Sudan

Überlebende berichten von gezielten Tötungen und sexualisierter Gewalt durch RSF

Überlebende schildern Amnesty International grausame Verbrechen der Rapid Support Forces (RSF) nach der Einnahme von El Fasher in Nord-Darfur: Sie berichten von gezielten Tötungen unbewaffneter Männer, Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen sowie Geiselnahmen.

Details

Researcher*innen von Amnesty International befragten Überlebende der Gräueltaten von El Fasher, die berichteten, wie sie mitansehen mussten, wie ganze Gruppen von Männern erschossen oder misshandelt und als Geiseln für Lösegeld verschleppt wurden. Weibliche Überlebende schilderten, dass sie von RSF-Kämpfern sexuell missbraucht wurden – ebenso einige ihrer Töchter. Viele Gesprächspartner*innen beschrieben, wie sie Hunderte Leichen auf den Strassen von El Fasher und den Hauptstrassen aus der Stadt liegen sahen.

Weibliche Überlebende schilderten, dass sie von RSF-Kämpfern sexuell missbraucht wurden – ebenso einige ihrer Töchter.

Diese erschütternden Zeugenaussagen gehören zu den ersten von Augenzeug*innen, die nach dem Fall der Stadt aus El Fasher im Sudan fliehen konnten. Amnesty International sprach mit 28 Überlebenden, die sich nach Tawila im Westen von El Fasher und nach Tina an der Grenze zum Tschad retten konnten, nachdem die RSF am 26. Oktober die Stadt umzingelt und eingenommen hatte. Drei Interviews wurden persönlich im Tschad geführt, die übrigen per Mobiltelefon.

«Die Welt darf nicht wegsehen, während mehr Details über den brutalen Angriff der RSF auf El Fasher bekannt werden», sagte Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International.
«Diese Gewalt gegen Zivilist*innen stellt Kriegsverbrechen dar und könnte weitere internationale Verbrechen umfassen. Alle Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.»

«Diese Gewalt gegen Zivilist*innen stellt Kriegsverbrechen dar und könnte weitere internationale Verbrechen umfassen.» Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International

Was Amnesty fordert
  • Ende aller Waffenlieferungen an Konfliktparteien gemäss Uno-Embargo für Darfur, das auf ganz Sudan ausgeweitet werden muss.
  • Ressourcen für die Uno-Fact-Finding-Mission, um Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen.
  • Uno-Sicherheitsrat soll die ICC-Überweisung auf ganz Sudan ausdehnen.
  • Diplomatischer Druck auf die RSF-Führung, um Angriffe und sexualisierte Gewalt zu beenden.

Agnès Callamard sagt: «Die Unterstützung der RSF durch die Vereinigten Arabischen Emirate befeuert den Kreislauf der Gewalt. Die internationale Gemeinschaft muss handeln.»

Zeug*innenaussagen der Überlebenden:

Ahmed*, 21:

«Wir folgten einer Gruppe Soldaten, die ihre Posten verlassen hatten. Meine Frau wurde durch eine Explosion getötet, ich verlor meine Kinder. Mit meinem Bruder und zwei kleinen Mädchen erreichte ich Golo. Dort hielten uns RSF-Kämpfer an und fragten: ‘Seid ihr Soldaten oder Zivilisten?’ Wir sagten, wir seien Zivilisten. Sie antworteten: ‘In El Fasher gibt es keine Zivilisten.’ Dann befahlen sie meinem Bruder und drei anderen Männern, sich hinzulegen – und erschossen sie. Ich überlebte mit den Mädchen, aber die ältere Frau, die bei uns war, starb unterwegs an Durst.»

Khalil*, 34:

«Wir waren etwa 20 Männer, als uns RSF-Kämpfer in Autos stoppten. Sie befahlen uns, uns hinzulegen. Dann eröffneten zwei Kämpfer das Feuer. 17 Männer starben sofort. Ich überlebte nur, weil ich mich tot stellte. Die RSF tötete Menschen wie Fliegen. Es war ein Massaker.»

Ibtisam*, Mutter von fünf Kindern:

«Am Morgen des 27. Oktober floh ich mit meinen Kindern. Drei RSF-Kämpfer hielten uns an. Einer zwang mich, mitzukommen, schnitt meine Kleidung auf und vergewaltigte mich. Später fand ich meine 14-jährige Tochter blutend und verstört. Sie sagte: ‘Mama, sie haben mich auch vergewaltigt, aber sag niemandem etwas.’ Ihre Gesundheit verschlechterte sich, und sie starb in der Klinik.»

Khaltoum*, 29:

«Sie wählten elf von uns aus. Ich wurde in eine Hütte geführt. Ein bewaffneter Kämpfer sah zu, während der andere mich vergewaltigte – drei Mal an einem Tag. Meine Tochter blieb verschont, aber alle anderen Frauen wurden ebenfalls vergewaltigt.»

Hintergrund

Der anhaltende Konflikt zwischen den Rapid Support Forces (RSF) und den sudanesischen Streitkräften (SAF) begann im April 2023. Er hat Zehntausende Menschen getötet und über 12 Millionen vertrieben – die grösste humanitäre Krise weltweit.

Amnesty International hat Kriegsverbrechen durch die RSF und verbündete arabische Milizen dokumentiert, bei denen sie gemeinsam ethnisch motivierte Angriffe gegen die Masalit und andere nicht-arabische Gemeinschaften in West-Darfur verübten. Die Organisation hat zudem weit verbreitete sexualisierte Gewalt durch die RSF im ganzen Land festgestellt, die Kriegsverbrechen und mögliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen.

Amnesty International hat ausserdem bereits dokumentiert, wie der Konflikt in Sudan durch einen ständigen Zustrom von Waffen in das Land angeheizt wird – in eklatanter Verletzung des bestehenden Waffenembargos für Darfur. Insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate liefern Waffen und Munition an die RSF.