WaWe ist ein grosses Auto mit drei Achsen. Es ist hübsch blau angemalt und mehr als neun Meter lang. Auf dem Dach befinden sich zwei Läufe, die in einer Minute über 1000 Liter Wasser 65 Meter weit spritzen können. Das ist sehr weit. Wenn man will, kann man dem Wasser Tränengas beimischen. 120 Liter davon hat der WaWe dabei. Das Verfallsdatum ist vielleicht abgelaufen.
Im Wassertank haben 9000 Liter Platz. Man kann den WaWe aber auch an einen Hydranten anschliessen. Dann hat er so viel Wasser, wie die Stadt Wasser hat. Die Karosserie und die Scheiben haben die ballistische Sicherheitsstufe VPAM 7. Das heisst, man kann mit dem Sturmgewehr darauf schiessen, und es geht nichts kaputt.
Um ein Auto wie den WaWe zu bauen, braucht man zwei Millionen Schweizer Franken.
Der Demonstrierende ist ein Mensch mit zwei Achseln.
An einem Samstag rollt der WaWe durch die Stadt, hält hier und da an und spritzt alles voll. Er löscht zum Beispiel ein ausser Kontrolle geratenes Feuer. Der WaWe macht ausserdem viele Menschen nass. Einige von ihnen sitzen danach stundenlang frierend auf dem Boden.
Der Demonstrierende ist ein Mensch mit zwei Achseln. Er ist weniger als zwei Meter lang. Unter dem Dach hat er zwei Augen, aus denen er in einer Minute ein paar Milliliter Wasser vergiessen kann. Zum Beispiel aus Wut über den Genozid in Gaza oder wegen Tränengas. Wenn ein Demonstrierender vier Jahre Zeit hat, kann er den WaWe-Wassertank leertrinken.
Manchmal holt der Demonstrierende eine Bewilligung ein – manchmal auch nicht, und das ist sein Recht.
Manchmal hat der Demonstrierende ein Plakat oder einen Kinderwagen dabei, seltener einen Hammer, oft nichts von alldem. Immer dabei ist seine Karosserie aus Haut. Sie hat keine ballistische Sicherheitsstufe. Das heisst, man kann mit dem Wasserwerfer und dem Gummischrot auf ihn schiessen, dann geht alles kaputt.
Hin und wieder kann man den Demonstrierenden ein Lied singen hören.
Während der Gaza-Demo am 11. Oktober in Bern wurden über 300 Personen verletzt, darunter viele Unbeteiligte. Wer wie viel zur Eskalation beigetragen hat, weiss ich nicht. Was ich weiss: Im gewalttätigen Konflikt bestimmt letztlich der Stärkere den Grad der Eskalation. Das gilt an Demos. Und in noch viel grösserem Mass in Gaza.