Der neue Recherchebericht «We’re here to protect Mother Earth: Indigenous Rights and Nevada’s Lithium Boom» untersucht drei Grossprojekte: die bereits im Bau befindliche Thacker Pass Mine sowie die Projekte Nevada North Lithium und Rhyolite Ridge. Sie zeigt, dass die Zustimmung der indigenen Gemeinschaften nie eingeholt wurde und ein Geschäftsmodell verfolgt wird, das auf Tempo, Grösse und Profit setzt – zulasten von Menschenrechten und Umwelt.
«Im Wettlauf um sogenannte kritische Mineralien beschleunigt die US‑Regierung Genehmigungen, schwächt die Umweltaufsicht und stellt politische und wirtschaftliche Interessen über die Menschenrechte», sagt Alysha Khambay von Amnesty International. «Jetzt ist es an der Zeit, den Rechten indigener Völker Vorrang einzuräumen.»
«Wir wurden über den Tisch gezogen»
Amnesty sprach mit Vertreter*innen von 20 indigenen Gemeinschaften sowie mit direkt Betroffenen. Viele berichten, dass sie sich von den Behörden übergangen fühlen.
«Es liegt keine wirkliche Zustimmung vor. Unsere Gemeinschaft wurde über den Tisch gezogen», sagt Shelley Harjo vom Fort McDermitt Paiute and Shoshone Tribe. Dorece Sam Antonio, Nachfahrin eines Überlebenden des Massakers von 1865 am Thacker Pass, betont: «Dort liegen unsere Vorfahren. Dieses Land muss geschützt werden.»
Verletzung zentraler Rechte
Ein Grossteil der betroffenen Gebiete wird von den USA als «öffentliches Land» eingestuft – obwohl es nach internationalen Standards indigenen Völkern gehört oder von ihnen genutzt wird. Deren Recht auf Selbstbestimmung und auf freie, vorherige und informierte Zustimmung wird missachtet.
«Bei keinem der drei Projekte wurde FPIC eingeholt», so Khambay. «Damit setzen die USA ein historisches Muster der Enteignung fort.»
Zudem bedroht der Lithiumabbau in der wasserarmen Region Nevadas Wasserquellen, Biodiversität und damit grundlegende Rechte wie das Recht auf Gesundheit und eine saubere Umwelt.
Forderungen an Staat und Unternehmen
Amnesty fordert die US‑Regierung auf, ihre Gesetzgebung dringend anzupassen, sodass Projekte mit Auswirkungen auf indigene Territorien nur mit deren Zustimmung genehmigt werden dürfen.
Auch Unternehmen stehen in der Pflicht: Sie müssen internationale Menschenrechtsstandards einhalten – selbst wenn nationale Gesetze weniger streng sind. Projekte ohne FPIC müssen gestoppt werden. Unternehmen, die ohne Zustimmung vorgehen, setzen sich erheblichen Reputationsrisiken aus und könnten auch juristisch belangt werden, warnt Amnesty.
Rolle internationaler Akteure
Vom Lithiumboom profitieren auch internationale Grossinvestoren. Aus der Schweiz halten die Grossbank UBS, die Vermögensverwalterin Pictet & Cie SA und die Schweizerische Nationalbank grössere Anteile an US-Firmen, die an den Lithium-Minen in Nevada beteiligt sind, darunter General Motors, Lithium Americas, Evolution und Ioneer. Amnesty International ruft internationale Investor*innen dazu auf, von den US-Firmen zu verlangen, dass sie sofort die Zustimmung der indigenen Bevölkerung einholen. Wenn Minenprojekte diese nicht erhalten, sollten die Investor*innen ihre Beteiligungen zurückziehen.