USA (Florida) – Briefaktion / Abschlussinfo

Billy Kearse in Florida hingerichtet

Der Afroamerikaner Billy Kearse wurde am 3. März 2026 im US-Bundesstaat Florida hingerichtet. Er wurde für die tödlichen Schüsse auf einen weissen Polizeibeamten im Jahr 1991 zum Tode verurteilt. Zu der Tat kam es 84 Tage nach Billy Kearses 18. Geburtstag. Letzte Anträge auf eine gerichtliche Überprüfung wegen Billy Kearses geistiger Behinderung blieben erfolglos. Der Gouverneur schritt nicht ein.

Details

Der Oberste Gerichtshof von Florida bestätigte im Jahr 2000 mit 4 zu 3 Stimmen das Todesurteil gegen Billy Kearse. Die drei Richter*innen, die dagegen gestimmt hatten, erklärten: «Die Tötung war das Ergebnis der impulsiven Handlung eines Achtzehnjährigen, der über eine niedrige durchschnittliche Grenzintelligenz verfügt und nachweislich emotionale Probleme hatte. Wichtig ist, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Kearse in dieser Nacht mit der Absicht loszog, ein Verbrechen zu begehen, geschweige denn einen Mord... Das Fazit ist, dass es sich hier eindeutig nicht um einen Todesstrafenfall handelt.» Zwei der Richter*innen baten 2025 um die Begnadigung von Billy Kearse, und in einem am 17. Februar 2026 veröffentlichten Artikel hiess es, der Fall sei «ein Beispiel für die Willkür des Todesstrafensystems in Florida».

Nachdem der Gouverneur den Hinrichtungstermin festgesetzt hatte, wurde in der letzten Berufungsinstanz unter anderem die neue Einschätzung geäussert, dass Billy Kearse geistig behindert sei, was seine Hinrichtung verfassungswidrig macht. Nach einer Überprüfung seiner medizinischen und weiterer Unterlagen und Tests Anfang 2026 kam ein*e Neuropsycholog*in zu dem Schluss, dass «Herr Kearse eindeutig an einer lebenslangen Intelligenzminderung (d. h. einem IQ-Wert, der durchgängig im Bereich der geistigen Behinderung liegt) und damit verbundenen kognitiven Beeinträchtigungen leidet, die seit seiner Kindheit bestehen». Er betonte zudem, dass Billy Kearse «noch nicht die volle neurologische Entwicklungsreife erreicht hatte, was sein Urteilsvermögen in Anbetracht seines verminderten Intellekts weiter beeinträchtigte».

In den letzten Eingaben wurde auch geltend gemacht, dass ihm 1996 eine faire Neuverhandlung vorenthalten worden war, nachdem neue Beweise für eine unzulässige Beeinflussung der Geschworenen vorgelegt worden waren. Der Oberste Gerichtshof der USA hat bereits in der Vergangenheit anerkannt, dass «ein Raum voller uniformierter und bewaffneter Polizisten eine Bedrohung für die Chancen eines Angeklagten auf ein faires Verfahren darstellen kann». Am 3. Februar 2026, kurz nachdem der Hinrichtungstermin festgesetzt worden war, beschrieb eine Geschworene in einem Beitrag in den sozialen Medien, dass «wie lange die Verhandlung auch dauerte, der hintere Teil des Gerichtssaals voller [Ordnungskräfte] aus allen Städten und Bezirken des Bundesstaates war», die «unermüdlich» stundenlang dastanden und «so Respekt und Unterstützung» für den getöteten Kollegen bekundeten. Die Rechtsbeistände von Billy Kearse wollten die Jurorin befragen, um die Hintergründe ihres Beitrags und die Umstände, unter denen der Beiträg später gelöscht wurde, zu erfahren.

Am 14. Februar 2026 wies ein Bezirksgericht beide Anträge ab, und am 25. Februar bestätigte der Oberste Gerichtshof von Florida die Entscheidung, dass die Eingabe wegen geistiger Behinderung «nicht rechtzeitig, verjährt und rechtlich unzureichend» sei und die Frage der Geschworenen verjährt sei. Am 3. Juni lehnte es der Oberste Gerichtshof kommentarlos ab, die Hinrichtung zu stoppen.

In seiner Abschlusserklärung entschuldigte sich Billy Kearse bei der Familie des Opfers: «Ich entschuldige mich aufrichtig bei seiner Familie für das, was ich getan habe. Das kann ich mit diesem Tod nicht wiedergutmachen, das wird nie wiedergutgemacht». Die tödliche Injektion mit drei Substanzen wurde um 18 Uhr Ortszeit verabreicht und Billy Kearse wurde um 18.24 Uhr für tot erklärt. Auf einer Pressekonferenz nach der Hinrichtung bedankte sich die Witwe des Opfers bei der Polizei und anderen Behörden für die Unterstützung, die sie in den vergangenen 35 Jahren geleistet haben, um «dafür zu kämpfen», unter anderem durch ein Schreiben an den Gouverneur. Sie sagte, dass sie in der Entschuldigung von Billy Kearse «Frieden gefunden» habe und fügte hinzu, dass sie «niemandem etwas Böses wünsche»; dies sei «keine Nacht der Freude und des Feierns», sondern «eine Nacht der Wiedergutmachung und des Wissens, dass dies Gerechtigkeit ist».

Nach der Hinrichtung schrieb die Organisation Floridianer für Alternativen zur Todesstrafe (FADP): «Der menschliche Tribut, den eine Hinrichtung fordert, endet nicht bei der Person, die auf den Hinrichtungsstuhl geschnallt wird; er strahlt nach aussen – zu den Familien, zu den Angehörigen, zu den Rechtsbeiständen und Unterstützer*innen, die diese Fälle jeden Tag mit sich herumtragen... Wir lehnen die Vorstellung ab, dass mehr Tote die Wunden der Gewalt heilen. Wir verpflichten uns erneut zu einem Florida, das sich für Verantwortlichkeit ohne die Todesstrafe, für Sicherheit ohne Rache und für Gerechtigkeit entscheidet, die auf der Würde aller Menschen beruht.»

Seit der Oberste Gerichtshof 1976 bestätigte, dass die Todesstrafe unter bestimmten Bedingungen zulässig ist, wurden in den USA 1'659 Menschen hingerichtet. In Florida wurden seither 128 Menschen exekutiert. In den USA sind 2026 bisher 5 Personen hingerichtet worden, drei davon in Florida. Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe.

Vielen Dank allen, die sich für Billy Kearse und gegen seine Hinrichtung eingesetzt haben.