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Freilassung des Schweiz-Tunesiers Mustapha Djemali

Am Abend des 24. November wurden die Menschenrechtsverteidiger Mustapha Djemali und Abderrazek Krimi nach rund 20 Monaten Haft freigelassen. Beide waren vom Gericht erster Instanz in Tunis zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden, doch aufgrund der bereits verbüssten Untersuchungshaft setzte das Gericht den Rest der Strafe aus. Drei weitere Mitarbeitende des Tunesischen Flüchtlingsrats (CTR) wurden freigesprochen.

Details

«Die Freilassung von Mustapha Djemali und Abderrazek Krimi ist eine grosse Erleichterung für ihre Familien. Dennoch ist es empörend, dass sie wegen ihrer humanitären Arbeit für den Tunesischen Flüchtlingsrat verurteilt wurden. Beide wurden willkürlich inhaftiert und einer fingierten strafrechtlichen Untersuchung unterzogen – einzig, weil sie Menschen in Not geholfen haben. Ihre Organisation leistete in Zusammenarbeit mit dem UNHCR und den tunesischen Behörden unverzichtbare Unterstützung für Geflüchtete und Asylsuchende», sagte Sara Hashash, stellvertretende Regionaldirektorin für den Nahen Osten und Nordafrika bei Amnesty International.

Die gegen sie erhobenen Vorwürfe – darunter die «Gründung einer Organisation zur Unterstützung der illegalen Einreise» – stellen einen Missbrauch von Gesetzen zur Bekämpfung des Menschenhandels dar, um den zivilgesellschaftlichen Raum einzuschränken. Dieses Urteil sendet eine abschreckende Botschaft an Menschenrechtsverteidiger*innen in Tunesien: Wer seinen Auftrag erfüllt, muss mit Verhaftung und Inhaftierung rechnen.

Amnesty International fordert die tunesischen Behörden auf, das Urteil nachträglich aufzuheben und ihre Verpflichtungen aus dem Völkerrecht einzuhalten, insbesondere das Recht auf Vereinigungs- und Meinungsfreiheit. «Anstatt Menschenrechtsverteidiger*innen zu kriminalisieren, müssen die Behörden ihnen ermöglichen, ihre wichtige Arbeit ohne Angst vor Repressalien auszuüben», sagte Sara Hashash.

Hintergrund

Der schweizerische-tunesische Doppelbürger Mustapha Djemali (81) ist Gründer, Abderrazek Krimi (61) Projektleiter des Tunesischen Flüchtlingsrats (CTR). Die NGO arbeitete eng mit dem UNHCR und den tunesischen Behörden zusammen, um Asylsuchende in Tunesien zu registrieren und Menschen in prekären Situationen zu unterstützen.

Die Polizei nahm sie am 3. und 4. Mai 2024 in Tunis fest.

Am 24. November 2025 verurteilte das Gericht beide zu zwei Jahren Haft, setzte jedoch den Rest der Strafe aus.

Drei weitere CTR-Mitarbeitende wurden freigesprochen; ein vierter hat Berufung eingelegt.

Die tunesischen Behörden verschärfen seit Monaten ihre Repressionen gegen NGOs durch willkürliche Verhaftungen, Einfrieren von Vermögenswerten, Bankbeschränkungen und gerichtlich angeordnete Suspendierungen.

Medienmitteilung 25. November 2025, London/Bern – Medienkontakt