Belarus – Briefaktion

Grosse Sorge um Gesundheit von inhaftierter Menschenrechtsverteidigerin

Die Menschenrechtsverteidigerin Nasta Loika ist eine gewaltlose politische Gefangene und muss sofort und bedingungslos freigelassen werden. Sie verbüsst eine siebenjährige Haftstrafe, die als Vergeltung für ihre Menschenrechtsarbeit verhängt wurde. In der Haft soll sie gefoltert und misshandelt worden sein. Sie erhält keine angemessene Nahrung, dadurch geht es ihr gesundheitlich immer schlechter. Nasta Loika wurde sechs Monate lang in Einzelhaft unter isolierten Bedingungen gehalten, was Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe gleichkommt.

Details

Hintergrund 

Es besteht grosse Besorgnis über die anhaltende willkürliche Inhaftierung der gewaltlosen politischen Gefangenen, Menschenrechtsverteidigerin und Pädagogin Nasta (Anastasia) Loika in der Gefängniskolonie Homel. Ihre siebenjährige Haftstrafe ist eine Vergeltungsmassnahme für ihre Menschenrechtsarbeit und ihre Kritik an den belarusischen Behörden.

Der Fokus der Arbeit von Nasta Loika liegt auf Menschenrechtsverletzungen infolge der repressiven «Anti-Extremismus»-Gesetzgebung, sowie auf dem Schutz ausländischer Bürger*innen und Staatenloser in Belarus. Ausserdem engagiert sie sich in der Menschenrechtsbildung.

Nasta Loika wird unter Bedingungen festgehalten, die einer Misshandlung gleichkommen, u. a. war sie sechs Monate lang in einer vier Quadratmeter grossen Strafzelle in Einzelhaft gehalten, wobei ihr der Empfang von Paketen, die für ihre Ernährung und Gesundheit wichtig sind, sowie Anrufe und Besuche untersagt wurden. Derzeit darf sie nur Briefe und einen Anruf pro Monat von ihrer 78 Jahre alten Mutter erhalten. In den zwei Jahren und vier Monaten ihrer Inhaftierung wurde ihr nur ein einziger Besuch ihrer Mutter gestattet. Sie wurde willkürlich als «Terroristin» eingestuft, was dazu führt, dass sie im Gefängnis keine finanzielle Unterstützung erhält und sich daher kein angemessenes Essen leisten kann. Nasta Loika ist Veganerin und muss im Gefängnisladen vegane Lebensmittel kaufen, um sich richtig zu ernähren, hat aber kein Geld dafür. Dies wirkt sich nachteilig auf ihre körperliche und physische Gesundheit aus.

Am 6. September 2022 wurde Nasta Loika das erste Mal willkürlich festgenommen, als sie das Minsker Stadtgericht verliess. Dort hatte sie dem Verfahren gegen die Menschenrechtsverteidiger*innen Marfa Rabkova, Andrei Chapyuk und acht weiterer Angeklagter beigewohnt, die auf Grundlage konstruierter Anschuldigungen zu langen Haftstrafen verurteilt worden waren. Am 7. September 2022 wurde Nasta Loika auf Grundlage des Paragrafen 19, Absatz 1 des belarusischen Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten wegen «minderschweren Rowdytums» zu 15 Tagen Haft verurteilt. Das Bezirksgericht Frunzenski in Minsk verurteilte sie am 22. September 2022 zum zweiten Mal zu 15 Tagen Haft – wegen derselben Anschuldigung. Während ihrer Haft wurde Nasta Loika der Zugang zu einem Rechtsbeistand, notwendiger medizinischer Versorgung und so grundlegenden Dingen wie warmer Kleidung und Trinkwasser verwehrt. Nach Absitzen ihrer Haftstrafen kam sie am 6. Oktober 2022 zunächst wieder frei.

Doch seit ihrer erneuten willkürlichen Festnahme in Minsk am 28. Oktober 2022 ist Nasta Loika wieder in Haft. Am 31. Oktober 2022 wurde sie erneut wegen «minderschweren Rowdytums» zu 15 Tagen Haft verurteilt. Am 12. November 2022 wurde Nasta Loika nicht aus ihrer 15-tägigen Haft entlassen, sondern weitere 15 Tage wegen «minderschweren Rowdytums» in Haft behalten. Bei ihrer Online-Anhörung gab Nasta Loika an, dass sie während ihres Verhörs mit Elektroschocks gefoltert und für acht Stunden ohne angemessene Kleidung draussen im Innenhof ausharren musste. Sie wurde aufgrund der kalten Temperaturen krank. Die Gefängnisaufsicht verweigerte ihr die Zustellung von Paketen mit dringend benötigter warmer Kleidung, Hygieneartikeln und Medizin.

Am 24. Dezember 2022 wurde nach insgesamt fünf 15-tägigen Haftstrafen gemäss Paragraf 342, Absatz 1 («Organisation und Vorbereitung von Handlungen, die die öffentliche Ordnung grob verletzen, oder aktive Teilnahme an solchen Handlungen») und Paragraf 130, Absatz 3 («Aufwiegelung zu ethnischer, nationaler, religiöser oder anderer gesellschaftlicher Feindschaft oder Uneinigkeit») Anklage gegen Nasta Loika erhoben. Die jüngsten Anschuldigungen gegen Nasta Loika berufen sich auf ihre angebliche Beteiligung an einem Bericht über die Verfolgung von Mitgliedern anarchistischer Gruppen in Belarus im Jahr 2018. Der Bericht beinhaltet eine kritische Bewertung der Aktivitäten von Polizist*innen und wird daher von den Behörden als «Aufwiegelung zur Feindseligkeit» gegen die «Berufsgruppe» der Polizei eingestuft, dieser Vorwurf fällt unter die Extremismusgesetze. Nasta Loikas Fall ist ein weiteres Beispiel für die offenkundige Kriminalisierung von Menschenrechtsarbeit durch die belarussischen Behörden.

Am 20. Juni 2023 wurde Nasta Loika des letztgenannten Vorwurfs für schuldig befunden und zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Am 3. Oktober 2023 fand die Berufungverhandlung gegen dieses Urteil statt. Das Urteil wurde bestätigt. Im November 2023 verlegten die Behörden Nasta Loika vom Untersuchungsgefängnis in Minsk in die Gefängniskolonie Homel, wo sie nun ihre Strafe verbüsst. Darüber hinaus hat der Geheimdienst KGB Nasta Loika am 12. Oktober 2023 in die Liste der in terroristische Aktivitäten verwickelten Organisationen und Einzelpersonen aufgenommen – nun sind alle Finanztransaktionen, an denen Nasta Loika beteiligt ist, verboten, und Personen, die Gelder zu ihrer Unterstützung aufbringen, müssen mit einer Anklage wegen «Finanzierung terroristischer Aktivitäten» rechnen.

Werden Sie aktiv:

Setzen Sie sich für Nasta Loika ein: Senden Sie einen Appellbrief per Post oder E-Mail (Zielpersonen/Kontakte siehe unter ADRESSEN und SOCIAL MEDIA GUIDE). Posten Sie auch in den sozialen Medien.

Frist zum Mitmachen: 2. September 2026.
Schreiben Sie in Belarussisch, Russisch, Englisch oder in Ihrer eigenen Sprache.

Bitte setzen Sie noch Ihren Namen (oder Initialen) an das Ende der Nachricht. Sie können die Nachricht gerne auch noch anpassen und z.B. den Namen und die Forderungen hervorheben. 

Um zu verhindern, dass die Mails im Spam landen, ist es ratsam, den Betreff zu verändern.
Wenn das Versenden nicht klappt: Ersetzen Sie das Komma (,) zwischen den Mail-Adressen mit einem Semikolon (;) oder nehmen Sie nur eine einzelne Adresse pro Feld.

Briefvorschlag - Deutsch

Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

es besteht grosse Besorgnis über die anhaltende willkürliche Inhaftierung der gewaltlosen politischen Gefangenen, Menschenrechtsverteidigerin und Pädagogin Nasta (Anastasia) Loika in der Gefängniskolonie Homel. Ihre siebenjährige Haftstrafe ist eine Vergeltungsmassnahme für ihre Menschenrechtsarbeit und ihre Kritik an den belarusischen Behörden. 

Nasta Loika wird unter Bedingungen festgehalten, die einer Misshandlung gleichkommen, u. a. war sie sechs Monate lang in einer vier Quadratmeter grossen Strafzelle in Einzelhaft gehalten, wobei ihr der Empfang von Paketen, die für ihre Ernährung und Gesundheit wichtig sind, sowie Anrufe und Besuche untersagt wurden. Derzeit darf sie nur Briefe und einen Anruf pro Monat von ihrer 78 Jahre alten Mutter erhalten. In den zwei Jahren und vier Monaten ihrer Inhaftierung wurde ihr nur ein einziger Besuch ihrer Mutter gestattet. Sie wurde willkürlich als «Terroristin» eingestuft, was dazu führt, dass sie im Gefängnis keine finanzielle Unterstützung erhält und sich daher kein angemessenes Essen leisten kann. Nasta Loika ist Veganerin und muss im Gefängnisladen vegane Lebensmittel kaufen, um sich richtig zu ernähren, hat aber kein Geld dafür. Dies wirkt sich nachteilig auf ihre körperliche und physische Gesundheit aus.

Bitte sorgen Sie dafür, dass Nasta Loika umgehend freigelassen wird und stellen Sie sicher, dass das belarusische Justizsystem nicht mehr dazu benutzt wird, gegen Menschenrechtsverteidiger*innen vorzugehen.

Bitte veranlassen Sie eine unverzügliche Untersuchung der Vorwürfe der Folter und anderer Misshandlung von Nasta Loika sowie ihrer willkürlichen Inhaftierung und strafrechtlichen Verfolgung. Bitte stellen Sie sicher, dass die Verantwortlichen in einem fairen Gerichtsverfahren zur Rechenschaft gezogen werden.

Mit freundlichen Grüssen,


 

Model letter - English

Dear Prosecutor General,

I am extremely concerned about the ongoing arbitrary detention of prisoner of conscience, human rights defender and educator Nasta (Anastasia) Loika, in Homel prison colony. Her seven-year imprisonment is in retaliation for her human rights work and criticism of the Belarus authorities.

She has been held in conditions amounting to ill-treatment, including being subjected to prolonged solitary confinement for six months, in a four-square-meters punishment cell with prohibition of receiving parcels which were crucial for her proper nutrition and health and of calls and visits. Currently, she is only allowed letters and one call per month from her 78 years-old mother. In two years and four months of her imprisonment, she had only one visit allowed from her mother. She was arbitrarily listed as «a terrorist» which prevents her from receiving financial support in prison and thus cannot afford to eat properly. Nasta is a vegan and has to buy vegan food from the prison shop to eat properly, but has no funds to do so. This has a detrimental effect on her physical and mental health.

I urge you to:

  • Ensure Nasta Loika’s immediate and unconditional release and stop misusing the criminal justice system to target her and other human rights defenders in Belarus.
  • Ensure prompt, independent and effective investigation of the allegations of Nasta Loika’s torture and other ill-treatment, and of her arbitrary detention and prosecution, and hold those suspected to be responsible to account through fair proceedings.

Yours sincerely,
 

Social Media Guide

Suggested messages:

Nasta Loika, a Belarusian human rights defender and educator is serving a 7‑year sentence in Homel prison in retaliation for her human rights work. 

Nasta spent 6 months in a small unheated  punishment cell, cut off from calls, letters, and visits. Her physical and mental health are suffering. 

Both of Nasta’s lawyers were targeted for defending her—one forced into exile, the other disbarred. 

I call on the Belarusian authorities to:️ Immediately and unconditionally release Nasta Loika 
Investigate her torture, ill‑treatment, and arbitrary detention and hold those responsible to account. 

Nasta must be freed. No one should be punished for defending human rights. 

Social media Grafik zum verwenden:


 

Adressen

Generalstaatsanwalt der Republik Belarus:
Dmitry Hara
Prosecutor General  of  the Republic of  Belarus

Internatsiyanalnaya  Str., 22
220030 Minsk
Belarus 
 
E-Mail: info@prokuratura.gov.by   

Zusätzliche Zielpersonen:
Gen.-Maj. Oleg Matkin
Department of Penalty Execution 
Ministry of the Interior
Brilevskaya Str., 14a 
Minsk, 220039
Belarus
E-Mail: pismo_din@mia.by  

Minister of the Foreign Affairs
Maxim Ryzhenkov
Lenina str.19
Minsk, 220030
Belarus
E-Mail: mail@mfa.gov.by  

KOPIEN AN

Botschaft der Republik Belarus
Quartierweg 6, Postfach 153
3074 Muri b. Bern
Fax: 031 952 76 16
E-Mail: switzerland@mfa.gov.by



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DRUCKFERTIGE MODELLBRIEFE (WORD):
•  MODELLBRIEF DEUTSCH 097/22-2
•  MODEL LETTER ENGLISH 097/22-2

DIESE URGENT ACTION – KOMPLETT (WORD-DATEI):
(Seite 1 Hintergrundinformationen, Seite 2 Modellbrief)
•  UA 097/22-2 – DEUTSCH
•  UA 097/22-2 – ENGLISH
 

Versandmöglichkeiten und Zielperson(en) siehe: ADRESSEN und SOCIAL MEDIA GUIDE
Verwenden Sie unsere Briefvorschläge oder schreiben Sie in Ihren Worten.
Portokosten für Briefversand: Europa = CHF 1.90 / alle übrigen Länder = CHF 2.50
Weitere Informationen zum Mitmachen bei den Urgent Actions finden Sie hier
 


English version (click on title to open):

Jailed human rights defender’s dire health

Nasta Loika, a Belarusian woman human rights defender, prisoner of conscience and educator, must be unconditionally released. She is serving a seven-year prison sentence imposed under trumped up charges of «inciting racial, national, religious or other social enmity or discord» in retaliation for her human rights work. She has reportedly suffered torture and other ill-treatment in detention. She is not receiving food of adequate nutrition which has detrimental effect on her health. She was subjected to prolonged solitary confinement for six months which amounts to torture or other cruel, inhuman or degrading treatment or punishment.

Nasta Loika was arbitrarily detained on 6 September 2022 as she was leaving the Minsk City Court after attending a court hearing in the trial against fellow human rights defenders Marfa Rabkova, Andrei Chapyuk and their eight co-defendants. On 7 September 2022, Nasta Loika was given 15 days detention, purportedly for «petty hooliganism», a violation under Article 19.1 of the Code of Administrative Offences. On 22 September 2022, the Frunzenski District Court of Minsk ordered her further 15-day detention under the same Article. During her detention Nasta Loika was denied access to her lawyer and denied necessary medical treatment and basic necessities, including warm clothes and drinking water. She was released on 6 October 2022, after serving her detention.

On 28 October 2022, Nasta Loika was again arbitrarily detained in Minsk and on 31 October 2022 given a further 15-day detention under the same accusations. After serving her 15-day detention, Nasta Loika was not released on 12 November 2022 and same allegations were again brought against her. During the online hearing, Nasta Loika reported that she had been tortured with electric shock during questioning and that she had been left for eight hours in the courtyard under the elements without proper clothing. She fell ill as a result. The prison authorities were refusing to deliver parcels to Nasta Loika with medicines, personal hygiene products and warm clothes that she urgently needed.

On 24 December 2022, after five 15-day detention terms, criminal charges were brought against Nasta Loika: under Article 342.1 («Organization and preparation of actions that grossly violate public order, or active participation in them») and 130.3 («inciting racial, national, religious or other social enmity or discord»). The basis for the latest accusation was Nasta's alleged participation in the writing of a report on the persecution of members of anarchist groups in Belarus in 2018. The report provides a critical assessment of the activities of police officers, which the investigators have qualified as «inciting enmity» against police officers as «a professional group», an «extremism» related charge. This is yet another example of the blatant criminalization of human rights work by the Belarusian authorities.

On 20 June 2023, Nasta was found guilty of the latter charge and sentenced to seven years in prison. On 3 October 2023, the appeal against this sentence took place. The sentence was upheld. In November 2023, Nasta was transferred from Minsk pre-trial detention center to Homel prison colony, where she is serving her sentence now. In addition, on 12 October 2023, the State Security Committee (KGB) included Nasta in the List of organizations and individuals involved in terrorist activities – now any financial transactions involving her are prohibited, and people raising funds to support her may potentially face charges of «financing terrorist activities».

In August 2025 Nasta was moved to confinement in a four-square-meter cell. She was held there for six months in total isolation until late January 2026.

At the end of January 2026 Nasta was transferred to general conditions in the colony. She started working at a sewing factory, like the majority of other imprisoned women in Homel colony. Prisoners work at least eight hours a day and are paid five–10 euros per month.

Nasta’s first lawyer faced state reprisals for representing her and was forced to exile. Her second lawyer was disbarred in retribution. This was a clear violation of Nasta’s right to a fair trial, including the right to be represented by a lawyer of one’s choice.

More than 1,200 persons imprisoned for politically motivated cases are still in prison in Belarus. This includes Viasna human rights defenders Marfa Rabkova, Valiantsin Stefanovich and volunteer Vital Chopik.


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