«Pizza Peace Prize»: eine Nachbildung eines Stücks Pizza das von Händen umringt ist
«Pizza Peace Prize» © Elias Kaiser
Fussball-WM 2026

«Pizza Peace Prize» soll auf Menschenrechtsrisiken der WM 2026 aufmerksam machen

Amnesty International Schweiz lanciert gemeinsam mit der Pizzeria VITO und der Sport & Rights Alliance den Pizza Peace Prize. Dieser soll die Willkür und Absurdität des von der Fifa vergebenen Friedenspreises an den kriegstreibenden US-Präsidenten beleuchten und den Weltfussballverband mit Sitz in Zürich daran erinnern, dass eine Weltmeisterschaft nicht zum Spielball autoritär agierenden Regierungen verkommen darf.

Amnesty International Schweiz, die Sport & Rights Alliance und VITO vergeben erst- und einmalig den Pizza-Friedenspreis. Dieser soll Sichtbarkeit schaffen für die Menschenrechtsrisiken, die mit der Fussball-Weltmeisterschaft der Männer in den USA, Mexiko und Kanada verbunden sind und für die Gefahr, dass die Fussball-WM als Bühne für autoritäre Kräfte missbraucht wird. Der Preis ist in Anlehnung an den Fifa Peace Prize entstanden, welcher Fifa-Präsident Gianni Infantino im vergangenen Jahr an den US-Präsidenten Donald Trump übergeben hat – in völliger Absenz nachvollziehbarer Kriterien.  

«Mit der Übergabe des ‚Friedenspreises‘ an einen Präsidenten, der mit seiner autoritären Politik Menschen spaltet, statt sie zu vereinen, hat sich die Fifa als selbsternannte Friedensstifterin endgültig unglaubwürdig gemacht...»

Lisa Salza
Lisa Salza
Verantwortliche für Sport und Menschenrechte bei Amnesty International Schweiz

«Mit der Übergabe des ‚Friedenspreises‘ an einen Präsidenten, der mit seiner autoritären Politik Menschen spaltet, statt sie zu vereinen, hat sich die Fifa als selbsternannte Friedensstifterin endgültig unglaubwürdig gemacht. Die Fussball-Welt hat diese unrühmliche Verquickung von Fussball und Politik mehrheitlich stillschweigend hingenommen. Das ist beschämend. Der Fussball darf autoritärem Gebaren keine Bühne bieten. Das machen wir anlässlich der Männer-WM in Nordamerika zum Thema – mit unserem eigenen Friedenspreis, dem Pizza Peace Prize», sagt Lisa Salza, Verantwortliche für Sport und Menschenrechte bei Amnesty International Schweiz.

«Immer wieder nutzen Regierungen grosse Sportveranstaltungen, um ihre Menschenrechtsbilanz zu beschönigen und ihr Image zu verbessern. Das ist in diesem Jahr nicht anders. Mit dem Pizza-Friedenspreis wollen wir ein Zeichen setzen für mehr Menschenrechte im Sport und für eine stärkere Sorgfaltspflicht für Sportverbände mit Sitz in der Schweiz. Wir sind stolz darauf, gemeinsam mit VITO und Amnesty International Fussballfans bei einer Pizza zusammenzubringen. Denn ein Pizza-Friedenspreis ist genauso bedeutungsvoll wie der Preis der Fifa», sagt Andrea Florence, Geschäftsführerin der Sport & Rights Alliance.

«Menschen zusammenzubringen und verbindende Momente zu schaffen, gehört seit jeher zu unserer Mission. Und eigentlich sollte Fussball genau dasselbe tun wie unsere grosse Pizza zum Teilen: Menschen aus aller Welt verbinden. Darum verleihen wir den Pizza Peace Prize», sagt Noah Kaiser von VITO.  

Die Teilnahme am Pizza Peace Prize ist vom 8. bis zum 21. Juni möglich. Als Gewinn winkt ein Pizza-Gutschein im Wert von 200.- und ein VITO-Fussballtrikot. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 24. Juni, in der VITO-Filiale an der Europaallee in Zürich statt. Der Komiker und Satiriker Renato Kaiser wird den/die Gewinner*in mit einer Laudatio ehren. 

Zu den Hintergründen

Die Fussball-WM 2026 in Nordamerika sollte die erste werden, die Menschenrechtskriterien bei der Vergabe berücksichtigt. Doch es blieb bei Lippenbekenntnissen. Trotz zahlreicher Menschenrechtsrisiken hat keine der 16 Austragungsstädte einen Massnahmenplan erarbeitet, um Fans, Spieler, Arbeiter*innen, Journalist*innen und die lokale Bevölkerung wirksam vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen. 

Millionen Fans, die zur Fussball-WM 2026 reisen, sind Menschenrechtsrisiken ausgesetzt. Diskriminierende Einreiseverbote, Racial Profiling, Polizeigewalt, Überwachung und willkürliche Festnahmen durch die Einwanderungsbehörde ICE schüren Angst bei lokalen und internationalen Fans. In den USA herrscht ein menschenrechtlicher Ausnahmezustand. Auch in Kanada und Mexiko sind zentrale Rechte gefährdet. In Kanada droht die Verdrängung obdachloser Menschen und in Mexiko erhöhen massiv aufgestockte Sicherheitskräfte das Risiko, dass friedliche Proteste gewaltsam unterdrückt werden. In allen drei Ländern wurden in den letzten Monaten Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit dokumentiert. Rassifizierte und LGBTQIA+ Menschen sind Anfeindungen und Übergriffen ausgesetzt. Die Fifa scheiterte bisher, diese Probleme ernsthaft anzugehen. 

Amnesty International kritisiert die Fifa für ihr Versäumnis, Menschenrechtsgarantien von den Gastgeberländern der Fussball-WM 2026 – Kanada, Mexiko und die USA – einzufordern und ruft sie in einer neuen Petition dazu auf, den Schutz der Menschenrechte ernst zu nehmen. Als Sitzstaat der Fifa muss die Schweiz endlich griffige Massnahmen ergreifen, damit Sportverbände ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht ernst nehmen und das Wohlergehen der Menschen ins Zentrum stellen.