Die Gesundheitslage der indigenen Bevölkerungsgruppe der Bari in der Region Catatumbo in Norte de Santander, ins-besondere in der Siedlung Bridikayra in der Gemeinde Convención, gibt Anlass zu grosser Sorge. Regionale Organisationen wie das Komitee für soziale Integration von Catatumbo (Comité de Integración Social del Catatumbo – CISCA) und nationale Organisationen, wie die Menschenrechtsorganisation Asociación Minga, haben u. a. gegenüber Amnesty International gewarnt, dass das Leben der Bari, die nach wie vor keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, seit Ende August durch einen Krankheitsausbruch gefährdet ist.
Den Organisationen zufolge leiden Dutzende Menschen unter Fieber, Schmerzen und Blutungen, und am 26. August sei ein Kind nach Auftreten dieser Symptome gestorben. Die Siedlungen der Bari liegen weit entfernt von urbanen Zentren, sodass Angehörige der Gemeinschaft weite Strecken nach Orten wie Convención oder Ocaña zurücklegen müssen, die über Gesundheits-einrichtungen verfügen. Dass sie nicht über die nötigen Ressourcen für Transport und Unterkunft verfügen, erhöht die Gefahr für ihre Gesundheit noch weiter. Da es sich um eine binationale (kolumbianisch-venezolanische) indigene Gemeinschaft handelt, verfügen einige Angehörige der Bari nicht über einen kolumbianischen Ausweis, was zu Hindernissen beim Zugang zur Gesundheitsversorgung führt.
Diese Situation ist auf die historische Vernachlässigung durch lokale und nationale staatliche Institutionen zurückzuführen, die es versäumt haben, der Bevölkerung von Catatumbo, darunter auch der Gemeinschaft der Bari, durch zivile Einrichtungen vor Ort den Zugang zu Grundversorgungs-leistungen und den Schutz ihrer Menschenrechte zu garantieren. Zudem sind die Bari immer wieder betroffen von der Waffengewalt, die nach wie vor in der Region herrscht.
Die Region Catatumbo liegt im Nordosten Kolumbiens im Departamento Norte de Santander und erstreckt sich von den östlichen Anden bis in die Nähe des Maracaibo-Sees in Venezuela. Obwohl reich an natürlichen Rohstoffen, insbesondere Erdöl, ist die Region von extremer Armut und einem hohen Mass an Militarisierung und bewaffneter Gewalt geprägt. Der eingeschränkte Zugang zu Nahrung, Bildung, Wasser, Wohnraum und Gesundheitseinrichtungen erschwert Gemeindesprecher*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen ihre Tätigkeit. Darüber hinaus ist die Infrastruktur nur schlecht ausgebaut, sodass Catatumbo vom Rest des Landes isoliert ist. Die Region ist in Kolumbien nach wie vor eines der wichtigsten Gebiete für den Kokaanbau und die Kokainproduktion und dessen Transit.
Amnesty International beobachtet die Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger*innen in Catatumbo seit mehreren Jahren, insbesondere die gegen das Komitee für soziale Integration in Catatumbo (CISCA). In den Jahren 2020 und 2023 hat Amnesty die Probleme bei der Verteidigung kollektiver Rechte auf Land, Territorium und Umwelt in der Region dokumentiert und darauf hingewiesen, dass extreme Armut und der mangelnde Zugang zu wirtschaftlichen und sozialen Rechten insbesondere für Sprecher*innen der Gemeinden ein angespanntes und feindseliges Umfeld schaffen.
Die Zivilgesellschaft in Catatumbo besteht hauptsächlich aus Organisationen für die Rechte kleinbäuerlicher Gemeinschaften und der indigenen Bevölkerungsgruppe der Bari. Die indigene Gemeinschaft lebt in den Perijá-Bergen und in der Nähe des Nationalparks Catatumbo-Bari im nördlichen Teil der Region sowie auf beiden Seiten der kolumbianisch-venezolanischen Grenze. Die Siedlungen der Bari befinden sich in ländlichen Gebieten mehrerer Gemeinden von Catatumbo (El Carmen, Convención, Teorama, El Tarra und Tibú), sind jedoch weit entfernt von deren städtischen Zentren, wo sich die wenigen zivilen staatlichen Institutionen in Catatumbo konzentrieren. Seit Ende August schlagen regionale Organisationen wie CISCA und nationale Organisationen wie die Asociación Minga wegen einer akuten Gesundheitskrise in der Gemeinschaft der Bari Alarm. Sie verweisen in diesem Zusammenhang insbesondere auf Faktoren wie die Mangelernährung von Kindern, Armut und den fehlenden Zugang zu öffentlichen Versorgungsleistungen, unter denen die indigene Bevölkerungsgruppe seit Jahren leidet.
Die Region Catatumbo ist seit Jahrzehnten Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen den kolumbianischen Streitkräften und verschiedenen bewaffneten Gruppen. Seit Mitte Januar 2025 kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den bewaffneten Gruppen Nationale Befreiungsarmee (Ejército de Liberación Nacional – ELN) und der EMBF, einer Splittergruppe der früheren bewaffneten Gruppierung FARC-EP (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo). Diese Konflikte haben schwerwiegende Folgen für die Zivilbevölkerung, mit Dutzenden von Toten und Zehntausenden von Vertriebenen. Seit Beginn dieser Krise hat Amnesty International mit einer Urgent Action und einer öffentlichen Stellungnahme den Schutz der Zivilbevölkerung gefordert. Ausserdem hat die Organisation in einer weiteren Urgent Action scharfe Kritik an den Aussagen des Präsidenten der Republik Kolumbien geübt, dem zufolge die Zivilbevölkerung von bewaffneten Gruppen «durchsetzt» sei und diesen «unterstehen» würde.
Amnesty International sowie mehrere kolumbianische soziale Organisationen haben die Regierung aufgefordert, strukturelle Lösungen zu unterstützen und umzusetzen, die auf einer stärkeren Präsenz ziviler staatlicher Institutionen basieren, wie beispielsweise der Sozialpakt für die territoriale Transformation von Catatumbo, der lokale zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch die Organisationsstrukturen der indigenen Gemeinschaft der Bari selbst, einbezieht und unter deren Mitwirkung entwickelt werden sollte.
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