Der Brief unseres langjährigen Aktivisten Nicky Scherrer und seines Sohns Ivo, den die beiden im Sommer an Bundesrat Ignazio Cassis schickten, hat mich tief berührt. Als Schweizer Bürger jüdischen Glaubens, deren Vorfahren der Shoah nur knapp entkommen sind, fordern sie den Bundesrat auf, endlich zu handeln und sich für die Menschen in Gaza einzusetzen. Unter all den Personen in der Schweiz, die angesichts des furchtbaren Krieges in Gaza für Frieden und Gerechtigkeit für die Palästinenser*innen einstehen, sind auch viele jüdische Menschen. Sie alle haben ein gemeinsames Anliegen: Der Völkermord in Gaza, die Politik der Zerstörung und das Aushungern der Zivilbevölkerung durch die israelische Regierung müssen gestoppt werden.
Unter all den Personen in der Schweiz, die angesichts des furchtbaren Krieges in Gaza für Frieden und Gerechtigkeit für die Palästinenser*innen einstehen, sind auch viele jüdische Menschen.
Die Nachrichten, Bilder und Berichte von Augenzeug*innen aus Gaza sind schon lange nicht mehr zu ertragen. Hungernde Kinder und Babys, hungernde Erwachsene, darunter Schwangere, Kranke und Verletzte. Menschen, die an den Verteilzentren im Kampf um ein bisschen Wasser und Nahrung erschossen werden oder an Unterernährung und Verletzungen sterben, wenn sie nicht vorher von Bomben getroffen werden. Die Berichte der Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen vor Ort sind deutlich und beschreiben das Grauen in allen Einzelheiten.
Nicht nur Amnesty International warnt seit Monaten, dass hier vor unseren Augen ein Völkermord verübt wird. Führende israelische Menschenrechtsorganisationen wie B’Tselem und Physicians for Human Rights Israel sowie eine grosse Mehrheit der Völkerrechtler*innen weltweit teilen diese Einschätzung. Sie weisen darauf hin, dass alle Staaten, welche die Völkerrechtskonvention ratifiziert haben, verpflichtet sind, diesen Genozid zu stoppen. Selbst der ehemalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bezeichnet das Vorgehen seines Landes als Kriegsverbrechen; er spricht von einem «Verwüstungskrieg», in dem Zivilist*innen wahllos getötet werden.
Warum streiten wir angesichts dieser unfassbaren menschengemachten Katastrophe über Begriffe?
Warum streiten wir angesichts dieser unfassbaren menschengemachten Katastrophe über Begriffe? Warum wird Kritiker*innen der israelischen Politik reflexartig Antisemitismus unterstellt, aber darauf verzichtet, sich mit dem Inhalt der Kritik auseinanderzusetzen? Warum werden Menschenrechtsaktivist*innen, die sich für ein Ende des Völkermords und für einen gerechten Frieden einsetzen, diffamiert, statt dass gemeinsam nach Lösungen gesucht wird? Mit dem Diskurs über Begriffe wird – bewusst oder unbewusst – vom Wesentlichen abgelenkt: dem unsäglichen Verbrechen, das an den Palästinenser*innen täglich verübt wird.
Auch wenn wir manchmal den Eindruck haben, dass unsere Appelle, Protestbriefe, Demonstrationen, Petitionen und Veranstaltungen nichts ändern am lauten Schweigen der Schweizer Regierung, der Handlungsunfähigkeit der Weltgemeinschaft und dem Vorgehen der Netanjahu- Regierung: Lasst uns nicht aufhören damit. Lasst uns Briefe schreiben wie Nicky und Ivo, lasst uns gemeinsam auf die Strasse gehen ... Bleiben wir aktiv, über alle politischen und religiösen Grenzen hinweg, damit dieser Irrsinn endlich ein Ende hat.
Unterstützt bitte unsere globale Kampagne «Let Children Live», mit der wir das Recht auf Leben und Sicherheit eines jeden palästinensischen Kindes verteidigen. Lasst uns die sozialen Medien fluten mit den Namen der 2,2 Millionen Kinder in Gaza und in der West Bank, die noch am Leben sind. Wir wollen diese Kinder sichtbar machen und im Rahmen dieser Kampagne am 13. September weltweit für sie auf die Strasse gehen.