Update
5. Mai 2026:
Der ursprünglich für den 30. April 2026 geplante Prozess wurde auf Antrag des Verteidigungsteams verschoben und soll nun am 4. Juni 2026 stattfinden. Mohamed Tadjadit und seine Mitangeklagten weigern sich, an dem Verfahren teilzunehmen, und fordern weiterhin Vertagungen als eine Form des Protests gegen das, was sie für einen ungerechten Prozess halten. Es wird jedoch befürchtet, dass das Gericht irgendwann weitere Anträge ablehnen und trotzdem mit dem Prozess fortfahren könnte.
Algeria: Trial against Hirak poet Mohamed Tadjadit must be quashed, say UN experts
(= Erklärung von UN-Expert*innen, in der die Aufhebung der Anklage gegen Mohamed Tadjadit gefordert wird und ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Fairness der Verfahren und der breiteren Ausrichtung auf friedliche Meinungsverschiedenheiten in Algerien geäussert werden)
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Am 19. November 2025 hat Mohamed Tadjadit den
Index on Censorship Freedom of Expression Award 2025 in der Kategorie Kunst gewonnen.
Weitere Infos dazu (inklusive Video der Dankesrede) hier
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Aus dem Gefängnis El Harrach sagte Mohamed Tadjadit seinen Anwälten: «Ich hoffe, meine Stimme wurde gehört und meine Botschaft ist angekommen. Ich danke allen, die sich mit mir solidarisiert haben. Trotz der Gefängnismauern hat mir die Unterstützung Kraft und Hoffnung gegeben.»
Mohamed bedankt sich herzlich bei allen, die ihn unterstützen, seinen Fall in den sozialen Medien verbreiten und dazu beitragen, seine Situation in nationalen und internationalen Medien bekannt zu machen.
Hintergrund
Der Aktivist und Dichter Mohamed Tadjadit befindet sich seit Januar 2025 willkürlich in Haft. In bereits abgeschlossenen Verfahren wurde er wegen Anklagen verurteilt, die lediglich auf seinem friedlichen Aktivismus basieren. In einem neu angesetzten Verfahren steht er gemeinsam mit zwölf weiteren Aktivist*innen vor Gericht – sie alle haben lediglich ihre Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit wahrgenommen. Den Angeklagten wird u. a. vorgeworfen, «sich verabredet zu haben, Bürger*innen gegen die Autorität des Staates aufzuwiegeln und dazu anzustiften, die nationale Einheit zu untergraben», worauf die Todesstrafe steht. Das Verfahren vor dem Gericht in Dar El Beïda, einem Vorort von Algier, ist für den 30. April 2026 angesetzt. Zu den Angeklagten zählt auch der Whistleblower Mohamed Benhlima, der bereits in einem separaten Verfahren wegen seines friedlichen Aktivismus willkürlich zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.
Die Vorwürfe basieren auf Social-Media-Beiträgen und privaten digitalen Unterhaltungen in Verbindung mit den sogenannten Hirak-Protesten sowie auf öffentlichen Kommentaren zur politischen Situation und sozio-ökonomischen Lage im Land. Laut der Staatsanwaltschaft sind diese friedlichen Aktionen für politische Reformen mit Unterstützung von «Terrorismus» und «Verschwörung gegen den Staat» gleichzusetzen. Es wurden keine Nachweise dafür vorgelegt, dass eine international anerkannte Straftat begangen wurde.
Am 14. Januar 2026 bestätigte das Berufungsgericht von Algier ein bereits 2025 verhängtes Urteil gegen Mohamed Tadjadit und verurteilte ihn zu einer dreijährigen Haftstrafe, von denen zwei im Gefängnis zu verbüssen sind und ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt wurde. Ausserdem muss er eine Geldstrafe und Schadenersatz zahlen. Das Gericht sprach den Aktivisten wegen «Terrorismusverherrlichung», «Diffamierung öffentlicher Einrichtungen» und «Anstiftung zur unbewaffneten Versammlung» schuldig. Die Vorwürfe basierten auf Social-Media-Posts und Gedichten, in denen er die politischen und sozioökonomischen Bedingungen in Algerien kommentierte.
Seit die Protestbewegung Hirak im Jahr 2019 damit begann, weitläufige politische Reformen in Algerien zu fordern, ist Mohamed Tadjadit, bekannt als «Dichter des Hirak», von den Behörden wiederholt wegen seines friedlichen Aktivismus und seiner abweichenden Meinungen ins Visier genommen worden. Der Aktivist wurde mehrfach festgenommen und mindestens sieben Mal strafrechtlich verfolgt, weil er in den Sozialen Medien Beiträge veröffentlichte, Gedichte verfasste und friedliche Proteste unterstützte. Seit Januar 2025 ist Mohamed Tadjadit im Gefängnis El Harrach in Algier inhaftiert. Zwischen Januar und November 2024 verbrachte er insgesamt neun Monate in Untersuchungshaft, bevor er vom Präsidenten begnadigt und freigelassen wurde. Am 16. Januar 2025 wurde er erneut im Zusammenhang mit seinen Gedichten und Social-Media-Posts festgenommen, in denen er die sozioökonomische Politik in Algerien kritisierte.
Im derzeit laufenden Strafverfahren ist Mohamed Tadjadit gemeinsam mit zwölf weiteren Aktivist*innen angeklagt – sechs von ihnen befinden sich in Haft, zwei sind im Exil, und vier sind bis zum Gerichtsverfahren auf freiem Fuss. Der Prozess wurde bereits zweimal verschoben und ist nun für den 30. April 2026 angesetzt. Ihnen wird auf Grundlage der Paragrafen 77, 78 und 79 des Strafgesetzbuchs vorgeworfen, «sich verabredet zu haben, Bürger*innen gegen die Autorität des Staates aufzuwiegeln und dazu anzustiften, die nationale Einheit zu untergraben». Hierauf stehen lange Haftstrafen oder gar die Todesstrafe. Zudem wird ihnen unter den Paragrafen 95bis, 95bis 1, 96 und 100 zur Last gelegt, «Gelder empfangen zu haben, um Massnahmen zur Untergrabung der Staatssicherheit durchzuführen», «Inhalte veröffentlicht zu haben, die dem nationalen Interesse zuwiderlaufen» und «zu unbewaffneter Versammlung angestiftet» zu haben. Zur Untermauerung der Vorwürfe gegen Mohamed Tadjadit und vier der Mitangeklagten berief sich die Staatsanwaltschaft auf ein Video, das die Angeklagten im April 2021 online geteilt hatten und in dem ein Kind an-gab, in Polizeigewahrsam gefoltert worden zu sein. Mohamed Tadjadit und seine vier Mitangeklagten wurden in einem separaten Verfahren im Zusammenhang mit der Veröffentlichung dieses Videos zu 16 Monaten Haft verurteilt.
In einer Stellungnahme vom 8. Dezember 2025 folgerten mehrere Mandatsträger*innen der UN-Sonderverfahren, dass die Inhaftierung des Dichters willkürlich ist, da er lediglich aufgrund seines friedlichen Aktivismus und der Wahrnehmung seines Rechts auf Meinungsfreiheit verfolgt werde, und dass gegen seine Verfahrensrechte verstossen worden sei. Sie forderten deshalb seine sofortige Freilassung.
Seit dem Ausbruch der «Hirak»-Proteste im Jahr 2019, bei denen umfassende politische Reformen gefordert wurden, gehen die algerischen Behörden brutal gegen friedliche Dissident*innen vor, indem sie Aktivist*innen, Journalist*innen und weitere Bürger*innen, die sich gegen die Regierung aussprechen oder andere regimekritische Meinungen vertreten, festnehmen, inhaftieren und verurteilen. Die Verwendung vager Terrorismusvorwürfe zur Verfolgung friedlicher Demonstrant*innen und Regimekritiker*innen ist zu einem gängigen Instrument für die Unterdrückung der Menschenrechte geworden. Seit 1993 sind in Algerien keine Hinrichtungen mehr vollzogen worden. Das Land hat die Todesstrafe jedoch nicht abgeschafft und hat in der Vergangenheit Kritiker*innen in unfairen Prozessen zum Tode verurteilt. Amnesty International wendet sich in allen Fällen und ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode.
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MOHAMED TADJADIT: Arts Award | Nominee | Freedom of Expression Awards
Algeria: Authorities must drop bogus charges against Hirak activist Mohamed Tadjadit (Amnesty UK, 17 July 2024)
Algeria: Five years after Hirak protest movement repressive clampdown continues unabated (Amnesty UK, 22 February 2024)
Details
| UA-Nummer: Erscheinungsdatum | Aktualisiert am: Index: |
UA 036/25-2 16.04.2026 | 05.05.2026 MDE 28/0899/2026 |
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English version
Arbitrarily detained poet faces death penalty
Mohamed Tadjadit, known as the poet of the Hirak movement, has been arbitrarily detained since January 2025 solely for exercising his rights to freedom of expression and peaceful assembly. He is awaiting trial together with 12 other activists on state security charges punishable by long prison terms and the death penalty, solely for peacefully advocating for political change. Their trial is scheduled on 30 April 2026. He is already serving a two-year prison sentence following his conviction on unfounded terrorism-related charges, upheld on appeal in January 2026. Algerian authorities must immediately and unconditionally release him and drop all charges as they solely stem from the exercise of his human rights.
Since the Hirak protest movement erupted in 2019 calling for broad political reforms in Algeria, authorities have repeatedly targeted activist and poet Mohamed Tadjadit, known as the «poet of the Hirak» for his peaceful activism and expression of dissident views. He has faced multiple arrests and at least seven prosecutions linked to his social media posts, poetry and support to peaceful protests. Mohamed Tadjadit has been detained at El Harrach prison in Algiers since January 2025. He spent nine months in pretrial detention between January and November 2024, before being released on a presidential pardon. On 16 January 2025, police re-arrested him in connection to his poetry and social media posts criticizing socioeconomic policies in Algeria.
In one criminal case, Mohamed Tadjadit is being prosecuted alongside 12 other activists (six currently detained, two in exile and four at liberty pending trial). The proceedings, which were postponed twice, are scheduled to commence on 30 April 2026. They are accused of «conspiring to incite citizens against the authority of the state and to undermine national unity» under Articles 77, 78 and 79 of the Penal Code, an offence punishable by severe prison terms and can lead the death penalty. They also face additional charges including «receiving funds to carry out actions undermining state security or stability», «publishing content harmful to national interest», and «inciting to an unarmed gathering» under Articles 95bis, 95bis 1, 96 and 100 of the Penal Code. To support the accusations against Mohamed Tadjadit and four of his co-defendants, the prosecution notably referred to a video they shared online in April 2021 exposing the testimony of a child tortured in police custody. Mohamed Tadjadit and his four co-defendants were convicted in relation to the publication of this video and sentenced to 16 months in prison in a separate case.
In a second case, on 14 January 2026, the Algiers Court of Appeals upheld Mohamed Tadjadit’s conviction but reduced his sentence to three years imprisonment (two years to be served and one suspended), following the first instance ruling of 11 November 2025 by the Dar El Beïda tribunal, which had sentenced him to five years in prison. The Court of Appeals also confirmed a fine of 200,000 Algerian dinars [EUR 1,300] and 500,000 Algerian dinars [3,300 EUR} in civil damages. He was convicted of «glorifying terrorism», «using communication technologies to support terrorist organizations», «inciting to unarmed gathering» and «offending public bodies» respectively under Articles 87bis 4, 87bis 12, 100 and 146 of the Penal Code. In both cases, charges are based on Mohamed Tadjadit’s social media publications and private digital communications protected under the rights to freedom of expression, and on his peaceful activism advocating for political change. The legal provisions lack legal clarity and notably rely on an overbroad definition of «terrorism» which includes «attempting to seize power or change the system of governance by unconstitutional means» and «undermining national unity».
In a third case, on 20 January 2025, the Rouiba tribunal of first instance in Algiers convicted Mohamed Tadjadit for «inciting to unarmed gathering», «undermining national unity», «publishing content harmful to national interest» and «offending public bodies» under an expedited trial procedure without his lawyer present violating this right to adequate defence. In cases of «flagrante delicto», the public prosecution can refer defendants to trial within days of their summoning or arrest, if they consider that a judicial investigation is not required. Such expedited procedures risk undermining individuals’ right to adequate time and facilities to prepare their defence and their right to legal counsel of their choice. Defendants can request their trial to be postponed but then risk being placed under pretrial detention without the judge showing that the measure is reasonable and necessary. The court sentenced Mohamed Tadjadit to five years in prison and a fine based on social media posts, including poetry criticizing the Algerian government’s political and socioeconomic policies, as well as private communications with other activists. On 22 May 2025, the Court of Algiers upheld his conviction on appeal but reduced his sentence to one year in prison. In a communication on 8 December 2025, several UN Special Procedures mandate holders concluded that his detention was arbitrary, as he was prosecuted solely for his peaceful activism and the exercise of his freedom of expression, and that his right to a fair trial had been violated. They called for his immediate release.
Since the outbreak of the «Hirak» protests in 2019, demanding broad political reforms, the Algerian authorities have maintained a brutal crackdown on peaceful dissent by arresting, detaining and convicting activists, journalists, and ordinary citizens expressing opposition to the government, including using vague terrorism charges. Algeria has not carried out any executions since 1993 but has yet to abolish the death penalty. Courts continue to sentence dissidents to death in unfair trials. Amnesty International opposes the death penalty unconditionally, in any cases and under any circumstances.