Ein Einwanderungsgericht in Texas ordnete am 13. März 2026 die Freilassung von Leqaa Kordia an, ein Jahr nach ihrer ersten Inhaftierung. Drei Tage später wurde sie aus der Haft entlassen. Leqaa Kordia geriet wegen ihrer Teilnahme an einer Demonstration an der Columbia University ins Visier der Behörden. Sie nahm dabei lediglich ihr Recht auf Meinungsfreiheit und friedliche Versammlung wahr, um gegen den israelischen Völkermord an den Palästinenser*innen im besetzten Gazastreifen zu protestieren.
Ihre Verfahren vor den Einwanderungs- und Bundesgerichten dauern an.
Leqaa Kordia ist eine muslimische Palästinenserin, die ursprünglich mit einem Besuchsvisum in die USA kam, um ihre Mutter wiederzusehen, von der sie als Kind getrennt worden war. Später erhielt sie ein Studierendenvisum, um Englisch zu studieren, während ihre Mutter einen Antrag auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für sie stellte. Aufgrund einer fehlerhaften Beratung gab Leqaa Kordia nach Genehmigung ihres Antrags auf ein Aufenthaltsrecht ihr Studierendenvisum auf. Dadurch verlor sie ihren rechtmässigen Einwanderungsstatus. Seit dem 7. Oktober 2023 nahm sie an mehreren pro-palästinensischen Protesten in New Jersey und in der Umgebung ihres Wohnortes teil. Am 30. April 2024 beteiligte sie sich an einer Demonstration auf einer öffentlichen Strasse vor der Columbia University. Polizeibeamt*innen forderten die Demonstrierenden auf, sich zu zerstreuen, nahmen Leqaa Kordia und andere fest und liessen sie am nächsten Tag wieder frei. Die Anklagen wurden später fallen gelassen.
Am 13. März 2025 wurde Leqaa Kordia nach einem Treffen mit Einwanderungsbeamt*innen in New Jersey festgenommen, obwohl die Behörden festgestellt hatten, dass von ihr nur ein geringes Risiko für die öffentliche Sicherheit, keine Fluchtgefahr oder eine Gefahr durch Vorstrafen ausging. Sie wurde über Nacht in eine Einrichtung in Texas verlegt, die weit von ihrem Rechtsbeistand und ihrer Familie entfernt lag und in der es nachweislich schon zu Menschenrechtsverletzungen gekommen ist. Sie wurde unter unmenschlichen, Bedingungen in einer überfüllten Zelle festgehalten, wo wiederholt gegen ihre religiösen Rechte verstossen wurde und sie unter anderem keinen Zugang zu Nahrungsmitteln hatte, die ihren Ernährungsvorschriften entsprachen. Sie verlor fast 50 Pfund und erlitt daraufhin am 6. Februar 2026 Ohnmachtsanfälle und einen Krampfanfall. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht und ohne Kontakt zur Aussenwelt in Haft gehalten, bis sie drei Tage später in die Obhut der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) übergeben wurde.
Ein texanischer Einwanderungsgericht hatte bereits zweimal ihre Freilassung gegen Kaution angeordnet, doch die Einwanderungsbehörde stellte beide Male Verfügungen aus, um sie in Haft zu halten. Am 13. März 2026 ordnete ein Einwanderungsgericht schliesslich zum dritten Mal ihre Freilassung auf Kaution an. Die Behörden beschlossen, keinen dritten Entlassungsstopp auszustellen, und liessen Leqaa Kordia am 16. März frei. Sie wird ihren Fall von New Jersey aus vor den Einwanderungs- und Bundesgerichten weiterverfolgen. In einem Video nach ihrer Freilassung erklärte Leqaa Kordia:
«Ich bin nach einem langen, harten Jahr wieder frei. In den ICE-Verliesen war es nicht einfach. So sehr ich mich auch freue, bin ich doch gleichzeitig ein bisschen traurig, eigentlich sehr traurig, dass ich viele grossartige mutige Frauen und Männer zurücklasse. Sie werden zu Unrecht und ohne Grund in ICE-Gefängnissen festgehalten. Es wird buchstäblich gelogen, um sie an diese Orte und in diese Gefängnisse zu bringen. Ich möchte euch einfach nur danken. Ich bin stolz auf euch...».
Amnesty International steht in Kontakt mit den Anwält*innen von Leqaa Kordia und wird die Situation weiter genau beobachten. Derzeit sind keine weiteren Appelle nötig. Vielen Dank allen, die sich für Leqaa Kordias Freilassung eingesetzt haben.
-
Justin Mazzola von Amnesty International USA: «Wir sind überglücklich und erleichtert, dass Leqaa Kordia gegen Kaution freigelassen wurde und aus der willkürlichen Abschiebehaft entlassen ist. Nach einem erschütternden Jahr in ICE-Haft kann Leqaa nach New Jersey zurückkehren und sich mit ihrer Familie und ihren Angehörigen wiedervereinen – gerade rechtzeitig zum Ende des Ramadan und zum Beginn der Eid-Feierlichkeiten.»
Press Release: Amnesty International Welcomes the Release of Leqaa Kordia from Year-Long Detention (Amnesty USA, 16 March 2026)