfer. Mehr als dreizehn Millionen Menschen, darunter fast sechs Millionen Kinder, wurden vertrieben, wodurch der Sudan zur grössten Vertreibungskrise der Welt wird. Über 30 Millionen Menschen – das ist mehr als die Hälfte der sudanesischen Bevölkerung – sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Schon vor Kriegsbeginn war der Sudan eines der ärmsten Länder der Welt – trotz des Goldes. Seine 46 Millionen Einwohner lebten 2022 von einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 750 Dollar pro Kopf. Der Konflikt hat die Lage noch verschlimmert. Im vergangenen Jahr erklärte der sudanesische Finanzminister, die Staatseinnahmen seien um 80 % geschrumpft.
Der Konflikt hat die Nahrungsmittelproduktion im Sudan nachhaltig geschädigt. Dies führte dazu, dass die Uno in mehreren Regionen eine Hungersnot ausrief. Besonders stark trifft diese die Stadt El Fasher, zu der jegliche Zufahrtsstrassen von den RSF blockiert werden. Besonders stark von der Hungersnot betroffen sind Kinder. Laut Unicef weist der Sudan weltweit eine der höchsten Mangelernährungsraten bei Kindern unter fünf Jahren auf. Mehr als 730 000 Kinder leiden an schwer akuter Mangelernährung. Hinzu kommt, dass das Gesundheitssystem stark überlastet ist. In überfüllten Notunterkünften häufen sich die Ausbrüche von hochansteckenden Krankheiten.
Der Zugang zur Region Darfur ist für Hilfsorganisationen stark eingeschränkt. Hilfslieferungen werden von den Konfliktparteien nur selten gewährleistet. Routinemässig werden humanitäre Mitarbeiter*innen angegriffen, teilweise gar getötet.
Amnesty International dokumentiert seit Ausbruch der Kämpfe im April 2023 verschiedenste Kriegsverbrechen, welche sowohl durch die RSF wie auch die SAF begangen werden.
Im Rahmen der Eroberung von El Fasher durch die RSF im Oktober 2025 kam es zu schweren Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Überlebende der Gräueltaten von El Fasher berichteten Amnesty International, wie sie mitansehen mussten, wie ganze Gruppen von Männern erschossen oder misshandelt und als Geiseln für Lösegeld verschleppt wurden. Weibliche Überlebende schilderten, dass sie von RSF-Kämpfern sexuell missbraucht wurden – ebenso einige ihrer Töchter. Viele Gesprächspartner*innen beschrieben, wie sie Hunderte Leichen auf den Strassen von El Fasher und den Hauptstrassen aus der Stadt liegen sahen.
Amnesty International hat bereits seit 2023 Kriegsverbrechen durch die RSF und verbündete arabische Milizen dokumentiert, die gemeinsam rassistisch motivierte Angriffe gegen die Masalit und andere nicht-arabische Gemeinschaften in West-Darfur verübten. Amnesty hat im ganzen Land sexualisierte Gewalttaten durch die RSF dokumentiert, die auf Kriegsverbrechen und mögliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinauslaufen.
Amnesty International hat zudem dokumentiert, wie der Konflikt im Sudan durch einen ständigen Zustrom von Waffen in das Land geschürt wird, wobei insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate Waffen und Munition an die RSF liefern. Dies stellt eine eklatante Verletzung des vom UNO-Sicherheitsrat beschlossenen Waffenembargos für Darfur dar – ein Embargo, das auf das gesamte Land ausgedehnt werden sollte.
Amnesty International fordert ein sofortiges Waffenembargo für den Sudan und ein Stopp der Waffenlieferungen. Der UN-Sicherheitsrat muss das Waffenembargo für Darfur dringend auf den restlichen Sudan ausweiten und seine Überwachungs- und Überprüfungsmechanismen ausbauen. Zudem fordert Amnesty International die Überwachung von internationalen Waffenlieferungen. Illegale Waffeneinfuhren müssen wirksam verhindert werden.
In Anbetracht der schwerwiegenden und anhaltenden Menschenrechtsrisiken müssen alle Staaten und Unternehmen die Lieferung von Waffen und Munition an den Sudan unverzüglich einstellen, einschliesslich der direkten oder indirekten Lieferung, des Verkaufs oder der Weitergabe von Waffen und militärischem Material. Auch das Bereitstellen von technischer Hilfe, Ausbildung oder finanzieller Unterstützung muss aufhören.
Zudem muss die Arbeit der UNO-Untersuchungsmission gewährt werden. Nur so können die Verbrechen im Sudan wirkungsvoll und nachhaltig aufgearbeitet werden. Verantwortliche für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen zur Rechenschaft gezogen werden.
Der Zugang zu humanitärer Hilfe muss ermöglicht werden. Weltweit – auch in der Schweiz – müssen Staaten finanzielle Hilfe für den Sudan sprechen und sich dafür einsetzen, dass der Zugang zur Region Darfur ermöglicht wird. Ebenfalls braucht es konzentrierte und betroffenengerechte Unterstützung für die zahlreichen Betroffenen von sexualisierter Gewalt, dazu zählen unter anderem eine angemessene Gesundheitsversorgung.