Eine junge Frau steht mit einem grossen Transparent, auf dem "No LIthium, no MIne" steht, vor etwas, das wie eine Pferdekoppel aussieht.
Eine Aktivistin aus der Gemeinschaft der Shoshonen protestiert gegen die Lithium-Mine. © Rick Bowmer / AP / Keystone
Bodenschätze | USA

Verletzte Rechte, verletzte Wurzeln

Im Wettlauf um Lithium stellt Washington die Bedürfnisse der Wirtschaft über die Rechte der indigenen Bevölkerung, wie ein aktueller Bericht von Amnesty International enthüllt.

«Wir haben nie zugestimmt. Wir wurden einfach über den Tisch gezogen», sagt Shelley Harjo, Mitglied der Shoshone-Paiute in Nevada. Auf dem Land ihrer Gemein­schaft wird in der im Bau befindlichen Thacker-Pass-Mine bald Lithium abgebaut werden. Wie für diese Mine wurde auch für zwei weitere Grossbergbauprojekte – das Nevada- North-Lithium-Projekt und das Rhyolite-Ridge-Lithium-Pro­jekt – keine Zustimmung der betroffenen indigenen Gemein­den eingeholt, wie ein Bericht von Amnesty vom Mai 2026 aufzeigt.

Im weltweiten Wettlauf um unverzichtbare Rohstoffe für moderne Technologien, zu denen auch Lithium gehört, er­teilt die Trump-Regierung Bergbaugenehmigungen im Eil­tempo. Da die Nachfrage nach Lithium aufgrund der Ener­giewende und wegen des wachsenden Strombedarfs der KI-Rechenzentren stark ansteigt, hat sich Nevada zu einer wichtigen Förderregion entwickelt: 85 Prozent der Lithium­reserven der USA befinden sich hier.

Entweihtes Erbe

Für Dorece Sam Antonio sind die Pläne der Thacker-Pass-Mine ein schwerer Schlag. Sie ist eine direkte Nachfahrin von Ox Sam, einem der drei Überlebenden des Massakers von 1865 am Tha­cker Pass, bei dem Soldaten der US-Kavallerie schätzungsweise 30 bis 50 indigene Paiute-Män­ner, -Frauen und -Kinder töteten. «Hier ruhen meine Vorfahren, in ihrem Gedenken haben wir versucht, dieses Land zu schüt­zen», sagt sie. Shelley Harjo fügt hinzu: «Die Mine wird unsere Heimat und unsere Lebensweise zerstören.»

Der Umfang der geplanten Erweiterungen der Minen in Ne­vada ist besorgniserregend. Im September 2024 waren in dem Bundesstaat mehr als 23 500 Anträge auf Konzessionen ein­gereicht worden – viele davon betreffen das angestammte Land indigener Gemeinschaf­ten. «Die Lithiumgewinnung und -verarbeitung in Nevada bedroht die Wasserquellen und die biologische Vielfalt – mit verheerenden Folgen für die indigenen Gemeinden», sagt Alysha Khambay, Expertin für Wirtschaft und Menschen­rechte bei Amnesty International.

Und die Schweiz?

Vom Lithiumboom profitieren auch internationale Grossinvestoren. Aus der Schweiz halten die Bank UBS, die Vermögensverwalterin Pictet & Cie SA und die Schweizerische Nationalbank Anteile an US-Firmen, die an den Lithium-Minen in Nevada beteiligt sind, darunter General Motors, Lithium Americas, Evolution und Ioneer. Amnesty International ruft Investor*innen dazu auf, von den US-Firmen zu verlangen, dass sie die Zustimmung der indigenen Bevölkerung  einholen, ansonsten sollen sie ihre Beteiligungen zurückziehen.

Ignorierte Rechte

Die US-Behörden halten es nicht für notwendig, die Rechte der indigenen Bevölkerung zu res­pektieren. Das Bundesrecht verlangt nämlich keine Zustim­mung der indigenen Bevölkerung, sobald das Land als öffent­liches Eigentum gilt. Das spielt in die Hände der australischen und kanadischen Bergbauunternehmen Ioneer und Lithium Americas, die zwei der Minen entwickeln und sich damit ge­gen den Vorwurf illegaler Aktivitäten verteidigen. Doch inter­nationale Normen und die Uno-Erklärung über die Rechte indigener Völker schreiben ausdrücklich vor, dass Unterneh­men einen höheren Standard anwenden müssen, wenn die lokalen Vorschriften zu wenig streng sind.