Symbolbild (Medizinische Versorgung in Haft) © Amnesty International Schweiz
Offen
Urgent Action − Russland

Willkürlich Inhaftierter muss medizinisch versorgt werden

Am 1. Juli 2025 wurde Mikhail («Mike») Lochtchinin in Russland willkürlich inhaftiert, als er einreisen wollte, um seinen kranken Vater zu besuchen. Er hat die russische und die belgische Staatsbürgerschaft. Mikhail Lochtchinin steht wegen des konstruierten Vorwurfs des «Hochverrats» vor Gericht. Grundlage sind Gespräche mit seiner ukrainischen Ex-Freundin, die ihn um finanzielle Unterstützung gebeten hatte. Er wird unter unmenschlichen und erniedrigenden Bedingungen festgehalten. Sein Gesundheitszustand hat sich verschlechtert, und er hat das Sehvermögen auf einem Auge verloren. Mikhail Lochtchinin muss umgehend freigelassen werden und Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung erhalten. Die Anklage gegen ihn muss fallen gelassen werden.

Jetzt mitmachen

Setzen Sie sich für Mikhail («Mike») Lochtchinin ein:
Senden Sie einen Appellbrief per Post oder Fax.
E-Mail und Tweeten sind bei dieser UA leider nicht möglich.

Unterschreiben Sie ebenfalls die online-Petition seiner privaten Unterstützer*innen auf Change.org

Mitmachen bis 14. Juli 2026

Briefvorlagen

Adressen

Staatsanwalt:
Prosecutor General
Aleksandr Vladimirovich Gutsan
Prosecutor General’s Office
Ul.Bolshaya Dmitrovka, 15a
Moscow, GSP-3, 125993
RUSSIAN FEDERATION
Fax:+7 495 987-5656

Kopien an 

Botschaft der Russischen Föderation
Brunnadernrain 37, Postfach
3000 Bern 16
Fax: 031 352 55 95
E-Mail: embassy.bern@mid.ru
Facebook: /RusEmbSwiss
X/Twitter: /RusEmbSwiss

Zudem

­­­Petition auf Change.org, gestartet von seinen Unterstützer*innen:
Petition on Change.org launched by his supporters: 
Secure freedom for Mikhail ("Mike") Lochtchinin, Belgian, detained in Russia

_
Russian NGO Memorial declaration as a political prisoner: 
https://memopzk.org/en/figurant/loshhinin-mihail-mihajlovich/

Article on Meduza where Mike is telling his story via letters:
https://meduza.io/feature/2026/04/14/da-ya-zhaleyu-chto-poehal  

Hintergrund

Mikhail Lochtchinin hat die russische und die belgische Staatsbürgerschaft und lebt seit Anfang der 2000er-Jahre in der EU. Am 1. Juli 2025 wurde er an der russischen Grenze willkürlich festgenommen, als er einreisen wollte, um seinen Vater zu besuchen.

Medienberichten zufolge wurde er zunächst im Untersuchungsgefängnis SIZO-2 in Staryi Oskol festgehalten, wo er offenbar gefoltert und anderweitig misshandelt wurde. Anschliessend verlegte man ihn in die Untersuchungshaftanstalt SIZO-1 in Pskow. Mikhail Lochtchinin steht derzeit wegen des konstruierten Vorwurfs des «Hochverrats» vor Gericht. Grundlage sind Gespräche mit seiner ukrainischen Ex-Freundin, die ihn um finanzielle Unter-stützung gebeten hatte. Das Verfahren findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor dem Stadtgericht Pskow statt. Bei einer Verurteilung drohen ihm mindestens zwölf Jahre Haft, im schlimmsten Fall sogar eine lebenslange Gefängnisstrafe. Es gibt ernste Befürchtungen, dass das Verfahren nicht den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren entspricht.

In der Haft hat sich der Gesundheitszustand von Mikhail Lochtchinin verschlechtert, und er hat auf einem Auge das Sehvermögen verloren. Medienberichten zufolge wurde er im Februar 2026 auf richterliche Anordnung hin in einem staatlichen Krankenhaus untersucht. Im März bewilligte ein Gericht ihm eine Computertomographie in einer Privatklinik. Laut Medienberichten war die ärztliche Untersuchung jedoch nicht umfassend genug, und die Computertomographie wurde noch nicht durchgeführt.

Mit Ende seines Verfahrens ist es möglich, dass Mikhail Lochtchinin in eine andere Region verlegt wird und sich dort neu um eine Computertomographie und andere Eingriffe bemühen muss. Daher ist es wichtig, dass die Tomographie rasch durchgeführt wird und er so schnell wie möglich angemessen medizinisch versorgt wird.

Mikhail Lochtchinin (auch bekannt als «Mike») lebt seit mehr als 25 Jahren in der EU. Als Belgier hat er u. a. in Deutschland gewohnt und in Luxemburg in einem IT-Unternehmen gearbeitet. Neben seiner Arbeit engagierte er sich in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen und Berufsverbänden, nahm an Theater-, Musical- und an-deren kulturellen Projekten teil und war leidenschaftlicher Motorradfahrer.

Verschiedenen Medienberichten zufolge wurde er am 1. Juli 2025 an der lettisch-russischen Grenze willkürlich festgenommen, als er mit dem Motorrad nach Russland fahren wollte, um seinen Vater zu besuchen. Am 4. Juli rief er seine Mutter an und sagte, dass er in einem Hotel in der Kleinstadt Pytalowo (Region Pskow) festgehalten werde. Die Familie beauftragte einen Anwalt, der ihn am 1. August besuchte. Am nächsten Tag wurde Mikhail Lochtchinin Berichten zufolge von Männern in Zivil, bei denen es sich vermutlich um Sicherheitskräfte handelte, an einen unbekannten Ort gefahren. Sein Anwalt machte sich auf die Suche nach ihm und erhielt schliesslich ein Schreiben der Militärabteilung der Ermittlungsbehörde mit Datum vom 7. August. Darin stand, dass sein Mandant im Untersuchungsgefängnis SIZO-2 in Staryi Oskol (Region Belgorod) festgehalten werde. Dieser Ort liegt mehr als 1.000 km südlich von dort, wo Mikhail Lochtchinin ursprünglich festgehalten wurde. Als der Anwalt versuchte, Mikhail Lochtchinin in der Hafteinrichtung zu besuchen, teilte man ihm mit, sein Mandant halte sich dort nicht auf. Am 21. August rief Mikhail Lochtchinin seine Familie an und sagte, dass er nun im SIZO-1 in Pskow inhaftiert sei und wegen Hochverrats angeklagt werde. Vorliegenden Informationen zufolge geht die Anklage auf ein Gespräch zurück, das Mikhail Lochtchinin im Jahr 2022 mit seiner ukrainischen Ex-Freundin geführt hatte und in dem sie um geringfügige persönliche finanzielle Unterstützung bat.

Mikhail Lochtchinin sagte gegenüber der Presse, dass er während seines Aufenthalts im SIZO-2 in Staryi Oskol gefoltert und anderweitig misshandelt wurde. Angehörige der Strafvollzugsbehörden wussten, dass Mikhail Locht-chinin stark kurzsichtig ist, und nahmen ihm die Brille ab, sodass er nichts sehen konnte. Einige Zeit später hatte er Probleme mit der Netzhaut und verlor das Sehvermögen in einem Auge. Dies ist möglicherweise auf seine Misshandlung zurückzuführen. Sein Anwalt beantragte eine ärztliche Untersuchung, und im Februar 2026 ordnete ein Gericht eine solche Untersuchung in einem örtlichen Krankenhaus an. Die Untersuchung war allerdings nicht umfassend genug. Im März 2026 bewilligte das Gericht eine Computertomographie in einer Privatklinik, die je-doch immer noch nicht vorgenommen wurde.

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben russische Menschenrechtsorganisationen bemerkt, dass immer mehr Menschen strafrechtlich verfolgt werden. Zu den gegen diese Menschen erhobenen Vorwürfen zählen «Hochverrat» (Paragraf 275 des Strafgesetzbuchs), «Spionage» (Paragraf 276), «heimliche Zusammenarbeit mit Ausländern» (Paragraf 275.1) und «Unterstützung eines Feindes» (Paragraf 276.1). Nach Angaben der russischen NGO Pervyi otdel sind seit Beginn des Kriegs mehr als 1.000 Personen wegen solcher Vorwürfe verurteilt worden; im Jahr 2025 allein waren es mindestens 468. Ende 2025 wurde gegen mindestens 420 Personen ermittelt, und 179 Menschen waren angeklagt. Bisher wurde noch niemand von einer solchen Anklage freigesprochen.

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 048/26
14.05.2026 | -
EUR 46/0999/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 14. Juli 2026
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Ensure urgent medical care for a detainee

Dual Russian and Belgian national Mikhail («Mike») Lochtchinin was arbitrarily detained in Russia on 1 July 2025 when he tried to enter the country to visit his father, who is in poor health. He is standing trial on fabricated charges of «high treason» stemming from conversations with his Ukrainian ex-girlfriend who asked him for personal financial support. He is being held in inhuman and degrading conditions. His health has deteriorated and he lost vision in one eye. Mikhail Lochtchinin must be immediately released and allowed access to adequate healthcare, and the charges against him must be dropped.

Mikhail Lochtchinin (also known as «Mike») has been living in the EU for over 25 years. He has Belgian nationality and has also lived in Germany and worked in Luxembourg at an IT company. Apart from his work, he has been actively involved in various charitable and professional organizations, participated in theatre, musical and other cultural projects and is a passionate motorbike rider.

According to various media publications, on 1 July 2025, when he travelled to Russia on his motorbike to visit his father, he was arbitrarily detained by the Russian border guards at the Latvian-Russian border. On 4 July, he called his mother to inform her that he was being detained at a hotel in Pytalovo, Pskov region. The family hired a lawyer who visited him on 1 August. The next day, Mikhail Lochtchinin was reportedly driven by unidentified men, believed to be plain clothes law enforcement officers, to an unknown location. His lawyer started searching for him and eventually received a letter from the military department of the Investigation Committee dated 7 August, with information that his client was being held in SIZO-2 in Staryi Oskol, Belgorod region, over 1,000 km south of the place of his initial detention. When his lawyer went to see him, he was told that his client was not there. On 21 August, Mikhail Lochtchinin called his family again to inform that he was now being held in SIZO-1 in Pskov and that he had been charged with high treason. According to the available information, the charges stem from a conversation Mikhail Lochtchinin had with his Ukrainian ex-girlfriend in 2022, in which she asked for some small personal financial support. Mikhail Lochtchinin is currently standing trial, which is closed to the public, in Pskov city court. If found guilty, he may face from 12 years to life imprisonment. There are serious concerns that fair trial standards are not being observed.

According to Mikhail Lochtchinin’s account of events, which he shared with a journalist, while he was in SIZO-2 in Staryi Oskol, he was subjected to torture and other ill-treatment. Knowing that Mikhail Lochtchinin suffers with severe short-sightedness (myopia) the penal authorities took his glasses away, meaning that he could not see. Later, possibly due to ill-treatment, one of his retinas started to deteriorate, and he lost vision in one eye. His lawyer applied for a medical examination and in February 2026, the court ordered such an examination to be carried out in a local hospital. However, it was not adequate. In March 2026, the court allowed a CT scan for Mikhail Lochtchinin in a private hospital. However, it has not been conducted yet. As Mikhail Lochtchinin’s trial is coming to an end, he could be transferred to another region and will have to apply for a CT scan and other procedures anew. It is important that the scan is undertaken urgently and that he is provided with adequate medical care as soon as possible.

After the start of the war of aggression against Ukraine, Russian human rights NGOs have noted a significant rise of criminal prosecutions under the «high treason» (Article 275 of the Criminal Code), «espionage» (Article 276), «confidential cooperation with foreigners» (Article 275.1) and «providing assistance to an enemy» (Article 276.1). According to the Russian NGO First Department, over 1,000 people have been sentenced under these charges since the start of the war with at least 468 of them – in 2025. As of the end of 2025, at least 420 people were under investigation, and 179 people are awaiting trial. There have been no acquittals under any of these charges.


_
Please take action before 14 July 2026.

You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a word-file