Auf internationaler Ebene gab es einige Erfolge bei der Durchsetzung der Rechenschaftspflicht. Dazu gehörten die Festnahme und Überstellung des ehemaligen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) sowie Haftbefehle des IStGH gegen zwei führende Mitglieder der Taliban wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Form von geschlechtsspezifischer Verfolgung. Ansonsten herrschte auch 2025 weitgehend Straflosigkeit. So gab es keine weiteren Fortschritte bei den Haftbefehlen des IStGH gegen hohe Militärs, die für völkerrechtliche Verbrechen an den Rohingya verantwortlich waren. Auch wurden keine wirkungsvollen staatlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Autonomen Uigurischen Region Xinjiang in China ergriffen. In Afghanistan wurden die innerstaatlichen Mechanismen zur Rechenschaftspflicht weiter abgebaut, während sie in Sri Lanka bei der Ahndung von Kriegsverbrechen weitgehend unwirksam blieben.
Die Staaten weiteten ihre grenzüberschreitenden Repressalien aus. Thailand schob Uigur*innen nach China ab und lieferte Menschenrechtsverteidiger*innen der ethnischen Gruppe der Montagnards nach Vietnam aus, obwohl die Gefahr von Menschenrechtsverletzungen bestand. Malaysia arbeitete bei der Verfolgung eines Journalisten mit den thailändischen Behörden zusammen. Hongkong und China nutzten «Sicherheitsgesetze» , um Aktivist*innen im Ausland zu verfolgen und ihre noch in Hongkong lebenden Angehörigen und Freund*innen zu schikanieren.
Das Leid ausgegrenzter und schutzbedürftiger Gruppen wurde durch Diskriminierung noch verschärft. Rohingya mussten in Myanmar Zwangsarbeit leisten und waren in Bangladesch überproportional von Kürzungen der humanitären Hilfe für Flüchtlingslager betroffen. In Afghanistan, China und Pakistan wurden religiöse Minderheiten systematisch verfolgt. Indigene Völker in Australien und Indonesien sahen sich weiteren Landenteignungen ausgesetzt. Dalits waren in ganz Südasien gezwungen, gefährlicher Arbeit nachzugehen.
Geschlechtsspezifische Gewalt war in der gesamten Region Asien-Pazifik weiterhin verbreitet. In Südkorea, Thailand und Vietnam sorgten technologiegestützte Menschenrechtsverletzungen für Schlagzeilen.
Menschenhandel und Zwangsarbeit nahmen in Südostasien stark zu; in Hotspots wie Kambodscha und Myanmar wurden Menschen in sogenannten «Scam-Fabriken» zur Begehung von Online-Betrug gezwungen und dabei versklavt und gefoltert.
Die Klimakrise, andere Katastrophen und wirtschaftliche Unsicherheit verschärften die ohnehin prekäre Lage vieler Menschen. In Afghanistan waren Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen, da viele nach Massenabschiebungen aus Iran und Pakistan ohne Existenzgrundlage dastanden und viele weitere von schweren Erdbeben getroffen wurden. Überschwemmungen in Indonesien, Pakistan, Sri Lanka, Vietnam und den Philippinen führten zu zahlreichen Todesfällen. Ernten wurden zerstört, viele Menschen mussten ihr Land verlassen und die Armut nahm weiter zu. In Bangladesch, Kiribati, Pakistan und Tuvalu trugen Klimawandel und Naturkatastrophen weiterhin zur Vertreibung indigener Völker bei und verschärften bestehende strukturelle Ungleichheiten. Die anhaltende Knappheit an lebenswichtigen Gütern in Nordkorea und die durch Sparpolitik verursachten Einschnitte im Sozialbereich in Sri Lanka machten deutlich, wie sehr wirtschaftspolitische Entscheidungen die ohnehin fragile Versorgungslage weiter verschärften.
Recht auf freie Meinungsäusserung
In der gesamten Region Asien-Pazifik setzten Regierungen auch 2025 restriktive Gesetze und Praktiken durch, die die Meinungsfreiheit einschränkten. Sie gingen mit Zensur, Überwachung und Repressalien gegen Menschenrechtler*innen, Journalist*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen vor. Mehrere Länder verabschiedeten Gesetze oder liessen bestehende Gesetze in Kraft, die ihnen weitreichende Kontrolle über Online‑Inhalte ermöglichten und dazu dienten, kritische Stimmen zu unterdrücken. Die Regierung von Fidschi wies Forderungen der Vereinten Nationen nach einer Reform restriktiver Gesetze zur öffentlichen Ordnung zurück. Das Cybersicherheitsgesetz von Myanmar stellte abweichende Meinungen durch vage Bestimmungen unter Strafe, und das Wahlgesetz sah für Gewalt im Zusammenhang mit Wahlen harte Strafen vor, darunter lebenslange Haft und sogar die Todesstrafe. In Nepal wurde ein Gesetzentwurf zu Sozialen Medien vorgelegt, der es der Exekutive ermöglichen soll, das Entfernen von Inhalten und den Zugriff auf Daten ohne gerichtliche Kontrolle anzuordnen. Ausserdem sollen dadurch vage formulierte Handlungen – wie die Verbreitung von «Falschinformationen» oder «Trolling» – unter Strafe gestellt werden. Die pakistanischen Behörden veranlassten Änderungen am Gesetz gegen Cyberkriminalität, die die Befugnisse zur Zensur und Kriminalisierung von Online-Inhalten ausweiteten. In Sri Lanka machten die Behörden auch weiterhin Gebrauch von einem drakonischen Antiterrorgesetz. In Indien wurde im Bundesstaat Maharashtra ein Sondergesetz über die öffentliche Sicherheit verabschiedet, das abweichende Meinungen kriminalisierte. Die Behörden in Malaysia wandten weiterhin weit gefasste Gesetze wie das Kommunikations- und Multimediagesetz an, um die Meinungsfreiheit einzuschränken. In der Mongolei schränkten Änderungen des Strafgesetzbuchs den zivilgesellschaftlichen Raum ein. Die kambodschanischen Behörden bestraften Kritiker*innen mit dem Entzug ihrer Staatsbürgerschaft. Auf den Malediven wurde ein Mediengesetz vorgeschlagen, das weitreichende Befugnisse zur Sanktionierung von Journalist*innen enthielt. In Vietnam wurde das Cybersicherheitsgesetz so geändert, dass die Polizei künftig IP‑Adressen von Nutzer*innen anfordern kann und Plattformen verpflichtet sind, Inhalte, die als rechtswidrig gelten, innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Parallel dazu wurde ein Entwurf für ein neues Pressegesetz vorgelegt, das Journalist*innen zur Offenlegung ihrer Quellen zwingen würde. Beides verschärfte die Gefahr von Datenschutzverstössen und Online‑Überwachung.
In vielen Ländern der Region Asien-Pazifik nahmen die Regierungen 2025 zunehmend digitale Räume ins Visier, um abweichende Meinungen zu unterdrücken. Die Behörden in Singapur nutzten das «Gesetz zum Schutz vor Online-Unwahrheiten und Manipulationen im Internet» , um Aktivist*innen, Medien und Oppositionelle zu verfolgen. Die Behörden in China und Hongkong erweiterten die nationalen Sicherheitsgesetze, um friedliche Aktivitäten noch stärker einzuschränken. In Hongkong weiteten die Gesetzgeber die nationalen Sicherheitsgesetze beispielsweise auf den Bildungsbereich aus und schränkten damit die akademische Freiheit ein. Zugleich bestätigten die Gerichte Gesetze, die Aufrufe zum Wahlboykott unter Strafe stellen. In Nepal sperrten die Behörden Telegram und 26 weitere Social-Media-Plattformen. In Pakistan wurden regierungskritische Youtube-Kanäle und Social-Media-Konten verboten. In Indien wiesen die Behörden X und Instagram an, Tausende Konten zu sperren, schränkten Satire ein und verboten in Jammu und Kaschmir 25 Bücher. Die Behörden in Nordkorea übten nahezu vollständige Kontrolle aus, indem sie Rundfunkübertragungen störten, Wohnungen durchsuchten und strenge Strafen, darunter auch die Todesstrafe, für die Verbreitung ausländischer Medieninhalte verhängten. Mehrere Personen wurden hingerichtet.
Menschen, die ihr Recht auf freie Meinungsäusserung wahrnahmen, mussten in vielen Ländern mit Repressalien rechnen. In Afghanistan nahmen die Taliban Journalist*innen fest und sorgten dafür, dass der Radiosender Radio Nasim den Betrieb einstellte. Sie verboten es Universitäten, Bücher von Frauen zu verwenden, zensierten Gedichte, in denen ihre Politik kritisiert wurde, und sperrten den Zugang zum Internet. In China wurde die Journalistin Zhang Zhan zu einer zweiten Haftstrafe verurteilt, und in Hongkong wurde der Demokratieaktivist Joshua Wong unter Berufung auf die nationalen Sicherheitsgesetze erneut unter Anklage gestellt.
In Indien wurden Journalist*innen immer stärker mit polizeilichen Massnahmen und Festnahmen drangsaliert. Der britisch-kaschmirischen Wissenschaftlerin Nitasha Kaul wurde die sogenannte indische Staatsbürgerschaft im Ausland (Overseas Citizenship of India – OCI), ein besonderer Aufenthaltstitel, entzogen.
In Kambodscha drohten Journalist*innen und Aktivist*innen Festnahmen und lange Haftstrafen. Malaysia arbeitete bei der Festnahme eines Schriftstellers mit den thailändischen Behörden zusammen. In der Mongolei führte die Polizei eine Razzia bei einer unabhängigen Medienplattform durch. In Thailand wurde ein Wissenschaftler wegen seiner Arbeit zu den Beziehungen zwischen Zivilgesellschaft und Militär angeklagt. In Vietnam wurde ein Landrechtsaktivist wegen «Opposition gegen die Regierung» zu 21 Jahren Haft verurteilt.
Die Regierungen müssen repressive Gesetze aufheben oder abändern, eine wirksame gerichtliche Kontrolle der Regulierung von Medieninhalten sicherstellen und Journalist*innen und Aktivist*innen vor Schikanen und Gewalt schützen.
Rechte auf Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit
Das Recht auf Versammlungsfreiheit war in der Region Asien-Pazifik auch 2025 stark eingeschränkt. Regierungen gingen mit Repressalien, Präventivhaft und strengen Gesetzen gegen kritische Stimmen vor. Das ganze Jahr über kam es zur gewaltsamen Niederschlagung von Protesten: In Afghanistan töteten die Taliban bei Protesten gegen die Zerstörung von Schlafmohnfeldern in Badachschan mindestens zehn Menschen, 40 weitere wurden verletzt. In Indonesien kam es bei landesweiten Demonstrationen zu Massenfestnahmen. Dabei wurden 4.000 Menschen inhaftiert, 900 tätlich angegriffen und mindestens zehn Personen getötet. In Nepal wurden bei den von Jugendlichen angeführten «Gen-Z-Protesten» gegen Korruption und ein Social-Media-Verbot 76 Menschen getötet, sowohl Protestierende als auch Angehörige der Polizei. Die pakistanischen Behörden setzten Internetsperren und tödliche Gewalt gegen Protestierende in Belutschistan und dem von Pakistan verwalteten Gebiet Asad Kaschmir ein. Die malaysischen Behörden gingen mit massiven Polizeieinsätzen und Festnahmen gegen Kritiker*innen vor. Auf den Philippinen wurden Hunderte meist junger Menschen bei Protesten gegen Korruption festgenommen. In Hongkong liessen die Behörden Versammlungen blockieren und Menschen schon bei dem Versuch festnehmen, an diesen teilzunehmen. Pride-Veranstaltungen wurden abgesagt. Die Pride-Parade in Ho-Chi-Minh-Stadt wurde zum ersten Mal seit 13 Jahren abgesagt; andere Pride-Veranstaltungen in Vietnam wurden infolge von Schikanen durch lokale Behörden zensiert oder ebenfalls abgesagt.
Inhaftierungen, die Verweigerung von Genehmigungen und die Einleitung rechtlicher Massnahmen waren in der gesamten Region Asien-Pazifik an der Tagesordnung. Die indischen Behörden nahmen infolge von Protestverboten Studierende der Jamia Millia Islamia University, Oppositionsführer*innen wie Rahul Gandhi und auch Beschäftigte in der Sanitär- und Müllverarbeitung fest. Auf den Malediven wurden Frauen festgenommen, die friedlich vor Botschaften demonstrierten. Gerichte in Südkorea verhängten Strafen gegen Personen, die sich auf friedlichen Demonstrationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen eingesetzt hatten. Die Behörden in Singapur und Indien beriefen sich weiterhin auf restriktive Gesetze, um Versammlungen für rechtswidrig zu erklären.
Durch restriktive Rahmenbedingungen wurde die Kontrolle über das Versammlungs- und Vereinigungsrecht verschärft. Die Behörden in Taiwan verhängten für «sensible Zonen» willkürliche Einschränkungen. In Hongkong wurden neue «verbotene” Zonen eingerichtet, in denen nicht nur Proteste, sondern jede Art der unbefugten Anwesenheit eingeschränkt wurde. Trotz vorgeschlagener Reformen des «Gesetzes über friedliche Versammlungen» kam es in Malaysia weiterhin zu massiven Polizeieinsätzen, Schikanen, Festnahmen und Ermittlungen. In Südkorea hingegen wurden Versammlungsauflagen von Gerichten gelockert.
Die Kontrolle über zivilgesellschaftliche und politische Organisationen wurde verschärft. Sri Lanka schrieb weiterhin die Registrierung von Nichtregierungsorganisationen beim Verteidigungsministerium vor und verstärkte damit die Kontrolle über die Zivilgesellschaft. In Bangladesch wurde die Awami-Liga unter Berufung auf Antiterrorgesetze verboten, wodurch die Rechte auf politische Vereinigung und politische Teilhabe erheblich beeinträchtigt wurden.
Die Regierungen müssen Unterdrückung beenden und all jene freilassen, die allein wegen der Wahrnehmung ihres Rechts auf friedliche Versammlung inhaftiert sind. Sie müssen restriktive und repressive Gesetze aufheben bzw. überarbeiten und im Einklang mit den internationalen Standards sichere und frei zugängliche Orte für Proteste gewährleisten.
Diskriminierung
Auch 2025 herrschten in der Region Asien-Pazifik vielfältige Formen der Diskriminierung, etwa aufgrund von Religion, ethnischer Zugehörigkeit, sozialer Herkunft oder Behinderung. Diskriminierungsmuster wurden häufig durch staatliche Politik, systemische Ungleichheiten oder Feindseligkeiten aus der Mehrheitsgesellschaft weiter verstärkt.
Diskriminierung aufgrund der Religionszugehörigkeit war nach wie vor weit verbreitet und wurde häufig von den Regierungen angefacht. In Afghanistan gingen die Taliban-Behörden gezielt gegen schiitische Minderheiten vor, zwangen Ismaelit*innen, zum sunnitischen Islam überzutreten, schränkten Rituale der schiitischen Hazara ein und gingen bei der Verteilung humanitärer Hilfsgüter diskriminierend vor. Ausserdem wurden Hazara-Familien vertrieben und waren im Erwerbsleben Diskriminierung ausgesetzt. In Pakistan gingen private und staatliche Akteure immer häufiger mit Gewalt oder Einschränkungen gegen Angehörige der religiösen Minderheit der Ahmadiyya vor, und der 2023 erfolgte Angriff von Privatpersonen auf Christ*innen blieb weiterhin ungestraft. In Indien waren interreligiöse Ehen aufgrund diskriminierender Gesetze strafbar, und es wurden Hassverbrechen privater und staatlicher Akteure gegen Muslim*innen und Menschen aus Kaschmir dokumentiert. In Indonesien herrschte auch weiterhin Intoleranz gegenüber den religiösen Minderheiten der Ahmadiyya und der Christ*innen; es kam zu Einschränkungen der Religionsausübung und Angriffen auf Gebetshäuser. Die chinesische Regierung verhängte Einschränkungen über den tibetischen Buddhismus und nahm Vertreter*innen der christlichen Kirche fest. Auf Fidschi wurden Hindu-Tempel verwüstet.
In mehreren Ländern der Region Asien-Pazifik wurden Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit diskriminiert. In Japan war der Wahlkampf von rassistischer Rhetorik durchzogen. In Südkorea kam es zu Kundgebungen gegen China. In Myanmar zwang die bewaffnete Oppositionsgruppe Arakan Army im Norden des Bundesstaats Rakhine vertriebene Rohingya zur Arbeit und misshandelte Berichten zufolge alle, die sich weigerten.
Indigene Gemeinschaften wurden massiv und systemisch diskriminiert. In China waren Uigur*innen und Tibeter*innen nach wie vor systematischer Diskriminierung ausgesetzt, u. a. durch die Einschränkung der Auslebung ihrer Kultur, Sprache und Religion. In Australien sahen sich Aborigines und Bewohner*innen der Torres-Strait-Inseln mit zunehmender sozialer Ungleichheit und einer hohen Inhaftierungsrate konfrontiert; sie machten zudem eine unverhältnismässig hohe Zahl der Todesfälle in Gewahrsam aus. In Indien wurden Umweltschutzmassnahmen gelockert, was für indigene Gemeinschaften das Risiko von Vertreibung erhöhte. In Indonesien wurden indigene Gebiete durch Grossprojekte und Nickelabbau zerstört, woraufhin es zu Protesten und zur Kriminalisierung von Aktivist*innen kam. Der UN-Ausschuss zur Beseitigung rassistischer Diskriminierung (CERD) warnte die japanische Regierung vor den Folgen des Baus einer US-Militärbasis in Okinawa. Sprecher*innen indigener Völker protestierten gegen die japanische Finanzierung von Projekten im Ausland, die mit Menschenrechtsverstössen einhergingen. Die malaysische Regierung erwog mögliche Gesetzesänderungen zur Stärkung der Rechte der Orang Asli. In Nepal kam es zu gewalttätigen Zusammenstössen wegen eines Entwicklungsprojekts auf angestammtem indigenen Land, das von mangelnder Transparenz geprägt war. Die Behörden in Bangladesch hielten 2025 noch immer knapp zwei Drittel der 100 Angehörigen der indigenen Bawm fest, die 2024 festgenommen worden waren. Es gab Berichte über Todesfälle in Gewahrsam. Das neuseeländische Parlament verabschiedete Gesetze, die die Gewohnheitsrechte der Māori untergraben. In Taiwan erhielten indigene Pingpu einen begrenzten Schutz ihrer kulturellen Rechte, doch ihre rechtliche Anerkennung blieb unzureichend. Auch ihre systemische Diskriminierung im Bildungswesen blieb bestehen. Thailand trieb Projekte voran, die die Lebensgrundlage der indigenen Völker gefährdeten, und verabschiedete ein Gesetz, in dem der Status der indigenen Völker nicht anerkannt wurde.
Angehörige von Gemeinschaften, die ohnehin bereits an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden waren, wurden nach wie vor aufgrund ihrer sozialen Herkunft diskriminiert. In Indien gerieten die Pläne für einen Kasten-Zensus ins Stocken, sodass strukturelle Ungleichheiten auch weiterhin nicht angegangen wurden. In Nepal waren Dalit-Gemeinschaften nach wie vor tief verwurzelter sozialer Ausgrenzung und Hürden beim Zugang zur Justiz ausgesetzt. In Pakistan sorgte die Diskriminierung aufgrund der Kasten- und Religionszugehörigkeit weiterhin dafür, dass Menschen, die in der Sanitär- und Müllverarbeitung arbeiteten und bei denen es sich zumeist um christliche Dalits handelte, ohne rechtlichen Schutz gefährlichen und unsicheren Tätigkeiten nachgehen mussten.
Diskriminierung aufgrund von Behinderung war nach wie vor allgegenwärtig. In Nordkorea wurden Menschen mit Behinderungen systematisch von Bildung, Gesundheitsversorgung und Beschäftigung ausgeschlossen, und es gab Berichte über Zwangseinweisungen in Anstalten. In Taiwan gab es nach wie vor kein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz, sodass Schutzmassnahmen lückenhaft und unzulänglich blieben. In Japan stellte ein Gesetz zur Entschädigung der Betroffenen von Zwangssterilisation zwar einen Fortschritt dar, doch behinderten systemische Barrieren und mangelndes Bewusstsein weiterhin den Zugang zur Justiz.
Die Regierungen müssen indigene Territorien schützen, diskriminierende Äusserungen unterlassen, gegen stereotype Darstellungen vorgehen und wirksame Gesetze gegen Diskriminierung verabschieden und durchsetzen. Auch müssen sie sicherstellen, dass alle Menschen gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Beschäftigung und Justizsystemen haben.
Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte
Die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte standen in der Region Asien-Pazifik angesichts von Wirtschaftskrisen, Extremwetterereignissen und diskriminierender Politik auch 2025 unter starkem Druck. Vielerorts herrschte akute Nahrungsmittelunsicherheit. In Afghanistan waren 22,9 Mio. Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, die nach wie vor stark unterfinanziert war. Die Menschen litten unter den Folgen von Erdbeben, und Millionen Menschen waren 2025 aus Iran und Pakistan nach Afghanistan abgeschoben worden. 90 Prozent der Kinder lebten in Ernährungsarmut und vier Millionen Kinder, Schwangere und Stillende waren unterernährt. In Nordkorea litten die Menschen trotz günstiger Wetterbedingungen für die Landwirtschaft unter chronischem Nahrungsmittelmangel, da Düngemittelknappheit und klimawandelbedingte Extremwetterereignisse die Erträge beeinträchtigten. Unzulänglichkeiten bei der staatlichen Ressourcenverteilung sorgten für eine weitere Verschärfung der Notlage auf dem Land. In Pakistan lebten 44,7 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Sparauflagen des IWF führten zu Kürzungen der Sozialausgaben, und Überschwemmungen, die durch den menschengemachten Klimawandel begünstigt wurden, zerstörten grosse Teile der Ernten. Trotz staatlicher Unterstützungsprogramme konnte Sri Lanka seine Armutsquote nach der schweren Wirtschafts‑ und Versorgungskrise von 2019 nicht wieder auf das frühere Niveau senken.
Die Gesundheitssysteme blieben fragil. In Afghanistan war der Zugang zur Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten eingeschränkt. Die geschlechterdiskriminierende Politik der Taliban hatte zur Folge, dass Frauen und Mädchen, die bei Erdbeben verschüttet oder verletzt wurden, nicht sofort gerettet und versorgt wurden. In Nordkorea waren die Krankenhäuser massiv unterfinanziert, und es fehlte an den wichtigsten Medikamenten und an grundlegender Ausstattung. UNICEF impfte zwei Millionen Kinder, allerdings war die Möglichkeit zur Gesundheitsbeobachtung in Nordkorea nach wie vor stark eingeschränkt.
In Afghanistan wurde das Recht auf Bildung dadurch ausgehöhlt, dass Verbote der Taliban 78 Prozent der Mädchen und Frauen von Schulbesuch und Beschäftigung ausschlossen. Nordkoreanische Schulen verfügten weder über Heizsysteme noch über Lehrbücher, in Myanmar kam es nach dem Einfrieren von Hilfsleistungen zu erheblichen Beeinträchtigungen für Lernende, und in Tibet gefährdete Chinas Politik der zweisprachigen Bildung die Sprachenrechte von Minderheiten, da damit Tibetisch als Unterrichtssprache zurückgedrängt und durch Mandarin ersetzt wird.
Die Unsicherheit in Bezug auf Wohnraum und Grundrechte hielt an. Die Behörden in Kambodscha stoppten nach einer weltweiten Welle der Empörung die Zwangsräumungen im UNESCO-Weltkulturerbe Angkor, boten den bereits vertriebenen Familien jedoch keine Abhilfe an. In der Mongolei verfügten Menschen in ländlichen wie städtischen Gemeinden, in denen Entwicklungsprojekte umgesetzt werden sollten, über keine wirksamen Mechanismen, um sich gegen ihre unzulängliche Einbeziehung sowie die Unterbewertung ihrer Immobilien und anderer Vermögenswerte zu wehren. Im indischen Assam wurden Tausende durch Zwangsräumungen vertrieben. Betroffen waren etwa 3.800 Haushalte, vornehmlich Muslim*innen.
Auch Verstösse gegen Arbeitsrechte waren nach wie vor weit verbreitet und betrafen unverhältnismässig stark ausgegrenzte und diskriminierte Gemeinschaften. In Pakistan waren Menschen, die in der Sanitär- und Müllverarbeitung arbeiteten und meist aus den unteren Kasten stammten, systemischer Diskriminierung ausgesetzt. In Sri Lanka lebten Angehörige der tamilischen Gemeinschaft der Malaiyaha weiterhin am Rand der Gesellschaft, und im Textilsektor war mit Repressalien gegen Gewerkschaftsangehörige und geschlechtsspezifischer Gewalt zu rechnen. In Bangladesch kam es zu Unruhen in der Textilindustrie und zur Festnahme von Gewerkschaftssprecher*innen. Arbeiter*innen auf den Philippinen waren nur ungenügend vor Naturkatastrophen geschützt. In Hongkong wurde ausländischen Hausangestellten kein gesetzlicher Schutz gewährt.
Die Regierungen müssen die Rechte auf Nahrung, Gesundheitsfürsorge, Wohnraum und Bildung für alle Menschen gewährleisten. Sie müssen Arbeitsrechte achten, rechtswidrigen Zwangsräumungen ein Ende setzen, Armut bekämpfen, den Sozialschutz verbessern, Arbeitnehmer*innen schützen und den gleichberechtigten und diskriminierungsfreien Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen sicherstellen.
Willkürliche Festnahmen, Folter, Verschwindenlassen und Todesfälle in Gewahrsam
In vielen Ländern der Region Asien-Pazifik setzten die Behörden auch 2025 Sicherheitsgesetze und diskriminierende Massnahmen ein, um abweichende Meinungen zu unterdrücken. Dabei gingen sie unverhältnismässig stark gegen Aktivist*innen, Angehörige von Minderheiten und Oppositionelle vor. Willkürliche Festnahmen und Inhaftierungen waren an der Tagesordnung. In Afghanistan nahmen die Taliban Menschen wegen geringfügiger Vergehen fest, etwa wegen ihrer Frisuren oder weil sie Musik hörten. Mithilfe ihrer «Sittenpolizei» setzten sie strenge Verordnungen durch und gingen weiterhin mit willkürlicher Inhaftierung, Verschwindenlassen und Folter gegen ehemalige Staatsbedienstete, Journalist*innen, Menschenrechtler*innen und kritische Stimmen vor. Es wurden mehr als 100 Fälle aussergerichtlicher Tötungen dokumentiert. In Myanmar wurden infolge des 2021 erfolgten Militärputsches auch im Jahr 2025 Personen systematisch inhaftiert, und es kam zu Todesfällen in Gewahrsam, weil Verletzungen, die Gefangenen während Verhören zugefügt worden waren, nicht behandelt wurden. In Nordkorea blieben willkürliche Inhaftierungen ein zentrales Kontrollinstrument der Regierung, um Personen, denen politische Vergehen vorgeworfen wurden, ohne faire Gerichtsverfahren ins Visier zu nehmen. Die nationalen Sicherheitsgesetze in Hongkong und Macau wurden umfassend genutzt, um politische Meinungsäusserungen zu unterdrücken und Aktivist*innen festzunehmen.
In Pakistan ermöglichten Änderungen der Antiterrorgesetze eine dreimonatige Inhaftierung ohne Anklage. Journalist*innen und belutschische Aktivist*innen wurden festgenommen. In Indien wurden Antiterrorgesetze auch weiterhin dazu missbraucht, Menschenrechtsverteidiger*innen und muslimische Aktivist*innen zu inhaftieren und sie über lange Zeit in Untersuchungshaft zu halten.
Trotz Verbot kam es auch 2025 weiterhin zu Folter und anderen Misshandlungen. In Afghanistan wurden Häftlinge mit Elektroschocks, Waterboarding (simuliertem Ertrinken), dem Ziehen von Zähnen und Nägeln sowie sexualisierter Gewalt gefoltert. Die Behörden in Myanmar setzten auf Schläge, Elektroschocks, sexualisierte Gewalt und das Herausreissen von Fingernägeln. In Nordkorea wurden Schläge, Schlafentzug und Zwangsarbeit eingesetzt, um «Geständnisse» zu erzwingen. In den Lagern für politische Gefangene waren harte Strafen und eine schlechte Essensversorgung an der Tagesordnung. In Vietnam wurden Aktivist*innen in Isolationshaft gehalten, gefesselt und nicht angemessen medizinisch versorgt, was zu verdächtigen Todesfällen in Gewahrsam führte. In Indien starb ein 25-Jähriger in Jammu und Kaschmir durch Polizeifolter. In Sri Lanka gab es mindestens 13 dokumentierte Todesfälle in Gewahrsam, ausserdem zahlreiche Foltervorwürfe. Gerichte in Thailand verhängten nach der Tötung eines Wehrdienstleistenden, der 2024 bei «Disziplinierungsmassnahmen» schwer misshandelt worden war, erste Schuldsprüche unter dem Gesetz gegen Folter. Dies war ein seltener Schritt in Richtung Rechenschaftspflicht.
Die Praxis des Verschwindenlassens wurde weiterhin als Instrument der Unterdrückung eingesetzt. In Nordkorea wurden Familien Informationen über Inhaftierte vorenthalten, was dem Verschwindenlassen gleichkam. In China unterwarfen die Behörden insbesondere Menschenrechtler*innen und Rechtsbeistände der «Überwachung des Aufenthalts an einem festgelegten Ort» . Diese Form der geheimen Inhaftierung erfüllt den Tatbestand des Verschwindenlassens. Ein Gericht in Malaysia bestätigte die Beteiligung der Behörden an vergangenen Fällen des Verschwindenlassens. In Myanmar wurden Muster des Verschwindenlassens sowie Todesfälle infolge von Folter dokumentiert. In Pakistan wurden Anfang des Jahres 125 neue Fälle des Verschwindenlassens erfasst. Die von der Regierung in Bangladesch eingerichtete Untersuchungskommission für Fälle des Verschwindenlassens gab an, dass für den Zeitraum 2009–2014 insgesamt 1.772 Beschwerden registriert wurden, von denen 67 Prozent mit staatlichen Behörden in Verbindung gebracht wurden. Diese Praktiken zementierten sowohl die Straflosigkeit als auch die Diskriminierung schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen.
Die Regierungen müssen willkürlichen Festnahmen sowie Folter und Verschwindenlassen ein Ende setzen und die Rechte von inhaftierten Personen schützen. Sie müssen dafür sorgen, dass Schutzmassnahmen gegen Menschenrechtsverstösse bestehen und dass die für Verstösse Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Menschenhandel sowie Rechte von Flüchtlingen und Migrant*innen
In zahlreichen Ländern der Region Asien-Pazifik verschärften die Regierungen 2025 ihre restriktive Migrationspolitik. Dadurch wurden der Schutz von Geflüchteten und die Rechte von Migrant*innen weiter untergraben und schutzbedürftige Gruppen Diskriminierung und weiteren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Trotz internationaler Verpflichtungen kam es weiterhin zu Massenabschiebungen und Zurückweisungen (Refoulement). Pakistan verschärfte seinen «Plan zur Rückführung illegaler Ausländer» und schob 995.700 Afghan*innen ab. Iran schob 1,8 Mio. Afghan*innen ab. Auch die Türkei, Tadschikistan und Deutschland schoben ungeachtet der Menschenrechtsverletzungen durch die Taliban Menschen nach Afghanistan ab. Frauen und Mädchen drohten bei ihrer Rückkehr nach Afghanistan systemische Rechtsverletzungen, Andersdenkende riskierten Festnahme und Folter. Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch mussten befürchten, nach Myanmar verschleppt und dort zwangsrekrutiert zu werden. In Indien verschlimmerte sich die feindselige Stimmung, als die Behörden Rohingya-Flüchtlinge – zusammen mit 300 Muslim*innen, die als ausländische Staatsangehörige eingestuft wurden – nach Bangladesch abschoben. Neue Gesetze stuften Asylsuchende als Migrant*innen ohne regulären Aufenhaltsstatus ein und untergruben so den Grundsatz der Nicht-Zurückweisung (Non-Refoulement-Prinzip). Die malaysischen Behörden nahmen Rohingya-Flüchtlinge fest und schickten andere in den Booten zurück, mit denen sie gekommen waren. Unterdessen startete Japan seinen sogenannten «Null-Plan» , um die Zahl der nach Überschreitung der erlaubten Aufenthaltsdauer im Land verbleibenden ausländischen Staatsangehörigen durch beschleunigte Abschiebungen zu halbieren. Kritiker*innen befürchteten eine Gefährdung von Asylsuchenden. Die thailändische Regierung schob 40 Uigur*innen nach China ab, obwohl ihnen dort Folter drohte.
In vielen Ländern liefen Geflüchtete und Migrant*innen Gefahr, willkürlich und auf unbegrenzte Zeit inhaftiert zu werden. Die malaysischen Behörden hielten mehr als 20.000 Menschen in Einwanderungszentren fest, darunter mindestens 2.000 Kinder. Die australische Regierung hielt an der Abwicklung von Asylverfahren in Einrichtungen vor der australischen Küste fest. Auch nach elf Jahren warteten auf Nauru noch 90 und in Papua-Neuguinea noch mehr als 30 Menschen auf die Bearbeitung ihrer Asylverfahren. Zugleich wurden den Asylsuchenden durch neue Gesetze ihre Verfahrensrechte entzogen. In Sri Lanka wurden 116 Rohingya-Flüchtlinge, darunter auch Kinder, in Militäreinrichtungen festgehalten, ohne dass das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) Zugang zu ihnen hatte. In Japan und Taiwan erlaubten die Regierungen weiterhin die unbefristete Inhaftierung von Migrant*innen unter undurchsichtigen Systemen, die wegen schlechter Bedingungen und fehlender rechtlicher Garantien kritisiert wurden. Die Bedingungen in Bangladesch verschlechterten sich 2025 dramatisch. Das Flüchtlingslager in Cox's Bazar – das grösste Flüchtlingslager der Welt, in dem über eine Million Rohingya untergebracht waren – sah sich mit drastischen Kürzungen der Hilfsleistungen und 150.000 Neuankömmlingen konfrontiert. Trotz der Dringlichkeitsappelle durch die Vereinten Nationen drohte angesichts begrenzter Zusagen von Geberländern der Zusammenbruch der Grundversorgung.
Menschenhandel und Zwangsarbeit nahmen 2025 in den Ländern der Region Asien-Pazifik stark zu. In Kambodscha gab es mehr als 50 Scam-Fabriken, in die ausländische Staatsangehörige verschleppt wurden, um Online-Betrügereien zu begehen. Dem Vorgehen gegen diese Einrichtungen fehlte es an Transparenz. Myanmar war nach wie vor ein Brennpunkt des Menschenhandels. In den dortigen Scam-Fabriken wurden 100.000 Menschen festgehalten, und bewaffnete Gruppen setzten Zwangsarbeit und Zwangsrekrutierung ein. Zwar wurden einige Verantwortliche bestraft, doch die Missstände hielten an.
Regierungen müssen willkürlichen Inhaftierungen und Menschenhandel ein Ende setzen und dürfen sich nicht der Zurückweisung (Refoulement) schuldig machen. Sie müssen sichere Asylverfahren gewährleisten, rechtswidrig festgehaltene Personen freilassen und den Schutz und die Würde von Flüchtlingen und Migrant*innen in Übereinstimmung mit internationalen Menschenrechtsnormen garantieren.
Recht auf eine gesunde Umwelt
Soziale Ungleichheiten wurden durch den Klimawandel verstärkt. In Bangladesch verschärften Extremwetterereignisse die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der Kastenzugehörigkeit. Ganz besonders betroffen waren Menschen, die in der Sanitär- und Müllverarbeitung arbeiteten. Der Anstieg des Meeresspiegels führte in Tuvalu und Kiribati zu weiteren Vertreibungen und gefährdete die Rechte auf Wohnraum, Gesundheit und kulturelle Identität. In Pakistan forderten katastrophale Überschwemmungen mehr als 1.000 Todesopfer und führten zur Vertreibung von Millionen Menschen, während es zu Hitzewellen mit Temperaturen von bis zu 49 °C kam; dabei wurden Lücken in der Katastrophenhilfe deutlich. Auch Menschen in Indien, Indonesien, Nepal und Sri Lanka waren aufgrund von Wirbelstürmen mit tödlichen Überschwemmungen und Erdrutschen konfrontiert. Unverhältnismässig stark betroffen waren ländliche Gemeinden mit begrenztem Zugang zu Hilfsgütern. Die Reaktionen der Regierungen liessen allgemein Zweifel an der angemessenen Vorbereitung auf klimabedingte Katastrophen aufkommen. Nach offiziellen Angaben war die indische Hauptstadt Neu-Delhi im Oktober und November 2025 die am stärksten verschmutzte Stadt der Welt.
Die Umsetzung sowohl von Massnahmen zur vermehrten Förderung fossiler Brennstoffe als auch von Projekten zur Energiewende verstiess weiterhin gegen die Rechte indigener Gemeinschaften. Die indonesischen Behörden nahmen 27 indigene Aktivist*innen fest, die unter Verweis auf die Risiken für ihr angestammtes Land gegen den Nickelabbau in Ost-Halmahera protestierten. Die japanische Regierung förderte Flüssiggasprojekte in Übersee, unter anderem in den USA und Kanada. Sie wurde dafür kritisiert, mit Projekten in Nordamerika der Gwich'in Nation und der Wet'suwet'en Nation zu schaden. In Australien wurde eine Klimaklage der Bewohner*innen der Torres-Strait-Inseln abgewiesen, was einen Rückschlag darstellte für die Bemühungen um Gerechtigkeit für Gemeinschaften, die existenziellen Bedrohungen ausgesetzt sind.
Die Länder der Region Asien-Pazifik waren besonders stark von den Folgen des Klimawandels bedroht, umso mehr da es in diesem Bereich oft an wirkungsvollen Menschenrechtsgarantien fehlte. Die Malediven brachten zwar einen ehrgeizigen Klimaplan auf den Weg, sahen jedoch keine soliden Massnahmen zum Schutz der Menschenrechte vor. Ausserdem wurden dort Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit dem Klimawandel unterbunden, wodurch kulturelle Rechte und die Rechte auf die Sicherung der eigenen Lebensgrundlage untergraben wurden. In Malaysia verschob das Parlament die Vorlage eines Klimaschutzgesetzes, um Konsultationen mit der Industrie Vorrang einzuräumen. Die südkoreanische Regierung hielt an ihren unzureichenden Emissionszielen fest, ohne eine Vorstellung von einem gerechten Übergang zu vermitteln. In China wurde die strenge Beschränkung der öffentlichen Beteiligung an umweltpolitischen Entscheidungen beibehalten und die Rechenschaftspflicht damit eingeschränkt.
Die Klimaungerechtigkeit wurde vielerorts durch diskriminierende Massnahmen im Bereich der Migrationspolitik verschärft. Die neuseeländische Regierung stellte keine angemessenen Migrationswege für Menschen im Pazifikraum bereit, die durch den Klimawandel vertrieben wurden. Dadurch wurden soziale Ungleichheiten verstärkt, Familien getrennt, Kinderrechte verletzt und Migrant*innen noch stärker gefährdet.
Die Regierungen müssen Klimagerechtigkeit gewährleisten, den Ausbau der Förderung fossiler Brennstoffe beenden, indigene Völker und ausgegrenzte Gemeinschaften schützen, eine auf Rechten basierende Klimapolitik sicherstellen und sichere Migrationswege für Menschen garantieren, die durch die Auswirkungen des Klimawandels vertrieben werden.
Todesstrafe
Die Todesstrafe wurde in den meisten Ländern der Region Asien-Pazifik auch 2025 weiter angewandt und kam häufig unter Verstoss gegen internationale Menschenrechtsnormen und -standards zum Einsatz.
Japan und Taiwan führten 2025 wieder Hinrichtungen durch, nachdem sie zuvor ausgesetzt worden waren. In Japan wurde die Hinrichtung von Takahiro Shiraishi – die erste seit drei Jahren – wegen ihrer Geheimhaltung verurteilt, da die Bemühungen zur Abschaffung der Todesstrafe dadurch unterlaufen wurden. Im Januar 2025 wurde in Taiwan Huang Lin-kai im hingerichtet, obwohl noch Rechtsmittel anhängig waren und Bedenken hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustands des Verurteilten bestanden. Es handelte sich um die erste Hinrichtung seit 2020.
In Afghanistan führten die Taliban öffentliche Hinrichtungen durch. In Nordkorea liess die Regierung Berichten zufolge weiterhin Todesurteile für Handlungen vollstrecken, die international nicht als Straftaten anerkannt waren, wie z. B. die Weitergabe von Inhalten ausländischer Medien, sowie für Straftaten, die weit unter der Schwelle der «schwersten Verbrechen» liegen, wie sie im Völkerrecht und in internationalen Standards für die Anwendung der Todesstrafe festgelegt sind. Zur Abschreckung wurden öffentliche Hinrichtungen eingesetzt.
Die chinesischen Behörden verhängten weiterhin Todesurteile gegen Personen, die wegen Bestechung, Betrug und Menschenhandel angeklagt waren; mindestens ein Fall von Massenverurteilungen warf Bedenken wegen möglicher Verletzung des Rechts auf ein faires Gerichtsverfahren auf. In Bangladesch wurden u. a. die ehemalige Premierministerin Sheikh Hasina und andere Regierungsvertreter*innen nach der Niederschlagung der Proteste im Jahr 2024 von einem Sondergericht in Abwesenheit zum Tod durch den Strang verurteilt. Die Regierung der Malediven erweiterte den Anwendungsbereich der Todesstrafe auf Drogendelikte, schaffte die Möglichkeit der Umwandlung der Strafe durch Begnadigung ab und verbot strafmildernde Vereinbarungen in diesen Fällen.
In Singapur wurden weiterhin Hinrichtungen für Drogendelikte vollstreckt. So wurde der malaysische Staatsbürger Pannir Selvam trotz internationaler Proteste hingerichtet. In Vietnam gab es positive Reformen, da die Todesstrafe für acht Straftaten, darunter Drogenschmuggel, abgeschafft wurde. Die mangelnde Rechtssicherheit in Fällen, in denen ein Todesurteil verhängt werden kann, und die Geheimhaltung im Zusammenhang mit der Anwendung der Todesstrafe gaben jedoch weiterhin Anlass zur Sorge. In Malaysia kündigte die Regierung nach der Abschaffung der obligatorischen Todesstrafe im Jahr 2023 eine Studie über die Todesstrafe und ihre Abschaffung an.
Insgesamt zeigten sich sehr unterschiedliche Entwicklungen: Während in einigen Staaten schrittweise Reformen stattfanden, bestanden in anderen fest verankerte Praktiken, die sich durch Geheimhaltung, Diskriminierung und politische Instrumentalisierung auszeichneten.
Regierungen, die noch an der Todesstrafe festhalten, müssen dringend Schritte zu deren vollständiger Abschaffung einleiten und in der Zwischenzeit ein offizielles Hinrichtungsmoratorium verhängen.
Straflosigkeit und Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung
Anhaltende systemische Defizite in den Justiz- und Aufsichtsstrukturen standen auch 2025 der Durchsetzung von Gerechtigkeit für die Betroffenen schwerer Menschenrechtsverletzungen im Wege. In Afghanistan zerstörten die Taliban das Justizsystem und setzten diskriminierende Scharia-Gesetze durch, wodurch faire Gerichtsverfahren nahezu unmöglich wurden. Kontrollgremien wie die afghanische Menschenrechtskommission existierten nicht mehr. In Nepal kritisierten Betroffene die Besetzung der Übergangsjustizausschüsse als undurchsichtig und politisch beeinflusst und boykottierten den Prozess. Auch in Sri Lanka gab es nach wie vor Hindernisse auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit. So wurde eine mangelnde Unabhängigkeit des Generalstaatsanwalts beklagt, und die Exhumierungsverfahren für Massengräber und deren Untersuchung blieben trotz neuer Entdeckungen unzureichend. Die Staatsanwaltschaft in Bangladesch erhob erstmals Anklage gegen Militärangehörige wegen Fällen des Verschwindenlassens. Allerdings gab es weiterhin Bedenken wegen fehlender Rechtsstaatsgarantien, u. a. im Prozess gegen Sheikh Hasina, der mit einem Todesurteil endete.
In einigen Fällen machten internationale Bemühungen um Rechenschaftspflicht gewisse Fortschritte. Der IStGH erliess Haftbefehle gegen zwei führende Vertreter der Taliban wegen geschlechtsspezifischer Verfolgung. Die Vereinten Nationen richteten einen Untersuchungsmechanismus für Afghanistan ein. Der ehemalige philippinische Präsident Rodrigo Duterte wurde in einem historischen Schritt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit festgenommen und an den IStGH überstellt.
Wahrheitsfindung und Wiedergutmachung blieben unzureichend. Sri Lanka kündigte eine Wahrheits- und Versöhnungskommission an und baute das Büro für vermisste Personen aus. Es gab jedoch nur wenige Fortschritte. Unterdessen kam es auf den Philippinen zu Tötungen im Zusammenhang mit Drogen und zu Schikanen gegen Aktivist*innen, während in Sri Lanka tamilische Gemeinschaften überwacht wurden, ohne dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden.
Die Regierungen müssen stärker gegen Straflosigkeit vorgehen, indem sie völkerrechtliche Verbrechen und andere schwere Menschenrechtsverletzungen umgehend, gründlich, unabhängig und unparteiisch untersuchen, die mutmasslich Verantwortlichen in fairen Verfahren vor Gericht stellen und einen wirksamen Rechtsbehelf für die Betroffenen gewährleisten.
Rechte von Frauen und Mädchen
In zahlreichen Ländern der Region Asien-Pazifik gab es 2025 Rückschläge bei der Geschlechtergerechtigkeit und den sexuellen und reproduktiven Rechten. In Afghanistan verboten die Taliban Frauen den Zugang zu Bildung und Beschäftigung und sprachen ihnen das Recht auf Freizügigkeit ab. Sie setzten Regeln durch, denen zufolge Frauen nur mit männlicher Begleitung (Mahram) unterwegs sein durften, und leisteten geschlechtsspezifischer Gewalt und Kinderheirat Vorschub. In Bangladesch gab es Massenproteste gegen geplante Reformen, die gleiche Erbschaftsrechte für Frauen und Männer vorsahen und Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe stellen sollten. In Fidschi, Nepal und Pakistan stieg Gewalt gegen Frauen Berichten zufolge stark an. In Nepal und Pakistan wurden Betroffene, die Täter wegen geschlechtsspezifischer Gewalt anklagten, gezwungen, sich mit dem Beklagten zu einigen. In Nepal hatten schädliche Praktiken wie Chhaupadi – ein Brauch, der menstruierende Frauen als «unrein» brandmarkt und sie aus dem Haus in isolierte Hütten verbannt – weiterhin Bestand. In Südkorea kam es trotz rechtlicher Reformen nach wie vor zu technologiegestützter geschlechtsspezifischer Gewalt wie Online-Belästigung, der nicht einvernehmlichen Weitergabe intimer Bilder, und der Verbreitung gefälschter sexueller Inhalte (Deepfakes). Auf institutioneller Ebene gab es unterschiedliche Fortschritte: Die Regierung in Sri Lanka kündigte die Einrichtung einer Frauenkommission an, während die Reform über Schwangerschaftsabbrüche in Südkorea ins Stocken geriet.
Rechte von LGBTQIA+
In der Region Asien-Pazifik waren die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans und intergeschlechtlichen Menschen (LGBTI+) weiterhin eingeschränkt: Japanische Gerichte haben die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen zwar vorangebracht, aber nicht einheitlich und nicht überall im Land. In Pakistan wurden trans Personen getötet. In Vietnam musste die Pride-Parade wegen Druck durch die Behörden abgesagt werden, in Festlandchina wurde die Zensur von Inhalten im Zusammenhang mit LGBTI+ verschärft, und in Hongkong wurde ein Partnerschaftsgesetz, das gleichgeschlechtlichen Paaren eine gewisse rechtliche Anerkennung und Schutz geboten hätte, vom Parlament nicht verabschiedet.
Die Regierungen müssen jeglicher Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Geschlechtsidentität oder des Geschlechtsausdrucks ein Ende bereiten, wirksame Schutzmassnahmen durchsetzen und die substanzielle Gleichberechtigung in Recht, Politik und Alltag gewährleisten.
Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht
Zivilpersonen in der Region Asien‑Pazifik waren 2025 häufig einem hohen Risiko rechtswidriger Angriffe ausgesetzt. In Afghanistan wurden Zivilpersonen durch Selbstmordattentate, Sprengstoffanschläge bewaffneter Gruppen und grenzüberschreitenden Beschuss aus Pakistan verletzt und getötet. In Myanmar nahmen Luftangriffe auf Schulen und Dörfer zu. Bei Angriffen mit bemannten motorisierten Gleitschirmen («Paramotoren» ) kamen Dutzende Menschen ums Leben, darunter auch Kinder. Hilfslieferungen in Gebiete, in denen Widerstandsgruppen aktiv waren, wurden blockiert. Im Konflikt zwischen Kambodscha und Thailand wurden bei bewaffneten Auseinandersetzungen an der Grenze Krankenhäuser, Häuser und Pagoden beschädigt. Beide Seiten meldeten wahllose Angriffe. Vertreibung und humanitäre Krisen verschärften sich, da die Spannungen durch Fehlinformationen geschürt wurden und häufig gegen Waffenstillstandsvereinbarungen verstossen wurde.
Die Regierungen müssen rechtswidrige Angriffe stoppen, Zivilpersonen schützen, humanitäre Hilfe zulassen und das humanitäre Völkerrecht einhalten.