Der Menschenrechtsverteidiger Anacleto Micha Ndong ist Mitglied der zivilgesellschaftlichen Demokratieplattform Guinea Ecuatorial también es nuestra («Äquatorialguinea gehört auch uns»).
Am 15. April 2024 begab sich der Rechtsbeistand von Anacleto Micha Ndong zum Gefängnis von Malabo und erfuhr, dass sein Mandant nicht mehr dort sei. Anacleto Micha Ndong war am 1. März im Gefängnis Black Beach auf der Insel Malabo in Untersuchungshaft genommen worden. Eigenen Angaben zufolge wurde er dort 2023 von einem Gendarmen gefoltert, der bis heute dort arbeitet.
Seit dem 15. April, als sein Rechtsbeistand ihn nicht besuchen konnte, gibt es keine offiziellen Informationen mehr über den Verbleib von Anacleto Micha Ndong. Verschiedenen inoffiziellen Quellen zufolge soll er zusammen mit anderen Gefangenen in das Gefängnis von Oveng Ansem in der Gemeinde Mongomo verlegt worden sein, das auf dem Festland liegt und mehr als 400 km von seinem Wohnort entfernt ist.
Das Geheimhalten des Aufenthaltsortes von Anacleto Micha kommt nach internationalem Recht dem Verschwindenlassen gleich: Er ist dadurch dem Schutz des Gesetzes entzogen und insbesondere in Gefahr, gefoltert oder auf andere Weise misshandelt zu werden. Ausserdem wird berichtet, dass im Gefängnis von Oveng Ansem – wohin er verlegt worden sein soll – häufig gefoltert wird, was mutmasslich zum Tod einiger Gefangener geführt hat.
Anacleto Micha Ndong ist ein Menschenrechtsverteidiger, der in den Sozialen Medien aktiv ist und der zivilgesellschaftlichen Plattform Guinea Ecuatorial también es nuestra angehört, die sich für eine friedliche Auseinandersetzung und politischen Dialog im Land einsetzt.
Zeug*innen seiner Festnahme am 26. Januar 2024 schildern diese als äusserst gewalttätig. Die Beamt*innen sollen ihn in Gegenwart seiner vor Angst weinenden Kinder geschlagen, seinen Kopf in einen Wassereimer gedrückt und sein Hemd zerrissen haben.
Seine anhaltende Inhaftierung scheint ausschliesslich seinem Aktivismus geschuldet zu sein, insbesondere seinen regierungskritischen Beiträgen in den Sozialen Medien, und ist daher willkürlich.
Nach mehreren Versuchen, seinen Mandanten unter vier Augen zu treffen, erhielt der Rechtsbeistand von Anacleto Micha Ndong am 10. April ein offizielles Schreiben, das ihm gestattete, seinen Mandanten am 15. April im Gefängnis von Black Beach zu besuchen. Als der Rechtsbeistand an diesem Tag im Gefängnis ankam, wurde ihm mitgeteilt, dass Anacleto Micha Ndong nicht da sei, weil er vor Gericht aussage. Der Rechtsbeistand fand später heraus, dass dies nicht stimmte und Anacleto Micha Ndong sich nicht im Gefängnis von Black Beach befand, da er nach inoffiziellen Angaben in das Gefängnis von Oveng Ansem verlegt worden war.
Oveng Ansem ist ein Gefängnis in der Gemeinde Mongomo und verzeichnet eine besorgniserregend hohe Anzahl an Gefangenen, die Foltervorwürfe erheben. Einige Gefangene sollen an den Folgen der Folter gestorben sein, darunter Julio Obama Mefuman, Mitglied der MLGE3R (Movement for the Liberation of the Third Equatorial Guinea – Bewegung für die Befreiung des Dritten Äquatorialguinea). Er starb im Januar 2024. Seine Leiche wurde seiner Familie nie ausgehändigt.
Die Frist zum Mitmachen ist abgelaufen.
Falls es neue Informationen und/oder weitere Aktionsvorschläge gibt, werden wir diese umgehend hier veröffentlichen.