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Seit 2015/16 erleben wir eine so beeindruckende wie bizarre Umdeutung der Geschichte: Der Sommer 2015 und die folgenden Monate sind vielen als Sommer der Solidarität in Erinnerung. Menschen fanden sich spontan an den Bahnhöfen ein, um geflüchteten Menschen zu helfen und sie mit dem Nötigsten zu versorgen.
Die extreme Rechte fühlte sich komplett geschlagen. Das hielt sie nicht davon ab, in den Folgemonaten mit einer Geschichtsumdeutung zu beginnen. Der Sommer 2015 wurde zur Stunde null, zum Sündenfall und zum Beginn einer Invasion. Die Verschwörungsideologie des «Grossen Austauschs » und die zynische Remigrationsidee sind die Ableitungen der extremen Rechten zur Hilfsbereitschaft der Massen. In den darauffolgenden Jahren gelang es der extremen Rechten, diese Solidarität immer weiter zu diskreditieren und gar von einem «Nie wieder 2015» zu raunen. Die Anlehnung an die antifaschistischen Formeln «Nie wieder Krieg» und «Nie wieder Faschismus» sind durchaus gewollt.
Über diese Umdeutung von 2015 begann die extreme Rechte schnell, die Menschenrechte infrage zu stellen. Das betraf den Uno-Migrationspakt, der zum Migrations-Beschleunigungspakt einer bösartigen globalen Elite («Globalisten» im Sprech der Rechten) aufgeblasen wurde. Migration und Asyl sind im Verständnis der extremen Rechten ein und dasselbe. Es wurden aber auch gleich die Menschenrechte als solche infrage gestellt. Ziel war es, die Passagen zu Asyl und Flucht zu streichen oder gleich die ganzen Menschenrechte für unwirksam zu erklären. Dabei bekamen sie Schützenhilfe aus anderen politischen Lagern, insbesondere dem Konservatismus.
Menschenrechte zählen zu den entscheidenden Prellböcken, die dem Aufstieg des Faschismus im Weg stehen. Faschismus kann per Definition nichts mit Menschenrechten anfangen. Die Gleichheit aller Menschen ist das Gegenteil eines faschistischen (aber auch kapitalistischen) Weltbildes, das auf Ungleichheit und Ungleichwertigkeit von Menschen beruht. Der Kampf um den Erhalt, die Legitimation und die Durchsetzung von Menschenrechten ist daher immer auch ein antifaschistischer Kampf.