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Fussball-WM 2026 droht zum Symbol staatlicher Einschüchterung zu werden

Millionen Fans, die zur Fussball-WM 2026 reisen, sind Menschenrechtsrisiken ausgesetzt. Amnesty International warnt, dass die USA unter Präsident Donald Trump mit ihrer repressiven Migrationspolitik, massenhaften Festnahmen und Abschiebungen ein Klima der Angst schaffen – das Spieler, Journalist*innen und marginalisierte Gruppen erheblichen Gefahren aussetzt.

Der neue Amnesty-Bericht «Humanity Must Win: Defending rights, tackling repression at the 2026 FIFA World Cup» zeigt, dass Racial Profiling, Überwachung und willkürliche Festnahmen durch die Einwanderungsbehörde ICE auch jene Menschen bedrohen, die zur WM anreisen. In den USA herrscht ein menschenrechtlicher Ausnahmezustand: Die Behörden führen massenhafte Verhaftungen und Abschiebungen von angeblich illegalen Einwander*innen durch.

Als Reaktion auf die Proteste gegen ICE-Razzien hat US-Präsident Trump im Juni 2025 rund 4000 Mitglieder der kalifornischen Nationalgarde nach Los Angeles beordert und dort stationiert. Die Gastgeberstädte Dallas, Houston und Miami haben allesamt problematische Vereinbarungen über die Zusammenarbeit der örtlichen Strafverfolgungsbehörden mit ICE unterzeichnet, die Racial Profiling und die gezielte Verfolgung von Einwanderer*innen verstärken. Nur vier der 16 WM-Gastgeberstädte haben bislang Menschenrechtspläne veröffentlicht – jedoch ohne Schutzmechanismen gegen missbräuchliches Verhalten der Einwanderungsbehörden.

Weder die FIFA noch die US-Behörden haben Garantien dafür gegeben, dass Fans und lokale marginalisierte Gruppen rund um die WM vor Racial Profiling, wahllosen Razzien oder rechtswidriger Inhaftierung und Abschiebung sicher sind.

Willkürliche Reisebeschränkungen

Aufgrund von neuen generellen Einreiseverboten unter der Trump-Regierung können Fans aus Côte d'Ivoire, Haiti, Iran und Senegal nicht in die USA einreisen, um ihre Mannschaft zu unterstützen, es sei denn, sie hatten bereits vor dem 1. Januar 2026 ein gültiges Visum. Andere Fans aus dem Ausland sehen sich mit einer invasiven Überwachung konfrontiert sowie mit der Drohung, ihre Konten in den sozialen Medien überprüfen zu lassen und auf «Antiamerikanismus» zu durchforsten.

Auch in Kanada und Mexiko sind zentrale Rechte gefährdet. In Kanada droht die Verdrängung obdachloser Menschen anlässlich der WM, und in Mexiko erhöhen massiv aufgestockte Sicherheitskräfte das Risiko, dass friedliche Proteste gewaltsam unterdrückt werden. In allen drei Ländern wurden in den letzten Monaten Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit dokumentiert.

Forderungen an die FIFA – und an die Schweiz

Gut zehn Wochen vor dem Turnier fordert Amnesty die FIFA auf, endlich verbindliche Massnahmen zu ergreifen. «Die WM 2026 birgt gravierende Menschenrechtsrisiken – und die FIFA zeigt bislang nicht den politischen Willen, diese ernsthaft anzugehen», sagt Lisa Salza, Verantwortliche für Sport und Menschenrechte bei Amnesty Schweiz. «Fans, Spieler, Arbeitskräfte und marginalisierte Gruppen dürfen nicht diejenigen sein, die am Ende den Preis für dieses Turnier zahlen.»

Auch die Schweiz stehe in der Verantwortung, so Lisa Salza weiter: «Ein Ansatz, der auf Freiwilligkeit und Dialog beruht, wird angesichts der alarmierenden Lage in Nordamerika nicht ausreichen. Die Schweiz muss endlich griffige Massnahmen ergreifen, damit Sportverbände ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht ernst nehmen und das Wohlergehen der Menschen ins Zentrum stellen.»

Die FIFA ist in der Schweiz als Verein eingetragen und profitiert von erheblichen Steuervorteilen. Als global tätiger Akteur mit Milliardengewinnen trägt sie jedoch klare menschenrechtliche Pflichten. Die Schweiz als Sitzstaat der FIFA muss ihrerseits sicherstellen, dass der Fussballverband seine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht wahrnimmt. Freiwillige Dialogformate genügen angesichts der Lage in Nordamerika nicht.