200 Tage vor Beginn der Fussball-WM und zwei Tage vor der Auslosung in Washington, lässt die Menschenrechtssituation im primären Austragungsland USA – nebst Kanada und Mexiko, wo Vorrundenspiele stattfinden – alle Alarmglocken läuten. Die menschenrechtswidrige Verfolgung von Geflüchteten und Migrant*innen, die Aufhebung einer geplanten Anti-Diskriminierungskampagne sowie die Angriffe auf die Pressefreiheit und die Repression friedlicher Proteste sind deutliche Hinweise darauf, dass die Menschenrechte im Kontext des anstehendes Turniers keineswegs gewährleistet sind. Der Weltfussballverband muss dringend seiner Sorgfaltspflicht nachkommen und griffige Massnahmen zum Schutz der Menschenrechte einfordern.
«Bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 2026 wurden zum ersten Mal Menschenrechtskriterien berücksichtigt. Doch die derzeitige Menschenrechtslage in den USA setzt die Glaubwürdigkeit der eingegangenen Verpflichtungen aufs Spiel», sagt Andrea Florence, Direktorin der Sport & Rights Alliance.
Am 5. Dezember nimmt die Fifa nicht nur die Auslosung der Spiele vor, ihr Präsident Gianni Infantino wird auch den angekündigten «FIFA-Friedenspreis» im Kennedy Center in Washington verleihen. Human Rights Watch hat die Fifa schriftlich um eine Liste der Nominierten, der Jurymitglieder, der Kriterien und des Verfahrens für die Vergabe des Preises gebeten. Die Menschenrechtsorganisation hat von der Fifa dieselbe Transparenz eingefordert, wie sie bei anderen Preisen Standard ist. Eine Antwort der Fifa steht bis heute aus.
«Der sogenannte Friedenspreis der Fifa wird in völliger Intransparenz und vor dem Hintergrund einer sich rapide verschlechternden Menschenrechtslage in den USA verliehen.» Lisa Salza, Verantwortliche für Sport und Menschenrechte bei Amnesty Schweiz
«Der sogenannte Friedenspreis der Fifa wird in völliger Intransparenz und vor dem Hintergrund einer sich rapide verschlechternden Menschenrechtslage in den USA verliehen. Diskriminierende Einreisegesetze, Folter in Abschiebegefängnissen, gewaltsame Festnahmen von Migrant*innen, Ausweisung und Diffamierung kritischer Journalist*innen sowie die Entsendung der Nationalgarde zur Eindämmung von Protesten und der Abbau von Anti-Diskriminierungsmassnahmen schüren Ängste bei der lokalen Bevölkerung und bei den Fans», sagt Lisa Salza, Verantwortliche für Sport und Menschenrechte bei Amnesty Schweiz. «Es ist noch nicht zu spät, um die Weltmeisterschaft menschenrechtskonform umzusetzen, aber viel Zeit bleibt nicht, Schutzmassnahmen müssten umgehend an die Hand genommen werden».
Die Fifa hat für die WM 2026 ein Menschenrechtskonzept ausgearbeitet, das jede der 16 Austragungsstädte verpflichtet, einen eigenen «Menschenrechtsaktionsplan» zu entwickeln, um Diskriminierung zu verhindern, die Rechte der Arbeitnehmenden sicherzustellen, Kinder zu schützen und Menschenhandel zu bekämpfen.
Um wirkungsvoll zu sein, sollten diese Massnahmenpläne in vollumfänglicher Konsultation mit den lokalen Gemeinschaften erarbeitet werden. Dignity 2026 ist eine Koalition von 16 Organisationen, die sich für die Rechte von Arbeiter*innen, lokalen Gemeinschaften und Menschenrechte allgemein im Kontext der Männer-WM 2026 einsetzen. Die Koalition weist auf den dringlichen Bedarf an Massnahmen in folgenden Bereichen hin: Schutz vor willkürlichen Abschiebungen und vor Diskriminierung, Respekt der Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit, der Arbeiter*innen- und Athlet*innenrechte, Sicherheit für LGBTI*-Fans und Schutz vor Missbrauch von Minderjährigen.
Ausführliche Stellungnahmen zu den Risiken in den oben erwähnten Bereichen finden sich auf der Website der Sport & Rights Alliance.
Die Mitgliederorganisationen der Sport & Rights Alliance und Dignity 2026 rufen die Fifa und die Organisationskomitees der Austragungsländer der WM 2026 dazu auf: