Portrait von Narges Mohammadi
Narges Mohammadi © Amnesty International
Offen
Urgent Action − Iran

Leben von inhaftierter Friedensnobelpreisträgerin nach Herzinfarkt in Gefahr

Die Behörden der Islamischen Republik Iran setzen das Leben der inhaftierten Menschenrechtsverteidigerin Narges Mohammadi aufs Spiel. Sie verweigern ihr die Behörden die dringend nötige fachärztliche Behandlung in einem Krankenhaus in Teheran. Dieses Verhalten kommt der Folter gleich. Narges Mohammadi erlitt am 24. März 2026 im Gefängnis von Zanjan einen Herzinfarkt. Schon seit ihrer ungerechtfertigten Inhaftierung im Dezember 2025 leidet sie unter Brustschmerzen, Blutdruckschwankungen, starken Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Doppeltsehen.

Jetzt mitmachen

Setzen Sie sich für Narges Mohammadi ein: Senden Sie einen Appellbrief per Post. Tweeten/posten Sie in den sozialen Medien.

Mitmachen bis voraussichtlich 3. Juli 2026

Briefvorlagen

Adressen

Oberste Justizautorität:
Head of judiciary
Gholamhossein Mohseni Ejei
c/o Embassy of Iran to the United Nations
Chemin du Petit-Saconnex 28
1209 Genève
Instagram: https://www.instagram.com/ejeii_org/
Twitter/X : https://x.com/ejei_org

Angesichts der seit dem 28. Februar andauernden Internetsperre im Iran, die von den Behörden verhängt wurde, erreichen Sie die Behörden am besten per Post über die Vereinten Nationen in Genf. Wir bitten Sie ausserdem, eine Kopie Ihres Schreibens an die iranische Botschaft zu senden.

Kopien an 

Botschaft der Islamischen Republik Iran
Thunstrasse 68, Postfach 227
3000 Bern 6
Fax: 031 351 56 52
E-Mail: secretariat@iranembassy.ch
Twitter/X: iraninbern

Social Media Guide

Suggested message:

Iranian authorities are recklessly putting the life of human rights defender Narges Mohammadi at risk by subjecting her to torture or other ill-treatment through deliberate denial of timely and adequate specialized healthcare. She must be released now! [insert UA link

Hintergrund

Das Leben der Friedensnobelpreisträgerin und Menschenrechtsverteidigerin Narges Mohammadi ist akut bedroht. Die Behörden, einschliesslich der Staatsanwaltschaft, setzen sie im Gefängnis von Zanjan in der Provinz Zanjan Folter und anderen Formen der Misshandlung aus, indem sie ihr absichtlich eine sofortige und angemessene medizinische Versorgung für ihr schweres Herzleiden verweigern. Informierten Quellen zufolge erlitt Narges Mohammadi am 24. März 2026 im Gefängnis einen Herzinfarkt. Man fand sie bewusstlos in ihrer Zelle. Ihre Gliedmassen waren kalt, die Augen zurückgerollt und ihr Körper war taub. Ihre Zellengenossinnen brachten sie in die Krankenstation, wo ihr Medikamente verabreicht wurden, aber die Behörden weigerten sich, sie in ein Krankenhaus zu verlegen. Am 30. März wurde Narges Mohammadi von einem*r Kardiologen*in ausserhalb des Gefängnisses untersucht. Er*Sie stellte fest, dass die vom Arzt des Gefängnisses von Zanjan verschriebenen Medikamente zu dem Herzinfarkt beigetragen hatten und warnte vor dem Risiko eines erneuten Herzinfarkts. Seitdem hat sich Narges Mohammadis Gesundheitszustand rapide verschlechtert. Ihre Familie und ihre Anwält*innen besuchten sie am 28. April 2026 im Gefängnis und berichteten, dass sie ständig Schmerzen in der Brust habe und sich sehr unwohl fühle. Narges Mohammadi hat seit ihrer erneuten Inhaftierung am 12. Dezember 2025 insgesamt 20 kg abgenommen. Eine informierte Quelle berichtete, dass sich der Gewichtsverlust in den letzten zwei Monaten beschleunigt habe. Der Amtsarzt in Zanjan sprach sich am 13. April 2026 für die vorübergehende Aussetzung ihrer Strafe aus medizinischen Gründen für einen Monat aus, aber die Staatsanwaltschaft weigerte sich, sie freizulassen und verweigerte sogar die Genehmigung, sie zur Behandlung vorübergehend nach Teheran zu überstellen. Nach Angaben der Anwält*innen von Narges Mohammadi und ihrer Familie bestätigen die Ärzt*innen in Zanjan, dass die inhaftierte Menschenrechtlerin durch das Fehlen einer spezialisierten und kontinuierlichen medizinischen Versorgung, die nur in Teheran verfügbar ist, in Lebensgefahr ist.

Nach Narges Mohammads willkürlicher Festnahme am 12. Dezember 2025 in Mashhad, Provinz Razavi Khorasan, wurde sie von Geheimdienstmitarbeiter*innen gefoltert oder anderweitig misshandelt, u.a. mit schweren Schlägen auf den ganzen Körper und den Kopf, die ärztlich hätten versorgt werden müssen, so eine informierte Quelle. Anschliessend wurde sie bis zum 10. Februar 2026 in einem Haftzentrum des Geheimdienstministeriums in Mashhad festgehalten. Dann verlegten die Behörden sie plötzlich und ohne vorherige Benachrichtigung ihrer Familie oder ihrer Anwält*innen in das Gefängnis von Zanjan. Dort wird sie nach wie vor in einer Abteilung mit Gefangenen festgehalten wird, die wegen Gewaltdelikten verurteilt wurden. Seit Mai 2021 haben die iranischen Behörden Narges Mohammadi in acht verschiedenen Fällen zu Unrecht zu über 20 Jahren Gefängnis, 154 Peitschenhieben und anderen Repressionen verurteilt. Die Strafverfahren sind allein auf ihren Einsatz für die Menschenrechte zurückzuführen.

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum:
Index:
UA 105/15-13
01.05.2026
MDE 13/0975/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 3. Juli 2026
Ganze Urgent Action (Word): deutsch 
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english

Weiterlesen

Am 6. Oktober 2023 wurde Narges Mohammadi  für ihren «Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran und für die Förderung der Menschenrechte und Freiheit aller» mit dem Friedensnobelpreis 2023 ausgezeichnet. 

Vor ihrem Herzinfarkt am 24. März 2026 verweigerte die Gefängnisbehörde von Zanjan Narges Mohammadi eine angemessene medizinische Versorgung, unter anderem für die anhaltenden Schmerzen in der Brust und Blutdruckschwankungen sowie für die starken Kopfschmerzen, Übelkeit und Doppeltsehen, die nach der Folter oder anderen Misshandlungen, denen sie nach ihrer Verhaftung am 12. Dezember 2025 ausgesetzt war, einsetzten. Sie wurde festgenommen, als sie während der Gedenkfeier für den Rechtsanwalt Khosrow Alikordi in Mashhad friedlich ihre Menschenrechte wahrnahm. Als Narges Mohammadi nach ihrer Festnahme in einem Haftzentrum des Geheimdienstministeriums festgehalten wurde, fühlte sie sich mehrmals sehr unwohl, ihr wurde schwindlig, sie verlor das Bewusstsein und stürzte zu Boden – der Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung wurde ihr dennoch verwehrt. Informierten Quellen zufolge wurde Narges Mohammadi während der Verhöre in der Haftanstalt von den Behörden unter Druck gesetzt, schriftliche öffentliche Erklärungen abzugeben, in denen sie den am 28. Dezember 2025 begonnenen landesweiten Aufstand im Iran verurteilt. Narges Mohammadi lehnte dies ab. 

Die iranischen Behörden haben Narges Mohammadi wiederholt den Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung im Gefängnis verzögert und/oder verweigert und damit ihr Leben in grosse Gefahr gebracht. So erlitt Narges Mohammadi am 16. Februar 2022 eine Reihe von Herzinfarkten und musste sich einer Notoperation am Herzen unterziehen, wurde aber am 19. Februar 2022 gegen ärztlichen Rat wieder ins Gefängnis gebracht. Am 11. November 2023 blockierten die Behörden erneut ihre Verlegung in ein Krankenhaus und machten dies von der Einhaltung der Verschleierungspflicht abhängig, obwohl die Ärzte Flüssigkeit um ihr Herz herum und eine bis zu 80%ige Verstopfung zweier Arterien festgestellt hatten, die eine Angioplastie erforderte. Am 16. November kam sie endlich ohne Kopftuch ins Krankenhaus, um eine Angioplastie zu erhalten, wurde aber noch am selben Tag gegen ärztlichen Rat ins Gefängnis zurückgebracht. Nach Angaben ihrer Familie wies die Krankenakte von Narges Mohammadi im Juli 2024 und September 2024 auf eine Verschlechterung ihres Zustands hin, einschliesslich der Tatsache, dass ein Stent, der während einer Notoperation am Herzen im Februar 2022 in ihre Arterie eingesetzt wurde, aufgrund einer Verstopfung ersetzt werden musste, was schliesslich Ende Oktober 2024 geschah. Am 3. November 2024 teilte der Rechtsbeistand von Narges Mohammadi auf X mit, dass ihre Ärzt*innen betont haben, dass sie an mehreren Krankheiten leide, die eine ständige medizinische Betreuung erforderten. Am 4. Dezember 2024 wurde die Vollstreckung der Haftstrafe gegen Narges Mohammadi vorübergehend ausgesetzt und sie kam vorübergehend aus der Haft frei. Am 12. Dezember 2025 wurde sie in Mashhad erneut willkürlich inhaftiert. Seitdem ist sie im Gefängnis. 

Narges Mohammadi wird seit über 25 Jahren wegen ihrer Menschenrechtsarbeit von den Behörden der Islamischen Republik Iran ins Visier genommen und wurde schon zu zahlreichen ungerechtfertigten Gefängnisstrafen verurteilt. Ihre jüngsten Fälle von gerichtlichen Schikanen gehen auf eine Verurteilung im Mai 2021 und eine Verurteilung zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis zurück, die sich auf ihre friedliche Teilnahme an einem Sitzstreik mit anderen Gefangenen in der Frauenabteilung des Evin-Gefängnisses während einer früheren Inhaftierung im Dezember 2019 bezieht. Die Frauen protestierten gegen die rechtswidrige Tötung von Demonstrant*innen und Passant*innen während der landesweiten Proteste im November 2019. Am 16. November 2021 wurde Narges Mohammadi festgenommen, um ihre Haftstrafe anzutreten. In der Folge wurde sie in sieben weiteren Fällen verurteilt, die alle im Zusammenhang mit ihrem friedlichen Aktivismus stehen. Dazu gehören eine Verurteilung durch das Revolutionsgericht wegen Anschuldigungen im Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit sowie Gefängnisstrafen und andere Sanktionen, einschliesslich Auspeitschungen, und ein Strafverfahren, in dem sie zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Am 8. Februar 2026 teilte Narges Mohammadi einem ihrer Rechtsbeistände mit, dass die Abteilung 1 des Revolutionsgerichts in Mashhad sie wegen Straftaten im Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit zu sieben Jahren und sechs Monaten Gefängnis und anderen Sanktionen verurteilt habe. 

Die Menschen im Iran, einschliesslich der Gefangenen, sind zwischen rechtswidrigen Angriffen der USA und Israels und tödlicher Unterdrückung im eigenen Land gefangen. Zwischen dem 28. Februar und dem 7. April 2026 haben die USA und Israel Zehntausende von Luftangriffen auf Ziele in ganz Iran durchgeführt und dabei die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen. Während der Angriffe berichteten Familienangehörige von Gefangenen und Menschenrechtsaktivist*innen Amnesty International, dass es in einer Reihe von Gefängnissen und Einrichtungen, in denen Gefangene untergebracht sind, zu Explosionen kam, auch in der Nähe des Gefängnisses von Zanjan. Sowohl während der Angriffe als auch seit der brüchigen Waffenruhe, die am 7. April 2026 verkündet wurde, berichten Familienangehörige von Gefangenen und Menschenrechtsverteidiger*innen, dass es in den Gefängnissen an Lebensmitteln, Trinkwasser und Hygieneartikeln mangelt. Die US-amerikanisch-israelischen Angriffe in Iran fanden statt, als die Bevölkerung noch immer von den beispiellosen Massakern der iranischen Behörden an Tausenden von Demonstrant*innen und Passant*innen im Zuge der Niederschlagung der Proteste im Januar 2026 erschüttert war. Vor diesem Hintergrund hat sich die Gefahr von Gräueltaten gegen Menschen in Iran vervielfacht, die von den Behörden im Land selbst und durch Angriffe von Seiten der US-amerikanischen und israelischen Streitkräfte verübt werden.

English version

Life of tortured Nobel laureate at risk in prison

Iranian authorities are recklessly putting the life of human rights defender Narges Mohammadi at risk by subjecting her to torture or other ill-treatment through the deliberate denial of timely and adequate specialized healthcare. She had a heart attack on 24 March 2026 in Zanjan prison, Zanjan province, and has suffered from chest pain, blood pressure fluctuations, severe headaches, dizziness, nausea and double vision since her unjust imprisonment in December 2025. Despite this, authorities are denying her the urgent specialized medical treatment she requires in a hospital outside prison in Tehran.

Prior to her heart attack on 24 March 2026, Zanjan prison officials had been denying Narges Mohammadi adequate medical care, including for ongoing chest pain and blood pressure fluctuations, as well as severe headaches, nausea and double vision which began following the torture or other ill-treatment agents subjected her to following her arrest on 12 December 2025. She was arrested while peacefully exercising her human rights during the memorial ceremony of lawyer Khosrow Alikordi in Mashhad. While detained in a Ministry of Intelligence detention centre following arrest, Narges Mohammadi became unwell several times, and experienced dizziness, loss of consciousness and falling to the ground – for which she was denied access to adequate health care. According to informed sources, during interrogations in the detention centre, authorities pressured Narges Mohammadi to issue written public statements condemning the nationwide uprising in Iran which begun on 28 December 2025; which Narges Mohammadi refused.

The Iranian authorities have repeatedly delayed and/or denied Narges Mohammadi access to adequate healthcare in prison, thereby placing her life at grave risk. For instance, on 16 February 2022, Narges Mohammadi suffered a series of heart attacks and underwent emergency heart surgery but was returned to prison on 19 February 2022 against medical advice. On 11 November 2023, authorities again blocked her transfer to hospital and conditioned it on her complying with compulsory veiling even though doctors had found fluid around her heart and up to 80% blockage of two arteries requiring angioplasty. She was eventually taken to hospital on 16 November but returned to prison the same day against medical advice. Additionally, according to her family, Narges Mohammadi’s medical reports in July 2024 and September 2024, indicated deterioration in her condition, including that a stent inserted in her artery during emergency heart surgery in February 2022, required replacement due to blockage, which eventually took place in late October 2024. On 3 November 2024, Narges Mohammadi’s lawyer reported on X that she suffered from multiple medical conditions requiring ongoing medical follow-up, as emphasized by her doctors. On 4 December 2024, implementation of Narges Mohammadi prison sentence was temporarily suspended with her temporarily released from prison until her arbitrary arrest on 12 December 2025 in Mashhad. She has remained imprisoned since then.

Narges Mohammadi has faced reprisals by the Iranian authorities for her human rights work for nearly 25 years, including repeated unjust prison terms. Her most recent cases of judicial harassment date back to a May 2021 conviction and sentence of two years and six months in prison related to her peaceful participation, during an earlier period of imprisonment in December 2019, in a sit-in with other prisoners in the women’s ward of Evin prison. They were protesting the unlawful killings of protesters and bystanders during the November 2019 nationwide protests. She was arbitrarily arrested on 16 November 2021 to serve her sentence. Subsequently, she was convicted and sentenced in seven other separate cases on charges all related to her peaceful activism. These include a Revolutionary Court conviction on national security related charges and prison sentences and other sanctions, including floggings, and a criminal court case for which she was sentence to a prison term. Most recently, on 8 February 2026, Narges Mohammadi’s informed one of her lawyers that Branch 1 of the Revolutionary Court in Mashhad had convicted her of national security related offences and sentenced her to seven years and six months in prison and other sanctions. On 6 October 2023 Narges Mohammadi was named the recipient of the 2023 Nobel Peace Prize «for her fight against the oppression of women in Iran and her fight to promote human rights and freedom for all».

People in Iran, including prisoners, have been trapped between unlawful US and Israeli attacks and deadly domestic repression. Between 28 February and 7 April 2026, the USA and Israel carried out tens of thousands of air strikes on targets across Iran causing grave civilian harm. During the attacks, prisoners’ families and human rights defenders reported to Amnesty International that explosions took place in a number of prisons and facilities holding prisoners, including near Zanjan prison. Both during the attacks and since the fragile ceasefire announced on 7 April 2026, prisoners’ families and human rights defenders have also reported shortages of food, potable water and sanitation products inside prisons. These attacks began while people in Iran were still reeling from the unprecedented massacres of thou-sands of protesters and bystanders during the January 2026 uprising. In this context, the risks of atrocity crimes against people in Iran have multiplied, perpetrated by the authorities inside the country and from external attacks by US and Israeli forces.

Please take action before 3 July 2026.

You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a word-file