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Offen
Urgent Action − Russland

Inhaftierter Aktivist gefoltert

Azat Miftakhov ist seit 2019 inhaftiert. Die Vorwürfe gegen ihn werden als politisch motiviert betrachtet. Im April 2026 wurde er in eine Strafkolonie verlegt und dort offenbar gefoltert. Unter anderem wurde er geschlagen, durch Elektroschocks gefoltert und mit Vergewaltigung bedroht. Diese Foltervorwürfe müssen unabhängig und wirksam untersucht und die mutmasslich Verantwortlichen in fairen Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden.

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Senden Sie einen Appellbrief per Post oder E-Mail und tweeten/posten Sie der Botschaft in den sozialen Medien: X/Twitter oder Facebook.

Mitmachen bis 15. Juli 2026

Briefvorlagen

Adressen

Zuständiger Staatsanwalt für Justizvollzugsanstalten im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen:
Prosecutor for Supervision of Law Enforcement
in Correctional Institutions of the Yamalo-Nenets
Autonomous Okrug
Mityayev Mikhail Arkadyevich
ul. Dzerzhinskogo, 13
Labytnangi, Harp village
Yamalo-Nenets Autonomous Okrug
629420 Russian Federation
E-Mails: proknadzor-iu-yanao@89.mailop.ru
prokyanao@89.mailop.ru
prokyan-iu@yandex.ru

Kopien an 

Botschaft der Russischen Föderation
Brunnadernrain 37, Postfach
3000 Bern 16
Fax: 031 352 55 95
E-Mail: embassy.bern@mid.ru
Facebook: /RusEmbSwiss
X/Twitter: /RusEmbSwiss

Social Media Guide

Tag:
Russian embassy
Facebook: /RusEmbSwiss
X/Twitter: /RusEmbSwiss

Suggested messages:
Azat Miftakhov, a mathematician and activist, is imprisoned in Russia on politically motivated charges and faces years behind bars. He has reported brutal torture, including beatings, electric shocks and threats of rape. Demand an immediate, independent investigation and accountability for all those responsible. 

Azat Miftakhov remains behind bars amid a pattern of "revolving door" repression targeting dissenters in Russia. After surviving alleged torture and sexual violence in custody, he urgently needs protection. Call on the authorities to end impunity in detention, ensure Azat’s protection from further abuse and release him. 

Hashtag:
#FreeAzat

Hintergrund

Azat Miftakhov ist Mathematiker und ehemaliger Student der Moscow State University. Er ist seit 2019 wegen Vorwürfen inhaftiert, die weithin als politisch motiviert angesehen werden. Im April 2026 wurde er in die Strafkolonie Nr. 18 «Polareule» im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen verlegt. Dort wurde er Berichten zufolge gefoltert und anderweitig misshandelt. Gefängnispersonal sowie Mitgefangene, die mit dem Personal zusammenarbeiteten, sollen ihn geschlagen, mit Elektroschocks gefoltert und mit Vergewaltigung bedroht haben.

Nachdem er im September 2025 seine erste Haftstrafe verbüsst hatte und aus dem Gefängnis entlassen wurde, nahm man ihn sofort wieder fest und verurteilte ihn wegen «Rechtfertigung von Terrorismus» zu einer weiteren Gefängnisstrafe. Auch hier besteht die Befürchtung, dass die Anklage politisch motiviert war und auf fragwürdigen Beweisen beruhte. Azat Miftakhov hat bereits in der Vergangenheit über Misshandlung in der Haft berichtet, was ein Muster von Menschenrechtsverletzungen und Straflosigkeit befürchten lässt.

Er berichtete von Schlägen, Elektroschocks, erniedrigender Behandlung und sexualisierter Gewalt. Diese Vorwürfe müssen zielführend untersucht werden. Folter ist gemäss dem Völkerrecht strikt verboten. Alle mutmasslich dafür Verantwortlichen müssen in fairen Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass solche Menschenrechtsverstösse aufgrund von Straflosigkeit ungehindert verübt werden können.

Azat Miftakhov ist ein russischer Mathematiker mit einem Abschluss des Fachbereichs Mechanik und Mathematik der Moscow State University. Er ist ausserdem ein anarchistischer Aktivist. Er wurde am 1. Februar 2019 festgenommen, als die russischen Behörden gegen Personen vorgingen, denen sie Verbindungen zur anarchistischen Bewegung unterstellten. Azat Miftakhov berichtete, dass er von Polizeikräften mit sexualisierter Gewalt bedroht und körperlich misshandelt wurde, um ihn zu einem Geständnis zu zwingen. Unter anderem wurde er mit einem Schraubenzieher misshandelt. Berichten zufolge bestätigten ärztliche Gutachten, dass er Folterspuren aufwies. Azat Miftakhov wurde ausserdem fast zwei Tage lang ohne Kontakt zur Aussenwelt festgehalten, was ihn einer erhöhten Gefahr von Folter und anderen Misshandlungen aussetzte. Dies verstösst sowohl gegen russisches Recht als auch gegen internationale Standards.

Ursprünglich wurde Azat Miftakhov vorgeworfen, einen improvisierten Sprengsatz hergestellt bzw. besessen zu haben, der Berichten zufolge im Januar 2018 in einem Waldgebiet in der Nähe von Balaschicha bei Moskau gefunden wurde. Die Vorwürfe konnten nicht bewiesen werden und wurden fallen gelassen. Doch nachdem Azat Miftakhov sechs Tage später aus der Haft freikam, nahmen Sicherheitskräfte ihn umgehend wieder fest und machte ihm neue Vorwürfe gemäss Paragraf 213 Absatz 2 des Strafgesetzbuchs. Diese bezogen sich auf einen anderen Vorfall, bei dem mehrere Personen in einem Büro der Regierungspartei ein Fenster einschlugen und eine Rauchbombe hineinwarfen. Dabei wurden weder Menschen verletzt noch grössere Schäden verursacht.

Das Verfahren gegen Azat Miftakhov stützte sich vor allem auf fragwürdige Beweise: zum Beispiel Aussagen anonymer Zeug*innen und schwache Indizienbeweise. Er selbst hat stets bestritten, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein. Auch Mitangeklagte, die auf schuldig plädierten, gaben an, dass Azat Miftakhov nichts damit zu tun hatte. Nichtsdestotrotz wurde er am 18. Januar 2021 zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Seine strafrechtliche Verfolgung wird weithin als politisch motiviert eingeschätzt. Es wird vermutet, dass es den Behörden dabei um seinen Aktivismus und seine vermeintlich abweichenden Ansichten ging.

Im Mai 2023 wurde berichtet, dass Angehörige des Gefängnispersonals private Informationen, die ihn als LGBTI auswiesen, an andere Gefangene weitergegeben hatten. Dies verletzte sein Recht auf Privatsphäre und setzte ihn der Gefahr von Übergriffen im Gefängnis aus – eine Tatsache, die den Verantwortlichen zweifellos bekannt war.

Am 4. September 2025 wurde Azat Miftakhov kurz aus der Haft entlassen, dann aber sofort wieder in Gewahrsam genommen und wegen «Rechtfertigung von Terrorismus» unter Paragraf 205.2 des Strafgesetzbuchs angeklagt.

Am 28. März 2024 wurde er zu weiteren vier Jahren in einer Strafkolonie verurteilt, was ein allgemeines Muster der «Drehtür»-Repression widerspiegelt, mit der die Inhaftierung von Personen, die aus politischen Gründen inhaftiert sind, verlängert wird. Das Gericht verurteilte Azat Miftakhov zu einer um ein Jahr längeren Strafe als von der Staatsanwaltschaft beantragt.

Am 21. April 2026 wurde Azat Miftakhov zur Verbüssung seiner Strafe in die Strafkolonie Nr. 18 «Polareule» im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen verlegt, eine der entlegensten Strafanstalten Russlands und eine Schwestereinrichtung der Strafkolonie Nr. 3 «Polarwolf», in der der gewaltlose politische Gefangene Alexej Nawalny starb. Kurz nach seiner Ankunft wurde er seinen Angaben zufolge gefoltert und anderweitig misshandelt, u. a. durch Schläge, Elektroschocks und die Androhung von Vergewaltigung. Verantwortlich dafür sollen Gefängnispersonal und Insassen, die unter deren Anleitung handelten, gewesen sein. Diese Vorwürfe stehen im Kontext der seit langem erhobenen Vorwürfe über Folter und anderen Misshandlungen in russischen Haftanstalten und die fehlende Rechenschaftspflicht für solche Menschenrechtsverstösse.

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Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 051/26
15.05.2026 | -
EUR 46/1004/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 15. Juli 2026
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Imprisoned activist allegedly tortured

Azat Miftakhov has been imprisoned since 2019 on charges widely seen as politically motivated. In April 2026, after transfer to an Arctic penal colony, Azat Miftakhov was reportedly tortured, including through beatings, electric shocks and threats of rape, raising serious concerns about his treatment and that of other prisoners. These allegations of torture must be independently and effectively investigated and those suspected to be responsible held to account in fair trials.

Azat Miftakhov is a Russian mathematician, former postgraduate student of the Mechanics and Mathematics Department of the Moscow State University and an anarchist activist. He was detained on 1 February 2019 during a broader crackdown on individuals allegedly linked to the anarchist movement. Azat Miftakhov reported that police subjected him to threats of sexual violence and to physical abuse to extract a confession, including the use of a screwdriver against his body. Medical evidence reportedly corroborated signs of abuse. He was also held incommunicado for nearly two days, in violation of both Russian law and international standards, placing him at greater risk of torture and other ill-treatment.

The initial charges against Azat Miftakhov concerned allegations of manufacturing or possessing an improvised explosive device, reportedly discovered in the forested area near Balashikha, a Moscow suburb, in January 2018. The charges were not substantiated and were subsequently dropped, but upon his release from custody (six days later) he was immediately detained again on new charges under Article 213(2) of the Criminal Code of the Russian Federation («hooliganism by a group of persons by prior conspiracy») related to a different incident, in which several individuals broke a window of an office of the ruling party United Russia and threw a smoke device inside, causing no injuries or significant damage.

The case against him relied heavily on questionable evidence, including testimony from anonymous witnesses and weak circumstantial links. Despite his consistent denial of involvement – and statements from co-defendants who entered guilty pleas indicating that he was not involved – he was convicted on 18 January 2021 and sentenced to six years’ imprisonment. His prosecution has been widely seen as politically motivated and linked to his activism and perceived dissenting views.

In May 2023, it was reported that state officials disclosed intimate materials identifying him as an LGBTI person to other prisoners. These actions, in addition to violating his privacy, exposed him to a grave risk of abuse within the prison system, a fact undoubtedly known to the officials.

Azat Miftakhov was due for release on 4 September 2025 but was re-arrested immediately after leaving the penal colony and charged with «justifying terrorism» under Article 205.2 of the Criminal Code, based on alleged comments made in detention, which he denies. On 28 March 2024, he was sentenced to an additional four years in a penal colony, in what reflects a broader pattern of «revolving door» repression used to prolong the detention of those imprisoned on political grounds. The sentence given to Azat Miftakhov by the court turned out to be one year longer than the prosecution had requested.

On 21 April 2026, he was transferred to serve his sentence to Penal Colony No. 18 «Polar Owl» in the Yamalo-Nenets Autonomous Okrug, one of Russia’s most remote penal institutions and a sister facility to the Penal Colony No. 3 «Polar Wolf» where prisoner of conscience Aleksei Navalny died. Shortly after arrival, he reported being subjected to torture and other ill-treatment, including through beatings, electric shocks and threats of rape, allegedly involving prison staff and inmates acting under their direction. These allegations are consistent with long-standing concerns about the use of torture and other ill-treatment in Russian places of detention and the lack of accountability for such abuses.

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Please take action before 15. July 2026.

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