Die RSF-Miliz hat in den vergangenen Tagen die Stadt Bara in Nordkordofan eingenommen und ihre Angriffe um die nahe gelegene Stadt El Obeid verstärkt. Am 3. November sollen durch einen Drohnenangriff bei einem Begräbnis vor El Obeid mindestens 40 Personen getötet worden sein. Die RSF-Miliz hat nicht nur El Obeid eingekesselt, sondern belagert auch weiterhin die Stadt Kadugli in Südkordofan.
«Die Welt darf der Zivilbevölkerung im Sudan nicht weiter den Rücken zukehren. Es ist unverantwortlich, untätig zuzusehen, wenn Zivilpersonen in Gefahr sind, von der RSF-Miliz getötet zu werden. Das schreckliche Blutvergiessen und die Gräueltaten, von denen wir in den vergangenen Wochen in Berichten aus El Fasher gehört haben, dürfen sich nicht wiederholen», sagt Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International.
«Die RSF müssen unverzüglich alle Angriffe auf die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur einstellen und Zivilpersonen, die El Obeid verlassen und anderswo Schutz suchen wollen, freies Geleit gewähren. Alle Staaten, die den Konflikt im Sudan schüren, müssen damit sofort aufhören. Insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate müssen ihre militärische Unterstützung an die RSF, darunter auch die Lieferung von Waffen, einstellen.
Internationale und regionale Unterstützer*innen der RSF müssen verlangen, dass ihre Streitkräfte das humanitäre Völkerrecht achten und den Schutz der Zivilbevölkerung gewährleisten. Ausserdem müssen sie tun, was in ihrer Macht steht, um die Rechenschaft für Menschenrechtsverletzungen und -verstösse zu priorisieren und zu verbessern.»
Seit die RSF am 26. Oktober die Stadt El Fasher von den sudanesischen Streitkräften (Sudan Armed Forces – SAF) eingenommen hat, sind mehrere Videos aufgetaucht, die eine Reihe von Massentötungen und Angriffen auf Zivilpersonen zeigen.
In einer Erklärung vom 3. November äusserte sich die Anklagebehörde des Internationalen Strafgerichtshofs alarmiert über Berichte aus El Fasher über Massentötungen, Vergewaltigungen und andere Verbrechen, die bei Angriffen der RSF begangen worden sein sollen.
«Die internationale Gemeinschaft – darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, der Uno-Sicherheitsrat, die EU-Mitgliedstaaten, das Vereinigte Königreich, die USA, Russland und China – hat die Bevölkerung des Sudan im Stich gelassen. Sie muss dringend Druck auf die Führung der RSF ausüben, damit diese ihre brutalen Angriffe auf die Zivilbevölkerung beenden», sagt Agnès Callamard.
Amnesty International fordert auch die zuständigen regionalen Gremien wie die Afrikanische Union, die Zwischenstaatliche Behörde für Entwicklung (IGAD), die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) und die Arabische Liga auf, weiter Druck auf die RSF auszuüben, damit diese ihre Angriffe auf Zivilpersonen einstellt.
Der anhaltende Konflikt im Sudan begann im April 2023. Seitdem wurden Zehntausende Menschen getötet und über zwölf Millionen vertrieben. Damit ist er die grösste humanitäre Krise der Welt. Die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), die gegen die sudanesischen Streitkräfte (Sudan Armed Forces – SAF) kämpfen, halten El Fasher seit Mai 2024 besetzt. Am 26. Oktober hiess es von Seiten der RSF, sie haben El Fasher, die letzte grosse Stadt in Darfur unter Kontrolle der SAF, in Teilen erobert. Am 27. Oktober gaben die SAF bekannt, ihre Kräfte aus der Stadt abgezogen zu haben.
In El Fasher lebten über 1,5 Millionen Menschen, darunter Hunderttausende Binnenvertriebene, die Anfang der 2000er Jahre vor den Kämpfen in anderen Teilen Darfurs und vor dem anhaltenden Konflikt geflohen waren Schätzungen zufolge waren vor den Angriffen am 26. Oktober rund 260.000 Zivilpersonen in der Stadt eingeschlossen.
Amnesty International hat in mehreren Berichten Kriegsverbrechen durch die RSF und verbündete arabische Milizen dokumentiert, darunter ethnisch motivierte Angriffe gegen die Masalit und andere nicht-arabische Gemeinschaften in West-Darfur.
Amnesty International hat bereits in der Vergangenheit recherchiert, wie fortlaufende Waffenlieferungen in den Sudan, unter eklatanter Verletzung des bestehenden Waffenembargos für Darfur, den Konflikt befeuern.