© Borut Krajnc
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Slowenien – Briefaktion

Tausenden Menschen Sozialhilfe entzogen

Am 21. Januar 2026 wurde mehr als 1'000 Einzelpersonen und ihren Familien in Slowenien die notwendige Sozialhilfe entzogen. Damit können sie sich keine Lebensmittel und andere lebensnotwendige Dinge mehr leisten und werden weiter in die Armut getrieben. Grundlage für diese Strafmassnahme ist das sogenannte «Sicherheitsgesetz», das im November 2025 verabschiedetet wurde. Betroffen sind insbesondere die slowenischen Rom*nja, die ohnehin bereits in allen Lebensbereichen systematisch diskriminiert werden.

Details

Hintergrund 

Anstatt die öffentliche Sicherheit zu verbessern, untergräbt das Gesetz die Rechtsstaatlichkeit, vertieft die soziale Ungleichheit und verstösst gegen die nationalen und internationalen Menschenrechtsverpflichtungen Sloweniens. Die slowenische Verfassung und internationale Menschenrechtsverträge verpflichten Slowenien, das Recht auf soziale Sicherheit ohne Diskriminierung zu gewährleisten und den Menschen so ein Leben in Würde zu ermöglichen. Die Höhe der Sozialhilfe muss angemessen sein und allen Bedürftigen kontinuierlich zur Verfügung gestellt werden, um sowohl den anspruchsberechtigten Einzelpersonen als auch ihren Familien einen angemessenen Lebensstandard zu sichern und ihr Recht auf Familienleben zu schützen.

Slowenien sollte das Gesetz über dringende Massnahmen zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit («Sicherheitsgesetz») umgehend ändern. In der aktuellen Form ermöglicht es der slowenischen Steuerbehörde, die Sozialhilfe von Einzelpersonen auszusetzen, wenn innerhalb von zwei Jahren drei nicht bezahlte Bussgelder für geringfügige Vergehen aufgelaufen sind.

Das Gesetz hat schon jetzt unverhältnismässige Auswirkungen auf Angehörige der Rom*nja, insbesondere im Südosten Sloweniens. Rom*nja sind ohnehin schon mit systemischer Diskriminierung, einem eingeschränkten Zugang zu Beschäftigung, unangemessenen Wohnverhältnissen, dem Ausschluss vom Bildungswesen und anhaltender Armut konfrontiert. Familien mit mehreren Kindern, ältere Paare, Alleinerziehende und Einzelpersonen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, haben jetzt keinen Zugang zu Sozialhilfe mehr, sodass sie sich oft keine Lebensmittel leisten und ihre Strom-, Gas- und Wasserrechnungen nicht mehr bezahlen können. Sie sind nicht mehr in der Lage, ihre Grundbedürfnisse erfüllen zu können.

Das vom slowenischen Parlament am 18. November 2025 verabschiedete Gesetz über dringende Massnahmen zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit («Sicherheitsgesetz») ermöglicht es der slowenischen Steuerbehörde, Sozialhilfe von Personen zu beschlagnahmen, die innerhalb von zwei Jahren drei unbezahlte Geldstrafen für geringfügige Vergehen angehäuft haben. Das Gesetz wurde nach einem tödlichen Vorfall, in den ein Rom verwickelt war, eingeführt und von einer populistischen öffentlichen Kampagne begleitet, die die gesamte Rom*nja-Gemeinschaft als Sicherheitsbedrohung darstellte, was zu einer raschen Verabschiedung des Gesetzes führte.

Das Gesetz hebt entscheidende Schutzmassnahmen auf und erweitert die Befugnisse der Steuerbehörde, der Polizei und der Justiz erheblich. Dadurch werden mehrere Rechte verletzt, darunter das Recht auf soziale Sicherheit und das Recht auf Privatsphäre. Im Gegensatz zu den bisherigen Vollstreckungsregelungen – die den abziehbaren Einkommensanteil begrenzen – sehen die neuen Massnahmen keine wirksamen Beschränkungen der Sozialhilfeabzüge mehr vor. Bei der überstürzten Umsetzung des Gesetzes im Januar 2026 fehlten Bestimmungen, die die am meisten gefährdeten Personen hätten schützen können, z. B. eine Aufforderung an die Zentren für Sozialarbeit, Sachleistungen zu erbringen, um Mittellosigkeit zu verhindern.

Nach internationalem Recht, einschliesslich Artikel 9 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der Vereinten Nationen (ICESCR), an den Slowenien gebunden ist, hat jeder Mensch Anspruch auf ein angemessenes Mass an sozialer Sicherheit, um für sich und seine*ihre Familie einen angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten. Der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (WSKR) hat darüber hinaus bekräftigt, dass soziale Sicherheit für die Wahrnehmung einer Reihe anderer Rechte unerlässlich ist, darunter das Recht auf Nahrung, Wohnung, Gesundheit und Leben.

Amnesty International dokumentiert seit langem die Marginalisierung von Rom*nja in Slowenien, die sich unter anderem in minderwertigen Wohnverhältnissen, im fehlenden Zugang zu grundlegenden Versorgungsleistungen und systematischen Hindernissen beim Zugang zu Bildung zeigt. Die Einführung und Durchsetzung des neuen Gesetzes verschärft die bestehenden Ungleichheiten und bringt Familien und Einzelpersonen in die Gefahr gravierender materieller Entbehrungen.

Werden Sie aktiv:

Setzen Sie sich für die von dem Sozialhilfeentzug betroffenen Menschen in Slowenien ein: Senden Sie einen Appellbrief per Postversand, E-Mail, X/Twitter, Facebook oder Instagram (Zielpersonen/Kontakte siehe unter ADRESSEN und SOCIAL MEDIA GUIDE). Posten Sie auch in den sozialen Medien.

Frist zum Mitmachen: 10. August 2026.
Schreiben Sie in Slowenisch, Englisch oder in Ihrer eigenen Sprache.

Bitte setzen Sie noch Ihren Namen (oder Initialen) an das Ende der Nachricht. Sie können die Nachricht gerne auch noch anpassen und z.B. den Namen und die Forderungen hervorheben. 

Um zu verhindern, dass die Mails im Spam landen, ist es ratsam, den Betreff zu verändern.
Wenn das Versenden nicht klappt: Ersetzen Sie das Komma (,) zwischen den Mail-Adressen mit einem Semikolon (;) oder nehmen Sie nur eine einzelne Adresse pro Feld.

Briefvorschlag - Deutsch

Sehr geehrter Herr Premierminister

Am 21. Januar 2026 wurde mehr als 1'000 Einzelpersonen und ihren Familien in Slowenien die notwendige Sozialhilfe entzogen. Damit können sie sich keine Lebensmittel und andere lebensnotwendige Dinge mehr leisten und werden weiter in die Armut getrieben. Grundlage für diese Strafmassnahme ist das sogenannte «Sicherheitsgesetz», das im November 2025 verabschiedetet wurde. Betroffen sind insbesondere die slowenischen Rom*nja, die ohnehin bereits in allen Lebensbereichen systematisch diskriminiert werden. 

Ich fordere Sie höflich auf, die Durchsetzung der Strafmassnahmen aus dem Gesetz über dringende Massnahmen zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit unverzüglich einzustellen. 

Gewährleisten Sie die Wiederherstellung der Sozialhilfe für die betroffenen Personen und Familien und veranlassen Sie, dass das Gesetz so geändert wird, dass es den slowenischen Menschenrechtsverpflichtungen entspricht.

Mit freundlichen Grüssen,

 

Model letter - English

Dear Prime Minister Dr. Robert Golob,

I am writing to urge you to amend the Act on Urgent Measures to Ensure Public Security («Security Law»), which enables the Slovenian Tax Authority to seize social assistance from individuals as a means of enforcing the payment if three unpaid minor offence fines have accumulated over a two-year period.

The law has already had a disproportionate impact on Roma communities, particularly in south-eastern Slovenia, who already face systemic discrimination, inadequate housing, exclusion from education, and persistent poverty. Families with multiple children, elderly couples, single parents, and individuals experiencing homelessness have been left without access to social assistance, unable to afford food, utilities, or basic necessities.

Rather than improving public safety, the Act undermines the rule of law, deepens social inequality, and violates Slovenia’s national and international human rights obligations. The Slovenian Constitution and international human rights treaties obligate Slovenia to guarantee the right to social security without discrimination and in so doing enable people to live in dignity. The level of social assistance must be both adequate and provided on a continuous basis to all those who need it to ensure an adequate standard of living for individuals and their families and protect their right to family life.

I urge you to immediately stop enforcing these punitive measures, ensure social assistance is restored to affected individuals and families and amend the Act to comply with Slovenia’s human rights obligations.

Yours sincerely,
 

Social Media Guide

Target accounts: 

Social Media Accounts of the Prime Minister Dr. Robert Golob 
Facebook: @Dr.RobertGolob 
X/Twitter: @GolobDr 
Instagram: @_robertgolob_ 

Social Media Accounts of the Government of the Republic of Slovenia 
Facebook: @VladaRepublikeSlovenije 
X: @vladaRS
 
Instagram: @gov.si 

 

Suggested Messaging

Families shouldn’t be penalized by denying them  vital social assistance. Social security  is a right: restore it now!  

No one should lose social assistance  and be pushed into destitution. Social security  is a right, not a penalty. 

 

Adressen

Premierminister:
Prime Minister of the Republic of Slovenia
Dr. Robert Golob
Office of the Prime Minister of the Republic of Slovenia
Gregorčičeva ulica 20–25
1000 Ljubljana
Slovenia
E-Mail: gp.kpv@gov.si
Facebook: @Dr.RobertGolob 
X/Twitter: @GolobDr 
Instagram: @_robertgolob_ 


KOPIEN AN

Amnesty Slowenien
E-Mail: amnesty@amnesty.si

Botschaft der Republik Slowenien
Schwanengasse 9
3011 Bern
E-Mail: sloembassy.bern@gov.si



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DRUCKFERTIGE MODELLBRIEFE (WORD):
•  MODELLBRIEF DEUTSCH 009/26
•  MODEL LETTER ENGLISH 009/26

DIESE URGENT ACTION – KOMPLETT (WORD-DATEI):
(Seite 1 Hintergrundinformationen, Seite 2 Modellbrief)
•  UA 009/26 – DEUTSCH
•  UA 009/26 – ENGLISH
 

Versandmöglichkeiten und Zielperson(en) siehe: ADRESSEN und SOCIAL MEDIA GUIDE
Verwenden Sie unsere Briefvorschläge oder schreiben Sie in Ihren Worten.
Portokosten für Briefversand: Europa = CHF 1.90 / alle übrigen Länder = CHF 2.50
Weitere Informationen zum Mitmachen bei den Urgent Actions finden Sie hier
 


English version (click on title to open):

People stripped of social support

On 21 January 2026, more than 1’000 individuals and their families in Slovenia were left without critical social assistance, leaving them unable to afford food and other basic necessities and pushing many into destitution. The punitive measure, introduced under the so-called «Security Law» passed in November 2025, allowed the authorities to seize social assistance from individuals who have accumulated at least three unpaid fines for misdemeanour offences over the past two years. This and other measures passed under the Act have disproportionately affected the Slovenian Roma community, who already face systemic discrimination in all spheres of life, including in employment, housing, and education. Amnesty International calls on the Slovenian authorities to immediately stop implementing and enforcing these punitive measures and amend the Act to comply with Slovenia’s human rights obligations.

The Act on Urgent Measures to Ensure Public Security («Security Law»), adopted by the Slovenian Parliament on 18 November 2025, allows the Slovenian Tax Authority to seize social assistance from individuals who have accumulated three unpaid fines for minor offences over a two-year period. The Act was introduced following a fatal incident involving a Roma individual and was accompanied by a populist public campaign that portrayed the entire Roma community as a collective security threat, generating political momentum for its rapid passage.

The Act removes crucial safeguards, and significantly expands the powers of the Tax Authority, police, and judiciary. In so doing it breaches several rights, including to social security, and privacy. Unlike ordinary enforcement regimes that restrict the proportion of a person’s income that is taken these measures impose no effective limits on deductions from social assistance. The Act’s rushed implementation in January 2026 lacked provisions which could have protected the most vulnerable, including alerting the Centres for Social Work to provide in-kind assistance to prevent destitution.

Under international law, including Article 9 of the UN International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights (ICESCR) which Slovenia is bound by, everyone is entitled to an adequate level of social security in order to ensure an adequate standard of living for them and their family. The UN Committee on Economic, Social and Cultural Rights (ESCR) has further affirmed that social security is indispensable to the enjoyment of a number of other rights including to food, housing, health, and life.

Amnesty International has long documented the marginalization of Roma communities in Slovenia, including substandard housing conditions, lack of access to basic utilities, and systemic barriers to education. The introduction and enforcement of this Act exacerbate existing inequalities and place families and individuals at immediate risk of severe material deprivation.


Take action

Write an appeal in your own words or use the model letter below. You find a ready-to-print model letter under
AKTUELLE DOKUMENTE
Addresses see above in ADRESSEN

Please also take action on Social Media (guide see above).
SOCIAL MEDIA GUIDE

Please take action before 10 August 2026.
Preferred language: English, Slovenian. You can also write in your own language.