Ukraine

Amnesty warnt vor eskalierender Notlage nach Angriffen auf Energieinfrastruktur

Amnesty International dokumentiert mit Zeug*innenaussagen die verheerenden Folgen der systematischen russischen Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung. Zivilpersonen berichten von einem eisigen Winter ohne Heizung, Strom oder fliessendes Wasser – während der Bombardierungen unvermindert weitergehen.

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Dutzende Betroffene schilderten Amnesty International, wie sie seit Wochen in eiskalten Wohnungen leben, mit eingefrorenen Leitungen und unterbrochenen Strom- und Telefonverbindungen. Viele greifen zu improvisierten und teils gefährlichen Methoden, um sich zu wärmen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, die oft isoliert und ohne Unterstützung in ihren Wohnungen zurückbleiben.

Svitlana, eine Rentnerin aus Kyjiw, sagte über die Stromausfälle: «Ich wärme etwas Wasser in einer Tasse auf dem Petroleumkocher, fülle zwei Flaschen – eine kommt an meine Füsse, die andere in meine Hände, damit ich nicht erfriere. Und wir schlafen alle angezogen … In Kleidern unter den Duvets, alles, was wir haben, ziehen wir an.»

Seit Oktober hat Russland mehrere hundert schwere Luftangriffe gegen die Energieinfrastruktur der Ukraine verübt. Das Land hat mehr als die Hälfte seiner Energieerzeugungskapazität verloren; Notabschaltungen betreffen bis zu 80 Prozent der Bevölkerung – bei Temperaturen unter –15 °C.

«Russland führt nicht nur einen Angriffskrieg, sondern setzt die ukrainische Bevölkerung gezielt extremer Grausamkeit aus», sagt Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International. Die systematischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur zielten darauf ab, Verzweiflung zu verbreiten und die Moral der Menschen zu brechen.

Amnesty International dokumentiert seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar 2022 umfassende Verstösse gegen die Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht, darunter Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der russische Angriffskrieg ist ein Verbrechen nach internationalem Recht. Seine Strategie und Kriegsführung – einschliesslich des Einsatzes wahlloser Waffen und der gezielten Angriffe auf Zivilpersonen – haben weitreichendes Leid verursacht und besonders verletzliche Gruppen wie Kinder und ältere Menschen schwer getroffen. Das Ausmass und das Muster der russischen Luftangriffe im ganzen Land zeigen klar, dass die Energieinfrastruktur der Ukraine systematisch ins Visier genommen wurde.

Medienmitteilung 10. Februar 2026, London/Bern – Medienkontakt