In den neuen Berichten «Stitched Up» und «Abandoned by Fashion» dokumentiert Amnesty International die routinemässige Unterdrückung von Gewerkschaften und die Verweigerung grundlegender Arbeitsrechte. Fabrikbesitzer*innen und Regierungen bilden mit Modemarken eine Allianz, die Ausbeutung ermöglicht.
«Indem sie das Recht auf Gewerkschaftsbildung und Tarifverhandlungen missachten, profitiert die Branche von einer überarbeiteten und meist weiblichen Belegschaft», sagte Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International. «Dies wirft ein schlechtes Licht auf das gesamte Geschäftsmodell der Bekleidungsindustrie.»
Besonders Frauen, werden durch informelle und unsichere Verträge, Hungerlöhne, Diskriminierung und prekäre Arbeitsbedingungen systematisch ihrer Rechte beraubt.
Die weltweite Bekleidungsindustrie steht seit Langem wegen Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten und ihrem Geschäftsmodell in der Kritik. Arbeiter*innen in Südasien, besonders Frauen, werden durch informelle und unsichere Verträge, Hungerlöhne, Diskriminierung und prekäre Arbeitsbedingungen systematisch ihrer Rechte beraubt.
Amnesty International führte zwischen September 2023 und August 2024 Recherchen in 20 Fabriken in den vier Ländern durch und sprach mit 88 Beschäftigten, die meisten davon Frauen.
In allen vier Ländern gaben die Befragten an, dass sie es wegen der Androhung von Konsequenzen seitens des Arbeitgebers nicht wagten, einer Gewerkschaft beizutreten. Alle Gewerkschafter*innen, mit denen Amnesty International gesprochen hat, beschrieben ein Klima der Angst: Die Arbeiter*innen würden durch Aufseher*innen und Fabrikbesitzer*innen regelmässig schikaniert, bedroht oder gar entlassen, weil sie eine Gewerkschaft gründeten oder Gewerkschaftsmitglieder waren. Dies verstösst eindeutig gegen das Recht auf Vereinigungsfreiheit.
«Wenn Arbeiter*innen ihre Stimme erheben, werden sie ignoriert. Wenn sie sich organisieren, werden sie bedroht und entlassen», so ein NGO-Mitarbeiter aus Bangladesch.
Die meisten Angestellten in den Textilfabriken Südasiens sind Frauen, die häufig aus ländlichen Gebieten stammen oder marginalisierten Kasten angehören. Sie berichten von Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz. In den von Männern geleiteten Fabriken fehlt es an wirksamen, unabhängigen Beschwerdemechanismen.
«Ich wurde begrapscht und verbal angegriffen. Niemand wollte meine Beschwerden hören», sagte eine Gewerkschafterin aus Pakistan.
Globale Modemarken tragen zur Situation bei, indem sie ihrer Verantwortung für die Menschenrechte nicht nachkommen.
Globale Modemarken tragen zur Situation bei, indem sie ihrer Verantwortung für die Menschenrechte nicht nachkommen und stattdessen in punkto menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht und Verhaltenskodizes nur Lippenbekenntnisse ablegen. Sie haben die Entwicklung undurchsichtiger Lieferketten zugelassen und gezeigt, dass sie bereit sind, Arbeitskräfte in Ländern bzw. von Geschäftspartnern zu beschäftigen, die schlechte Arbeitspraktiken weder kontrollieren noch eindämmen und die aktiv die Vereinigungsfreiheit unterdrücken. In vielen Ländern fehlen Gesetze zur Sorgfaltspflicht. Dies hat zur Folge, dass die Modemarken keine Rechenschaft über ihre Lieferketten ablegen müssen, was der Ausbeutung Vorschub leistet. Wo solche Gesetze existieren, stecken ihre Umsetzung und ihr Anwendungsbereich noch in den Kinderschuhen.
Amnesty International fordert:
«Das Gebot der Stunde ist es, eine menschenrechtskonforme Beschaffungsstrategie für die globale Bekleidungsindustrie zu entwickeln – eine, die für wirkliche Vereinigungsfreiheit sorgt und die Verweigerung dieser Rechte bestraft», sagte Agnès Callamard.
Medienmitteilung 27. November 2025, London/Bern – Medienkontakt