Worum geht es?
Die Fussball-WM 2026 in Nordamerika sollte die erste werden, die Menschenrechtskriterien bei der Vergabe berücksichtigt. Doch es blieb bei Lippenbekenntnissen. Trotz zahlreicher Menschenrechtsrisiken hat keine der 16 Austragungsstädte einen Massnahmeplan erarbeitet, um Fans, Spieler, Arbeiter*innen, Journalist*innen und die lokale Bevölkerung wirksam vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen. Die Fifa kommt ihrer Sorgfaltspflicht nicht nach, von den Behörden in den USA, Mexiko und Kanada verbindliche Menschenrechtsgarantien einzufordern.
Millionen Fans, die zur Fussball-WM 2026 reisen, sind Menschenrechtsrisiken ausgesetzt. Diskriminierende Einreiseverbote, Racial Profiling, Polizeigewalt, Überwachung und willkürliche Festnahmen durch die Einwanderungsbehörde ICE schüren Angst bei lokalen und internationalen Fans. In den USA herrscht ein menschenrechtlicher Ausnahmezustand. Auch in Kanada und Mexiko sind zentrale Rechte gefährdet. In Kanada droht die Verdrängung obdachloser Menschen und in Mexiko erhöhen massiv aufgestockte Sicherheitskräfte das Risiko, dass friedliche Proteste gewaltsam unterdrückt werden. In allen drei Ländern wurden in den letzten Monaten Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit dokumentiert. Rassifizierte Personen und LGBTQIA+ sind Anfeindungen und Übergriffen ausgesetzt.
Die Hauptverantwortung für die Wahrung der Menschenrechte an den WM-Austragungsorten tragen zwar die Behörden der USA, Kanadas und Mexikos. Doch die Fifa und ihre Mitgliederverbände sind gemäss Uno und laut ihrer eigenen Menschenrechtspolitik verpflichtet, die Menschenrechte zu respektieren. Zahlreiche Beispiele – wie der Missbrauch von Arbeiter*innen an der WM in Katar 2022, die Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien ohne nennenswerte Menschenrechtsgarantien und die Durchführung der WM 2026 mit mangelhaftem Schutz vor Menschenrechtsrisiken – zeigen, dass die Fifa ihre Menschenrechtsversprechen nicht ernst nimmt. Sie priorisiert den Profit über das Wohlergehen der Menschen, die den Fussball lieben.
Unterschreiben Sie die Petition!
Was wir von der Fifa fordern
Fans und Spieler sollen sich am Fussballfest erfreuen und ihre Meinung frei äussern können – ohne Angst vor Anfeindungen, Ausschluss oder Gewalt.
Journalist*innen sollen frei berichten können – ohne Angst vor Diffamierungen, Sanktionen oder Angriffen.
Alle Menschen sollen sich frei bewegen können – ohne Angst vor diskriminierenden Anfeindungen und Übergriffen.
Anlässlich der WM in den USA, Mexiko und Kanada fordert Amnesty International die Fifa dazu auf:
- öffentlich zu garantieren, dass Veranstaltungen und Versammlungen im Rahmen der Weltmeisterschaft nicht zum Ziel von Einwanderungskontrollen durch ICE oder andere militarisierte Behörden werden
- sicherzustellen, dass Fans, Spieler und die lokale Bevölkerung sich in- und ausserhalb der Stadien frei äussern und friedlich protestieren können
- wirksame Massnahmen zu ergreifen, um alle Beteiligten vor Diskriminierung zu schützen – bei der Einreise, an den Austragungsorten und in den Stadien
- Medienschaffende und Menschenrechtsverteidiger*innen zu schützen.
Webinar: Mehr zur WM 2026
Möchten Sie gerne mehr über die Menschenrechtslage rund um die WM wissen und sich mit anderen Interessierten über Aktionsmöglichkeiten austauschen? Nehmen Sie am Webinar teil, an dem Lisa Salza, Fachperson für Sport und Menschenrechte bei Amnesty Schweiz über die Menschenrechtsrisiken der WM und die Verantwortung der Fifa informiert.
Online Webinar am 12. Mai um 17:30 Uhr
Mehr zum Thema Sport und Menschenrechte
- Rio 2016
Das Erbe der Olympischen Spiele ist geprägt von Gewalt
Während den Olympischen Spielen vom 5. bis am 21. August 2016 sind in Rio de Janeiro Menschenrechte verletzt worden. In einem abschliessenden Bericht hält Amnesty International fest, dass namentlich d... - Rio 2016
Polizeigewalt trübt olympische Bilanz
Traurige Bilanz der soeben zu Ende gegangenen Olympischen Spiele in Rio: Mindestens acht Menschen wurden während des Sportevents von Sicherheitskräften getötet. Mindestens zwei Polizisten verloren ih... - Rio: Erbe der Olympischen Spiele gefährdet
Drastische Zunahme von Tötungen durch die Polizei
Die Polizei in Rio hat zwischen April und Juni dieses Jahres 124 Personen getötet. Kurz vor den Olympischen Spielen nahm die Zahl der Tötungen damit im Vorjahresvergleich um 103 Prozent zu.
- Rio 2016
120'000 Unterschriften ans olympische Organisationskomitee
Am 27. Juli 2016 übergab Amnesty Brasilien die bisher gesammelten 120'000 Unterschriften an das lokale Organisationskomitee (LOC) der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Die Petition fordert «Olympi...
- Rio 2016
Aktion am Genfersee mit Profi-SchwimmerInnen
Die drei Mitglieder der Hochschulgruppe Lausanne erzählen, wie sie ihre erste grosse Aktion erlebt haben.